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Sonntag, 08.12.2019
 
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Kulturnachrichten

Sonntag, 18. Februar 2018

Berlinale-Gewinner Nazif Mujić gestorben

Familie bestätigt Tod des bosnischen Preisträgers von 2013

Es klang einst wie ein märchenhafter Aufstieg, als der bosnische Schrotthändler Nazif Mujić 2013 auf der Berlinale den Silbernen Bären als bester Hauptdarsteller gewann. Heute bestätigte seine Familie, dass Mujić am Wochenende in seinem Heimatdorf gestorben sei. Der bekannte bosnische Filmregisseur und Oscar-Gewinner Danis Tanović hatte Mujić´s tragische Lebensgeschichte verfilmt. Im Winter 2011 erwarteten er und seine Frau Senada ihr drittes Kind. Als es plötzlich im Mutterleib starb, änderte sich ihr Leben dramatisch. Sie hatten weder eine Krankenversicherung, noch genügend Bargeld, um die nötige Operation zu bezahlen. Mit einem illegalen Trick gelang es erst im letzten Moment das Leben der Ehefrau zu retten. Das Paar wirkte an dem halb-dokumentarischen Film in den Hauptrollen mit, der zu einem Riesenerfolg wurde. Auf der Berlinale 2013 erhielt Tanović dafür den Großen Preis der Jury. Aber dem Darsteller Mujić brachte der Silberne Bär für die beste Hauptrolle wenig neues Glück. Ein Asylantrag in Deutschland scheiterte. Er war wegen Geldsorgen gezwungen, den Silbernen Bär für 4000 Euro zu verkaufen. Zu einer letzten, geplanten Reise zur diesjährigen Berlinale kam es nach Auskunft der Familie nicht mehr.

Jazz-Geiger Didier Lockwood ist tot

Er spielte mit Jazz-Größen wie Miles Davis und Herbie Hancock

Der französische Jazz-Geiger Didier Lockwood ist gestorben. Das berichteten französische Medien. Demnach war der vielfach ausgezeichnete Musiker am Samstag noch in Paris aufgetreten. Nach Angaben seines Agenten erlag der 62-Jährige einem Herzinfarkt. Er veröffentlichte in seiner jahrzehntelangen Karriere 30 Alben, absolvierte rund 4000 Auftritte und spielte mit Jazzgrößen wie Miles Davis und Herbie Hancock. In den letzten Jahren war er auch als Komponist tätig und brachte mehrerer Konzerte und Opern heraus. Frankreichs Kulturministerin Françoise Nyssen (Nüsenn) würdigte ihn auf Twitter als „gewaltigen französischen Jazz-Geiger, der ohne Unterlass neue musikalische Horizonte erforscht hat und sich mit Leidenschaft für die Förderung der künstlerischen und kulturellen Bildung engagiert hat."

Britischer Filmpreis Bafta für "Three Billboards..."

Frances Mc Dormand und Gary Oldman erhalten Darstellerpreise

Das Drama "Three Billboards Outside Ebbing, Missouri" des britischen Regisseurs Martin McDonagh ist bei der Verleihung der britischen Bafta-Preise als bester Film ausgezeichnet worden. Die britische Film- und Fernsehakademie (Bafta) verlieh den Machern des Films bei der Gala am Sonntagabend in London die begehrteste Auszeichnung der britischen Filmbranche. Der Streifen setzte sich unter anderem gegen hochgelobten "The Shape oft Water" von Guillermo del Toro durch. Die Hauptdarstellerin von "Thee Billboards", Frances McDormand, wurde zur besten Darstellerin gekürt. Den Preis für den besten männlichen Darsteller erhielt Gary Oldman. Der britische Schauspieler hatte für seine Rolle in "Die dunkelste Stunde" bereits einen Golden Globe erhalten und galt deshalb als Favorit für die wichtigste Auszeichnung der britischen Filmbranche.

Künstlerin Yoko Ono wird 85 Jahre alt

2018 gibt es zahlreiche Ausstellungen mit ihren Werken

Die Künstlerin und John-Lennon-Witwe Yoko Ono feiert heute ihren 85. Geburtstag. Viele Menschen kennen sie vor allem als Frau des ermordeten Beatles-Sängers, dabei führte sie ein eigenes Leben als erfolgreiche Künstlerin. Erst kürzlich zeigte sie sich beim "Women's March" in New York mit einem "Imagine Peace"-Schild wieder auf ihrer Friedensmission. Seit dem Tod Lennons 1980 verteidigt Ono seinen Nachlass, macht weiter Kunst und kämpft für den Weltfrieden. Onos Kunst ist rund um die Welt zu sehen - für 2018 sind Ausstellungen mit ihren Werken unter anderem in Kanada, Island, den USA, Südafrika und in Deutschland angekündigt.

