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Fazit / Archiv | Beitrag vom 16.02.2016

Berlinale: "Genius" und "Soy Nero""Frauen werden als katatonische Monster gezeichnet"

Patrick Wellinski im Gespräch mit Gabi Wuttke

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"Genius"-Regisseur Michael Grandage bei der Berlinale (picture alliance / dpa /  Ralf Hirschberger)
"Genius"-Regisseur Michael Grandage bei der Berlinale (picture alliance / dpa / Ralf Hirschberger)

Der im Wettbewerb der Berlinale laufende Film "Soy Nero" von Rafi Pitts leidet unter zu "groben und plakativen Gegenüberstellungen", kritisiert unser Filmredakteur Patrick Wellinski. Auch Michael Grandages Film "Genius" habe eine große Schwäche.

Regisseur Rafi Pitts will nach eigener Aussage mit seinem im Wettbewerb der Berlinale laufenden Film "Soy Nero" das Bewusstsein für die Tragik schärfen, wenn jemand seine Heimat verlassen muss. Unser Filmredakteur Patrick Wellinski schätzt zwar dieses Vorhaben sehr – und bezeichnet die Ruhe in Pitts' Erzählweise als "größten Triumph des Films".

Trotzdem überzeuge ihn die Art und Weise, wie der Regisseur den Film erzählt, nicht. "Denn es ist ein Versuch der offenen Dramaturgie, er arbeitet mit vielen Auslassungen und Reduktion." Das alles führe zu sehr "groben und plakativen Gegenüberstellungen".

"Soy Nero"
Regie: Rafi Pitts
Deutschland/Frankreich/Mexiko
120 Minuten

Im Mittelpunkt des Wettbewerbsfilms "Genius" steht die Beziehung des zunächst erfolglosen Schriftstellers Thomas Wolfe, gespielt von Jude Law, und dem Lektor Max Perkins, gespielt von Colin Firth, im New York der 20er-Jahre. "Diese Vater-Sohn-Beziehung steht im Mittelpunkt des Films", sagt Filmredakteur Wellinski über "das Biopic mit kleinen Schlenkern zu dieser Männerfreundschaft". 

Trotz guter Ansätze bedauert Wellenski, dass der Film teilweise zu theatral sei. Zudem sei "Genius" ein "Männerfilm". Der Film habe einen "unschönen Touch", weil die Frauen als "katatonische Monster gezeichnet werden". Das sei nicht nur unfair gegenüber den realen Frauen, sondern auch schade für den Film, da er dadurch "ein gewisses Gefühl für die Realität verliert, von der er erzählen will".

"Genius"
Regie: Michael Grandage
Großbritannien/USA
104 Minuten

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