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Nachspiel / Archiv | Beitrag vom 31.05.2015

Berlin-WeddingGewaltprävention durch Sport

Von Caroline Kuban

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Fußball spielende Kinder (dpa/picture alliance/anp Koen Suyk)
Fußball spielende Kinder (dpa/picture alliance/anp Koen Suyk)

Der Soldiner Kiez ist ein Problemviertel im Berliner Bezirk Wedding. Doch mittlerweile ist etwas Ruhe eingekehrt im Viertel, und das liegt nicht zuletzt an dem Projekt der "Kiez bezogenen Netzwerkarbeit", das ein junger Erwachsener arabischer Herkunft vor fast sechs Jahren ins Leben rief.

Einsatz in der Gotenburger Straße Berlin-Wedding. Vor dem Schultor der Wilhem-Hauff-Grundschule hält ein Mannschaftswagen der Polizei. Drei Beamte in Uniform steigen aus und begrüßen die aufgeregt durch die Gegend springenden 10 jährigen Schüler überwiegend ausländischer Herkunft.

Einmal die Woche holen Weddinger Polizei-Beamte Kinder und Jugendliche zum gemeinsamen Fußballtraining in die polizei-eigene Sporthalle ab. 18 Einrichtungen sind mittlerweile an dem Projekt beteiligt. Jugendheime, Freizeitstätten, Grundschulen. Saskia Bochmann, Schul-Sozialarbeiterin, begleitet die Kinder. Gewaltprävention durch Sport kann nicht früh genug beginnen, ist sie überzeugt, und gerade für die impulsiven, energiegeladenen Kinder, extrem wichtig.

"Es tut ihnen auf jeden Fall gut, und Spaß an der Sache nimmt auch den Zündstoff so ein bisschen raus. Man kann mit den Kindern auf einer ganz anderen Ebene nochmal reden, und die hören auch ganz anders auf bestimmte Sachen, die man ihnen erzählt."

Yousef Ajoub, 30 Jahre alt, marokkanischer Herkunft und selbst angehender Erzieher an der Wilhelm Hauff Grundschule, hat das Projekt Kiezbezogener Netzwerkarbeit vor fast sechs Jahren ins Leben gerufen. Ein Routine-Kontrolleinsatz der Polizei in der Nähe eines Spielplatzes brachte ihn zum Nachdenken:

"Damals hat mich das Bild geprägt, als einer der Jugendlichen dann zu einem Elternteil gegangen ist und das Baby in die Hand genommen hat und dann zu einem Polizisten gegangen ist und gesagt hat: so, hier, den haben Sie vergessen. Weil davor nochmal ein Zehnjähriger kontrolliert wurde. Und da wusste ich: so wie es gerade herrscht hier im Kiez, kann es auf Dauer nicht gut sein."

Also ging Yousef zum zuständigen Polizei-Abschnitt und schlug gemeinsame Aktivitäten vor, um an einem besseren Miteinander zu arbeiten. Die anfängliche Skepsis auf beiden Seiten wich nach und nach allgemeiner Begeisterung. Inzwischen trifft man sich zum Kochen, Klettern und vor allem Fußballspielen. Einmal jährlich gibt es ein Turnier-Wochenende. Wie wichtig ist Sport für die Gewaltprävention? Yousef Ajoub:

"Zuerst einmal lernen die die Regeln, wie wir miteinander umgehen, respektvoller Umgang miteinander, dann ist es so, dass wir sagen: schaut mal, ihr seid jetzt alle Schiedsrichter, ihr müsst jetzt alle darauf achten, dass ihr sorgfältig miteinander umgeht. Und dann funktioniert das."

Eckhart Manthey, Polizeibeamter im Wedding, ist von Anfang an beim Kicken mit dabei. Gegenseitiger Respekt ist auch sein Hauptanliegen. Sport hat für ihn in diesem Zusammenhang große Bedeutung:

"Natürlich kann man das ganze Gewaltpotential, was so in dem einen oder anderen steckt, besser kanalisieren, und man merkt es auch hier, dass man das auch gut in den Griff bekommt und regeln kann. Man kann auf die jugendlichen Kinder eingehen, und allmählich wird diese Hemmschwelle immer geringer, dass man dann auch ganz fair miteinander umgeht und spielt."

Manthey ist mittlerweile ein wichtiger Ansprechpartner geworden für die Jugendlichen und unterstützt sie bei privaten wie beruflichen Problemen. So zum Beispiel Benny Weitekamp: Afrikanische Herkunft, geboren in Berlin, aufgewachsen im Soldiner Kiez im Bezirk Wedding. Vor ein paar Jahren geriet Benny mit der Polizei aneinander:

"Das war nur so ein kurzer Vorfall, das war wegen Diebstahl gewesen, hat sich schon wieder gelegt, das ist auch schon gelöscht worden aus meiner Akte."

Seit zwei Jahren ist er im Projekt mit engagiert, spielt regelmäßig Fußball, trifft andere Jugendliche, trainiert Kinder.

"Auch die Leute, die in diese Situation kamen, ein paar Kumpels von mir, ich seh ein paar von denen immer noch, die bauen auch keine Scheiße mehr. Die, die halt noch scheiße bauen, ok, ich sag mal so: es ist nicht mehr so dramatisch, die sind auch alle wieder runtergekommen, jeder versucht jetzt wirklich, sein Ding durchzuziehen."

Inzwischen hat Benny sein Abitur und sucht nun nach einem Studienplatz.

"Ich denk, dass Wedding bekannt ist dafür, dass es immer Probleme gibt, die Polizei ist hier viel unterwegs. Und ich denke, so ein Projekt könnte wirklich auch helfen, weil speziell im Wedding spielt so gut wie jeder hier sehr gerne Fußball. So ein Projekt hilft auch, die zu fördern, keinen Mist mehr zu bauen." 

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