Weinstein Company entlässt Studio-Präsidenten

David Glasser muss nach Klage wegen sexueller Übergriffe gehen

Nach einer Klage wegen mutmaßlicher sexueller Übergriffe in der Weinstein Company hat sich das Unternehmen von seinem Studio-Präsidenten David Glasser getrennt. Der Vorstand habe sich einstimmig zu dem Schritt entschieden, berichtete das Portal "Deadline" unter Berufung auf die Firma. New Yorks Staatsanwalt Eric Schneiderman hatte vergangene Woche Klage gegen das frühere Unternehmen von Filmproduzent Harvey Weinstein eingereicht, dem Dutzende Frauen sexuelle Übergriffe vorwerfen. Geschäftsführung und Vorstand wussten laut Staatsanwaltschaft von dessen Verhalten und hätten es dennoch jahrelang hingenommen. Weinstein war bereits im Oktober entlassen worden. Er hatte das Studio zuvor mit seinem Bruder Bob sowie Glasser geleitet. Dieser hatte zuletzt nach einem potenziellen Käufer gesucht, um die drohende Pleite der Firma abzuwenden, und war CNN zufolge auch der Haupt-Ansprechpartner bei Schneidermans Ermittlungen. Der bevorstehende Verkauf der Firma an eine Investorengruppe wurde wegen der Zivilklage in letzter Minute gestoppt.

"Stark und ehrlich" - Positives Echo für Utøya-Film

Überlebende und Hinterbliebene loben das norwegische Attentatsdrama

Bevor das norwegische Drama "Utøya, 22. Juli" am Montag im Wettbewerb der Berlinale ins Rennen geht, haben Überlebende und Hinterbliebene des Attentats auf der Insel Utøya den Film bereits anschauen können. Es sei ein "sehr starker und authentischer Film", sagte die Leiterin der Opfer-Selbsthilfegruppe, Lisbeth Kristine Røyneland, der Deutschen Presse-Agentur. "Er ist ehrlich und auf eine Art gewalttätig und brutal. Aber in jedem Fall nicht brutaler als das, was ich in meinem eigenen Kopf habe." Røyneland verlor bei dem Terroranschlag am 22. Juli 2011 in Oslo und auf der Fjordinsel ihre Tochter. Der Film von Regisseur Erik Poppe komme nun zum richtigen Zeitpunkte, sagte sie, weil er den Fokus weg von Attentäter Anders Breivik zurück auf die Opfer lenke.

Streamingdienst Netflix weitet Geschäft aus

Neues Angebot für Nahen Osten und Nordafrika

Der aus den USA stammende Streamingdienst Netflix weitet sein Geschäft auf den Nahen Osten und Nordafrika aus. Das Unternehmen kündigte eine Partnerschaft mit OSN an, einem in der Region tätigen Sender für Pay-TV. Mit der Vereinbarung werden OSN-Abonnenten künftig auf Netflix-Inhalte zugreifen können. Es sei ein "ungewöhnlicher Deal", schrieb das Magazin «Variety». Die einzige Netflix-Produktion auf Arabisch ist bisher ein Comedy-Special mit dem libanesischen Komiker und Schauspieler Adel Karam.

Filmemacher Idrissa Ouédraogo gestorben

Burkina Faso trauert um den früheren Cannes-Preisträger

Der Filmemacher Idrissa Ouédraogo ist in seiner Heimat Burkina Faso im Alter von 64 Jahren nach längerer Krankheit gestorben, wie der dortige Filmverband mitteilte. Der international bekannte Regisseur und Filmproduzent studierte in Ouagadougou, Paris und Kiew und wurde zunächst mit Kurzfilmen bekannt. 1986 drehte er seinen ersten Spielfilm "Yaam Dabo", dem 1988 "Yaaba" und 1990 "Tilaï" folgten, der beim Festival in Cannes 1990 den Großen Preis der Jury erhielt. Der Film verlagerte eine griechische Tragödie in das zeitgenössische Afrika. Ouédraogo produzierte außerdem die Fernsehserie "Kadi Jolie", die auch im französischen Fernsehen gezeigt wurde. 2017 wurde er in die Academy of Motion Picture Arts and Sciences (AMPAS) aufgenommen, die jährlich die Oscars vergibt.

