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Länderreport / Archiv | Beitrag vom 10.11.2015

Berlin gegen BrandenburgLänder streiten um Braunkohle-Tagebaue in der Lausitz

Von Vanja Budde und Verena Kemna

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Das größe Braunkohlekraftwerk Deutschlands in Jaenschwalde in der Lausitz (picture alliance / dpa / Andreas Franke)
Das größe Braunkohlekraftwerk Deutschlands in Jänschwalde in der Lausitz (Foto von 2014) (picture alliance / dpa / Andreas Franke)

Die Braunkohle-Tagebaue in der Lausitz sorgen für Streit zwischen Berlin und Brandenburg: Sie belasten die Spree mit Sulfat. Die Hauptstädter fürchten um ihr sauberes Trinkwasser, die rot-rote Regierung in Brandenburg verweist auf tausende qualifizierter Jobs im Tagebau.

Ingolf Arnold: "Wir reinigen hier also am Tag 35.000 Kubikmeter Wasser …"

Sagt Ingolf Arnold, Leiter der Geotechnik bei Vattenfall. Doch nur vom Eisen, das die Fließgewässer rund um die Tagebaue rotbraun färbt.

"Die Anlage ist nicht in der Lage, Sulfat aus dem Wasser zu holen. Mit dieser Anlage verteilen wir das Wasser mit diesem Sulfat hier oben in der Landschaft. Das soll also hier in der Lausitz bleiben und sich nicht auf den Weg nach Berlin machen."

Silke Gebel schaut zweifelnd in die rostbraune Brühe in den Becken. Die umweltpolitische Sprecherin der Grünen im Berliner Abgeordnetenhaus hat sich Anfang des Jahres gemeinsam mit allen anderen Abgeordneten über die Parteigrenzen hinweg gegen den geplanten Ausbau des Tagebaues Welzow Süd II ausgesprochen. Von der Brandenburger Landesregierung erwartet sie:

"Dass sie gemeinsam mit uns eine Energieplanung machen, die den Weg in die Erneuerbaren zeigt, damit keine weiteren Tagebauen eröffnet werden. Und auch dafür zu sorgen, dass die aktuellen Tagebaue mit einer Perspektive geschlossen werden, um da keine weiteren Verschmutzungen zu haben."

Belastetes Trinkwasser? Son Quatsch!

In Brandenburg beißt man mit solchen Ansinnen auf Granit. Trotz Energiewende: 10.000 Arbeitsplätze hängen in der Lausitz weiterhin von der Kohle ab. Weshalb Brandenburgs Wirtschafts- und Energieminister Albrecht Gerber von der SPD auch mit im Bus sitzt, der jetzt das Städtchen Welzow am Rand des Tagebaus ansteuert.

"Wir sind der Auffassung, dass wir in der Energiewende die Braunkohle weiter brauchen, um eine sichere und wettbewerbsfähige Energieversorgung zu haben. Auch Berlin ist angewiesen auf den Strom aus der Braunkohle."

Am Rand von Welzow steht der Protest Spalier: Diejenigen, die den Ausbau des Tagebaues nicht wollen, weil dann Ortsteile von Welzow weggebaggert würden, verteilen Flugblätter.

Darüber regen sich ihre Nachbarn auf, die für die Kohle sind. Belastetes Trinkwasser? Son Quatsch, meinen die Befürworter.

Mann: "Fahren Sie mal nach Schwarze Pumpe ins Wasserwerk. Alles Wasser, was hier gefördert wird, wird dort gereinigt. Alle trinken wir das Wasser aus diesem Tagebau. Super sauberes Wasser. Die Region lebt von der Kohle. Alleine Welzow: Alles, was hier gebaut worden ist den letzten Jahren, was hätten wir ohne Kohle gehabt? Ein mieses Dorf, wie es nach der Wende war, so würde es hier aussehen. Alle leben hier von der Kohle, die ganzen Betriebe. Das wird alles platt gemacht."

Der Kohlestreit entzweit nicht nur Bundesländer, sondern auch die Städte und Dörfer der Lausitz.

Mann: "Biste überhaupt aus Welzow? Dann zieh doch weg!" 

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