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Kompressor | Beitrag vom 29.01.2020

Berlinale 2020Das erste Programm der neuen Doppelspitze

Patrick Wellinski im Gespräch mit Timo Grampes

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Die Direktoren der Berlinale, Mariette Rissenbeek und Carlo Chatrian, stellen das Programm vor. (dpa-Bildfunk / Britta Pedersen )
Machen einiges anders: Mariette Rissenbeek und Carlo Chatrian bei der Pressekonferenz zur 70. Berlinale. (dpa-Bildfunk / Britta Pedersen )

Die neue Spitze der Berlinale hat ihr Programm vorgestellt: Im Wettbewerb setzen Carlo Chatrian und Mariette Rissenbeek auf geliebte Autorenfilmer und das Thema Berlin. Die Frauenquote ist im Vergleich mit anderen Festivals gut – aber eigentlich mäßig.

Die neue Leitung der Berlinale, das Duo Mariette Rissenbeek und Carlo Chatrian, hat heute die Filme verkündet, die im Wettbewerb des Festivals laufen werden. Unter den 18 Filmen, die um den Goldenen Bären konkurrieren, sind zwei Werke von deutschen Regisseuren: "Berlin Alexanderplatz" von Burhan Qurbani und "Undine" von Christian Petzold.

Das Wettbewerbsprogramm für die 70. Berlinale zeichne sich durch viele bekannte Namen aus, sagt unser Filmkritiker Patrick Wellinski: Darunter seien etwa "First Cow" der US-Regisseurin Kelly Reichardt, "There Is No Evil" vom iranischen Filmemacher Mohammad Rasoulof und "The Woman Who Ran" vom koreanischen Regisseur Hong Sangsoo. "Das sind Autorenfilmer, auf deren neue Werke Cinephile warten" so Wellinski.

Gleich mehrere Wettbewerbsfilme haben die Stadt Berlin zum Thema: Neben den Beiträgen von Christian Petzold und Burhan Qurbani spiele auch der Schweizer Film "Schwesterlein" von Stéphanie Chuat und Véronique Reymond in der Hauptstadt: Der Film, besetzt mit Nina Hoss und Lars Eidinger, spielt in der Berliner Theaterwelt. "Das klingt doch nach einem perfekten Wettbewerb für die Jubiläumsberlinale", sagt Wellinski.

Mäßige Frauenquote, aber besser als in Cannes

Bei den 18 Wettbewerbsfilmen standen insgesamt sechs Frauen hinter der Kamera. "Das ist eine Quote, die Cannes und Venedig zusammen nicht hinbekommen", so Wellinski. Natürlich sei aber auch diese Zahl noch weit entfernt von einem ausgeglichenen Geschlechterverhältnis.

Eine spannende Tendenz im Wettbewerb der kommenden Berlinale sei außerdem, dass vier Beiträge von Regieduos stammen, findet Wellinski. "Die Idee des Autorenfilmers, des Genies, das alles beherrscht, das ist seit #MeToo schon sehr angekratzt."

Berlinale ohne Motto

Interessant sei auch gewesen, dass sich die neue Festivalleitung bei der Pressekonferenz anders präsentiert habe als ihr Vorgänger Dieter Kosslick. Da Rissenbeek und Chatrian beispielsweise, anders als Kosslick, die Wettbewerbsfilme den Journalisten vorab nicht bekannt gegeben hätten, sei die Atmosphäre konzentrierter und aufgeregter gewesen.

Chatrian hafte auch der Ruf an, ein Intellektueller zu sein, dem der Film wichtiger sei als sein eigener Auftritt, sagt Wellinski. "Das hat sich meiner Meinung nach heute auch bewahrheitet: Zu jedem Film gab es eine kleine Filmkritik von ihm – ohne Spoiler natürlich."

Nach 18 Jahren Dieter Kosslick sei die Presse zudem an ein "Motto" gewöhnt, unter das der frühere Chef das Festival zu stellen pflegte, so Wellinski. Doch diese Erwartungen erfüllte die neue Berlinale-Leitung nicht. "Brauchen Sie ein Motto? Dann finden wir eins!" antwortete Chatrian auf die Nachfrage eines Journalisten.

(jfr)

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