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Fazit / Archiv | Beitrag vom 08.02.2019

Berlinale: Erste WettbewerbsfilmeFrançois Ozons Beitrag sticht heraus

Von Jörg Taszman

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Denis Menochet, Melvil Poupaud, Francois Ozon, Swann Arlaud und Aurelia Petit auf dem Roten Teppich der Berlinale 2019. (Sputnik/dpa)
Von links nach rechts: Denis Menochet, Melvil Poupaud, Francois Ozon, Swann Arlaud und Aurelia Petit auf dem Roten Teppich der Berlinale 2019. (Sputnik/dpa)

Die ersten Wettbewerbsfilme sind gelaufen: Das Drama "Systemsprenger" von Nora Fingscheidt ist beeindruckend, aber etwas lang. François Ozon überrascht mit seinem ersten realistischen Film "Grâce à Dieu" und Wang Quan’ans "Öndög" ist schön, aber harmlos.

"Systemsprenger" von Nora Fingscheidt

In diesem Drama geht es um Benni. Sie ist erst 9 Jahre alt und ein "Problemkind". Sie lebt in Heimen, aus denen sie regelmäßig rausfliegt, weil sie ihre Wut nicht unter Kontrolle hat, andere verbal und physisch verletzt oder bedroht. Ihre Mutter, die zwei weitere, jüngere Kinder hat, ist von Benni überfordert, obwohl sich das Mädchen nichts sehnlicher wünscht, als wieder bei ihrer Mama zu leben.

Als mit Micha ein neuer Schulbegleiter auftaucht und sie für drei Wochen mit in die Natur nimmt, tut dies Benni anfänglich gut. Vieles scheint sich für sie zu bessern. Auch ihre Mutter ist wieder bereit, sie zu sich zu nehmen. Aber dann gibt es immer wieder Rückschläge und Bennis Situation wird immer dramatischer.

Ein durchaus beeindruckender und sehenswerter Film, der vor allem durch die junge Hauptdarstellerin und den exzellenten Albrecht Schuch punktet. Insgesamt etwas zu lang und nach über 120 Minuten findet die Regisseurin keine völlig überzeugende Lösung, ihre Geschichte zu beenden.

"Grâce à Dieu" von François Ozon

Es ist wieder einmal bewundernswert, wie gekonnt und überzeugend François Ozon die Genres wechselt. Erstmals hat er nun einen harten, realistischen und hochpolitischen Stoff verfilmt. Es geht um einen wirklichen Fall in Lyon: um einen katholischen Priester, der über 70 kleine Jungen missbraucht hat und trotzdem von der Kirche gedeckt wurde - bis sich die Opfer zusammenschlossen und nicht nur Pater Preynat, sondern auch Kardinal Philippe Barbarin anzeigten, der von den Vorfällen wusste, den Pater aber im Amt ließ.

Der Film ist so hochbrisant und die Prozesse noch im Gange, dass in Frankreich versucht wird, den geplanten Kinostart zu verschieben.

"Öndög" von Wang Quan'an

In der Mongolei schafft der Regisseur von "Tuyas Wedding" – für den er 2006 den Goldenen Bären bekommen hat - erneut wunderschöne Bilder aus der Steppe, die vom kargen Alltag einer Hirtin erzählen. Ein wenig mehr Storytelling hätte aber nicht geschadet.

So dreht sich alles um eine mysteriöse Tote und eine Hirtin, die alleine lebt, aber durchaus gerne Sex hat und nun schwanger ist. Schön, aber ein wenig zu harmlos.

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