Schauspielerinnen protestieren gegen Ausbeutung

Offener Brief vor Filmpreis-Verleihung in London

Fast 200 britische und irische Schauspielerinnen haben in einem offenen Brief gegen sexuelle Übergriffe und ungleiche Bezahlung protestiert. Zugleich riefen sie kurz vor der Verleihung der Bafta-Filmpreise in London zu Spenden für eine neue britischen Initiative auf, die Frauen unterstützen soll. Die Schauspielerin Emma Watson spendete bereits umgerechnet rund 1,1 Millionen Euro, wie die Zeitung "The Observer" berichtete. Zu den Unterzeichnerinnen gehören neben Watson auch die Schauspielerinnen Keira Knightley und Emma Thompson. Sie seien durch die US-Initiative "Time's Up" (Die Zeit ist um) inspiriert worden. Wie bei den Golden Globes im Januar in den USA wollten jetzt auch viele britische Stars bei der Verleihung der Bafta-Filmpreise mit schwarzer Kleidung ein Zeichen setzen.

Deutsch-arabische Kinderbücher wenig gefragt

Bisher ist es ein Nischenprodukt im Buchhandel

Zweisprachige Kinderbücher in Deutsch und Arabisch sind nach Ansicht der Arbeitsgemeinschaft von Jugendbuchverlagen ein Nischenprodukt. "Die Nachfrage besteht in wirklich homöopathischen Dosen», sagte die Vorstandsvorsitzende Renate Reichstein. Zwar werde nach dem Zuzug vor allem syrischer Flüchtlinge in den Verlagen neu diskutiert, dass man, wie bei Kindern türkischer Einwanderer vor Jahrzehnten, zweisprachige Bücher für die Kleinen benötige. Aber man bekomme die Eltern und Bezugspersonen nicht in den Buchhandel. Dabei sei es wichtig, dass ein Kind auch seine Heimat- und Familiensprache gut beherrsche, sagte Reichstein.«Und es muss gleichzeitig Deutsch gut können, um sich hier zu integrieren und am schulischen Angebot teilnehmen zu können.»

Sylvain Cambreling unterzeichnet Vertrag in Hamburg

Nachfolge bei den Symphonikern geregelt

Der Generalmusikdirektor der Oper Stuttgart, Sylvain Cambreling, hat in Hamburg seinen Vertrag als neuer Chefdirigent der Hamburger Symphoniker unterzeichnet. Der Franzose folgt zur Spielzeit 2018/19 auf Sir Jeffrey Tate, der 2017 gestorben war. "Meine Begegnung mit den Symphonikern Hamburg war eine auf Anhieb beglückende künstlerische Erfahrung", sagte Cambreling. Die Laeiszhalle atme nicht nur eine reiche Tradition, sondern gehöre zu den am schönsten klingenden Sälen der Welt. "Es ist eine Ehre und berührt mich, als Chefdirigent meinem Freund Jeffrey Tate nachzufolgen." Cambreling, 1948 in Amiens geboren, ist seit 2012 Generalmusikdirektor der Staatsoper Stuttgart. Außerdem ist der 69-Jährige erster Gastdirigent des Klangforums Wien und seit 2010 Chefdirigent des Yomiuri Nippon Symphony Orchestra in Tokio.

Nationalisten dringen in russisches Kulturzentrum ein

Kiewer Polizei ließ die teils vermummten Rechtsradikalen gewähren

In der ukrainischen Hauptstadt Kiew sind Nationalisten gewaltsam in ein russisches Kulturzentrum eingedrungen. Die Demonstranten sprühten unter anderem "Tod Russland" und "Weg mit dem FSB" an die Wände und verbrannten eine russische Flagge, wie ukrainische Medien berichteten. Die Organisation C14 schrieb auf Facebook, man habe das Gebäude ausgewählt, weil es angeblich dem russischen Inlandsgeheimdienst FSB als Stützpunkt diene. Die herbeigerufene Polizei ließ die teils vermummten Rechtsradikalen gewähren. Am Sonntag sollte eine Demonstration mit der Forderung der Schließung des russischen Zentrums stattfinden. Ukrainische Beobachter befürchten, dass im Gegenzug das ukrainische Kulturzentrum in Moskau seine Räume verlieren könnte.

