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Interview | Beitrag vom 08.02.2019

Berlinale Retrospektive 2019Wie Regisseurinnen in Ost und West den Film eroberten

Rainer Rother im Gespräch mit Ute Welty

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Blick von oben auf die Regisseurin Jeanine Meerapfel, die in einem Ledersessel sitzt. (imago / Pixsell)
Die deutsch-argentinische Regisseurin Jeanine Meerapfel. (imago / Pixsell)

"Die bleierne Zeit", "Taube auf dem Dach" oder "Malou" - in 26 Filmen beleuchtet die Berlinale Frauenfilme aus DDR und Bundesrepublik. Programmleiter Rainer Rother sieht viele Parallelen zwischen Ost und West.

Ein Stück Film-Frauen-Geschichte erzählt die Berlinale mit ihrer diesjährigen Retrospektive "Selbstbestimmt — Perspektiven von Filmemacherinnen". In insgesamt 26 Spiel- und Dokumentarfilmen wirft sie einen Blick auf das Filmschaffen von Frauen in der ehemaligen DDR und der Bundesrepublik zwischen 1968 und 1999. Darunter etwa Margarethe von Trottas "Die bleierne Zeit" (1981), "Malou" von Jeanine Meerapfel (1980) oder aus der ehemaligen DDR Helke Misselwitz' "Wer fürchtet sich vorm schwarzen Mann" (1985) und "Kennen Sie Urban?" von Ingrid Reschke (1971).

"Für uns war der Ausgangspunkt das Jahr 2016. Da haben wir eine Retrospektive gemacht, die hieß 'Deutschland 1966', und da konnten wir nur drei Filme von Regisseurinnen zeigen und noch dazu drei kurze, weil es keine anderen Filme gab in diesem Jahr", berichtet Rainer Rother, Leiter der deutschen Kinemathik und verantwortlich für die Retrospektive. Daraufhin habe man überlegt, wie man das Filmschaffen von Frauen besser in den Fokus rücken könne.

"1968 entstehen die ersten abendfüllenden Spielfilme in Ost und West und dann sind wir bis ins Jahr 1999 gekommen und damit haben wir dann die ersten beiden Generationen abgedeckt."

Arbeit, Alltag, Beziehungsprobleme

Ihren Weg zum Film haben die Filmemacherinnen über den Autorinnenfilm gefunden, so Rother, und sich von dort aus dann auch andere Genres erobert. Überrascht zeigt sich der Leiter der deutschen Kinemathek von der Gleichzeit der Themen in Ost und West. "Es geht schon um Arbeit, um Alltag, um Beziehungsprobleme", sagt er. Und sowohl in den ostdeutschen als auch den westdeutschen Filmen jener Zeit spielt der Raum eine große Rolle:

"Man darf nicht vergessen, dass im ersten Jahrzehnt für Frauen Arbeiten gar nicht selbstverständlich war, sondern es war gebunden an die Zustimmung des Ehemannes", so Rother. "Und da ist dieses Zeichen 'Wir gehen in die Stadt, wir gehen in unsere Straßen' ganz großartig auch filmisch realisiert, sowohl bei Helke Sander wie bei Evelyn Schmidt und anderen."

Rainer Rother, Leiter der Retrospektive der Berlinale (picture alliance / dpa / Jens Kalaene)Rainer Rother, Leiter der Retrospektive der Berlinale (picture alliance / dpa / Jens Kalaene)

Unterschiede hingegen sieht der Leiter der deuschen Kinemathek zum einen in den Produktionsbedingungen. Da die DDR-Filme in den DEFA-Studios entstanden seien, seien diese produktionstechnisch "gesettleter". Auch was die Stellung der Frau in der Gesellschaft angeht, erkennt Rother einen Ost-West-Unterschied.

"Das merkt man in den DEFA-Filmen schon, dass diese nicht nur Fiktion sind, sondern auch partielle Realität. Dass wir gleichberechtigt sind, wir Frauen, die Bauleiterinnen sind zum Beispiel wie in Iris Gusners 'Taube auf dem Dach'... Also eine andere Gesettletheit in der Gesellschaft, das ist schon ein Unterschied, der von Anfang an da ist."

(uko)

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