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Fazit | Beitrag vom 20.02.2020

Berlinale-Eröffnungsfilm "My Salinger Year"Schöne Emanzipationsgeschichte

Patrick Wellinski im Gespräch mit Sigrid Brinkmann

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Eine ältere Frau steht mit einer Zigarette in der Hand neben einer offenen Tür. Dort hindurchgeblickt, ist eine junge Frau zu sehen, die gerade telefoniert. (micro_scope)
Margaret Qualley und Sigourney Weaver verkörpern aufstrebende Schriftstellerin und altmodische Literaturagentin. (micro_scope)

Die Berlinale eröffnet mit "My Salinger Year": Die junge Joanna heuert bei der Agentur des großen Autors J.D Salinger an, will aber eigentlich selber Schriftstellerin werden. "Eine schöne, heitere und clevere Komödie", urteilt unser Filmkritiker.

New York in den 1990er Jahren: Joanna kriegt einen Job als Assistentin der Literaturagentin Margaret. Ihre Aufgabe besteht hauptsächlich darin, die Fanpost des in die Jahre gekommenen Kultautors J.D Salinger zu beantworten. Geduldig nähert sich die junge Frau ihrer eigentlichen Berufung: Sie will Schriftstellerin werden.

Nostalgie mit Makel

Diese Hommage an die prädigitale Literaturszene sei ein gelungener Eröffnungsfilm, urteilt Filmkritiker Patrick Wellinski: "Auch wenn diese Eröffnungsfilme immer das Problem haben, dass sie mit einer unendlichen Erwartungshaltung konfrontiert werden." Um richtig weggefegt zu werden im Kino, sei diese sehr schöne, heitere und clevere Komödie nicht geeignet, so Wellinski, da sie "doch sehr zarte und ruhige Töne anschlägt".

Die Schauspielerinnen Margaret Qualley und Sigourney Weaver vor einer blauen Berlinale-Wand (picture alliance/Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/dpa)Margaret Qualley und Sigourney Weaver verkörpern aufstrebende Schriftstellerin und altmodische Literaturagentin. (picture alliance/Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/dpa)

Der einzige Makel des Films sei eine gewisse Nostalgie nach der "guten alte Zeit", als man seine Kurzgeschichten noch im New Yorker veröffentlichen musste: "Es gibt eine schöne Szene, in der die Chefin, gespielt von Sigourney Weaver, Joanna erklärt, wieso sie keine Computer will, weil sie eben mehr Arbeit machen, als dass sie einsparen. Und deshalb wird jede Korrespondenz schön mit Schreibmaschine getippt."

Mentorin für ein Stück des Weges

Geschickt spiele Regisseur Philippe Falardeau mit dem Klischee des über sein Skript gebeugten Schriftstellers, berichtet Wellinski: "Die Kamera zeigt dann die Schrift so als Überblendung auf der Leinwand". Langsam reife in dieser "schönen Emanzipationsgeschichte" die Autorenstimme der Hauptdarstellerin.

Ein weiterer Aspekt, den der Film beleuchte, sei das Verhältnis der beiden Frauenfiguren, so Wellinski: "Es ist zunächst das Klischee, dass Frauen in Führungspositionen andere Frauen im Betrieb nicht fördern." Aber die Figur der Margaret, gespielt von Sigourney Weaver, ändere sich im Verlauf des Films: "Am Ende ist sie die Mentorin für Joanna, aber eben nicht für das ganze Leben, sondern nur für einen kleinen Weg in der Karriere dieser zukünftigen Schriftstellerin."

(beb)

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