"Spiegel": Für Schloss-Fassade sind Steuergelder nötig

Sprecher der Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss dementiert

Für die Finanzierung der Barockfassade des rekonstruierten Berliner Stadtschlosses muss einem "Spiegel"-Bericht zufolge womöglich auf Steuergelder zurückgegriffen werden, weil das Spendenaufkommen nicht reicht. Dies gehe aus einem Bericht des Bundesbauministeriums an den Haushaltsausschuss des Bundestages hervor, schreibt das Nachrichtenmagazin. Bis Oktober seien erst 43,3 Millionen Euro an Spenden eingegangen, der Förderverein Berliner Schloss hat jedoch 105 Millionen zugesagt. Der Bund gehe jedoch davon aus, dass die fehlenden Spenden noch eingehen. Ähnlich äußerte sich der Sprecher der Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss, Bernhard Wolter. Er sei zuversichtlich, dass das Spendenziel bis zur geplanten Eröffnung des Humboldt Forums Ende 2019 erreicht wird, sagte Wolter. Würde am Ende Geld fehlen, könnte Wolter zufolge auch erst einmal auf die eine oder andere Figur sowie Details beim Fassadenschmuck verzichtet werden, um dies später zu finanzieren.

Brand in 1300 Jahre altem Kloster Jokhang in Tibet

Das Kloster zählt zum Unesco-Weltkulturerbe

Das 1300 Jahre alte Kloster Jokhang in Tibet ist durch ein Feuer beschädigt worden. Der Brand sei gelöscht worden, es habe keine Verletzten gegeben, hieß es in einem kurzen Bericht staatlich kontrollierter chinesischer Medien. Wie es zu dem Feuer kam und wie groß der Schaden am Kloster ist, war zunächst unklar. Das Kloster Jokhang steht in der tibetischen Hauptstadt Lhasa und gilt als spirituelles Zentrum des tibetischen Buddhismus. Es zählt zum Unesco-Weltkulturerbe. Auf Videos im Internet war zu sehen, dass das Dach eines der Klostergebäude in Flammen stand. Der Brand war aus mehreren hundert Metern Entfernung zu sehen. Diskussionen über das Feuer verschwanden rasch wieder aus sozialen Medien, offenbar durch die chinesische Zensur.

Ingrid Caven: Computer normieren uns

Die Schauspielerin und Sängerin über Unfreiheiten im digitalen Zeitalter

Die Chanson-Sängerin und Schauspielerin Ingrid Caven kritisiert eine gesellschaftliche Normierung im Computer-Zeitalter. Wir seien heute scheinbar freier, sagte sie im Interview mit Deutschlandfunk Kultur, aber "Big Brother, die große Maschine" habe uns alle in der Hand: "Die Computer bestimmen unser Denken, unser Fühlen und unser Handeln sowieso, und wir kommen da auch nicht raus." Caven wurde in Deutschland vor allem durch ihre Zusammenarbeit mit dem Regisseur Rainer Werner Fassbinder bekannt, dessen Filme viele sexuelle Tabus brachen. Diese Entwicklung der sexuellen Befreiung sei nun rückläufig. Die Maschine bringe alle auf eine Linie. "Wir müssen funktionieren und das gleiche Tempo anlegen wie die anderen." Ingrid Caven, die in diesem Jahr 80 Jahre alt wird, spielt in dem Stück "Liberté" des katalanischen Filmemachers Albert Serra, das am 22. Februar in der Berliner Volksbühne Premiere feiert.

Kim Ki-duk zu Gewaltvorwürfen: "Ich trage die Verantwortung"

Der südkoreanische Regisseur betonte zugleich, der Vorfall liege vier Jahre zurück

Der südkoreanische Regisseur Kim Ki-duk hat sich bei der Berlinale zu den Gewaltvorwürfen geäußert, die eine Schauspielerin gegen ihn erhoben hat. "Ich trage dafür die Verantwortung", sagte der 57-Jährige bei der internationalen Pressekonferenz. Er erklärte zugleich, dass es sich bei dem "bedauerlichen Vorfall" um ein vier Jahre zurückliegendes Ereignis handele. "Es war vor langer Zeit." Und es gebe unterschiedliche Beurteilungen des Vorfalls. Eine südkoreanische Schauspielerin hatte dem Regisseur vorgeworfen, sie 2013 bei den Dreharbeiten zu seinem Film "Moebius" mit Gewalt zu nicht im Drehbuch enthaltenen Sexszenen gezwungen zu haben. Festivaldirektor Dieter Kosslick hatte im Vorfeld der Berlinale darauf hingewiesen, dass ein koreanisches Gericht den Vorwurf der sexuellen Nötigung mangels Beweisen zurückgewiesen habe. Deshalb habe die Berlinale-Sektion Panorama sich entschieden, nicht in eine Vorverurteilung zu gehen, sondern Kim Ki-duks aktuellen Film "Human, Space, Time and Human" zu zeigen.

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