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Interview | Beitrag vom 23.01.2021

Berlin Fashion WeekDigitaler Laufsteg einer notleidenden Branche

Scott Lipinski im Gespräch mit Dieter Kassel

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Models zeigen eine Kreation des Designers Kilian Kerner bei der der Fashion Week 2021 im Kraftwerk in Berlin. (picture alliance / dpa / Gerald Matzka)
Models zeigen Kreationen von Kilian Kerner: Die Fashion-Week-Zuschauer sahen online zu, aber "Mode will man auch anfassen", sagt Scott Lipinski. (picture alliance / dpa / Gerald Matzka)

"Wir stehen, was den Einzelhandel betrifft, kurz vor dem Abgrund", sagt Scott Lipinski, der Geschäftsführer des Fashion Council Germany. Die Modemacher zeigten und feierten ihre Kreationen der Pandemie zum Trotz bei der Berlin Fashion Week.

Die Berlin Fashion Week geht zu Ende, und diesmal fand sie aus bekannten Gründen digital statt. Die Schauen ohne physisch anwesendes Publikum wurden allesamt online gezeigt.

Das habe sehr gut funktioniert, sagt Scott Lipinski, Geschäftsführer des Fashion Council Germany: "Die digitale Welt lässt sich ganz wunderbar nutzen zum Transportieren von Botschaften und neuen Produkten." Ein wichtiger Teil war diesmal der digitale Austausch über die Zukunft und den Status der Mode in Deutschland, vor allem aber auch über "globale Bewegungen", sagt Lipinski.

"Mode will man ja auch erleben"

Wird der Laufsteg der Models also bald bevorzugt im Internet stehen? "Die Zukunft der Catwalk-Formate wird sicher immer einen digitalen Anteil beibehalten", meint Lipinski.

Aber der Charme für Modemessen sei natürlich auch der direkte persönliche Austausch: "Mode will man ja auch erleben, man möchte sie anfassen, man möchte Qualitäten prüfen. Da kommen wir mit den digitalen Formaten noch nicht ganz so ran wie bei der Begegnung mit Designern und Modeschaffenden."

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Der Modestandort Deutschland ist laut einer während der Berlin Fashion Week veröffentlichten Studie des Fashion Council Germany der zweitgrößte nach Italien und vor Frankreich – gemessen am Umsatz der Unternehmen und am Anteil an den 175 größten Modemarken in Europa. Das habe viele erstaunt, sagt Lipinski. Mit einem jährlichen Umsatz von 66 Milliarden Euro und mit 1,3 Millionen Beschäftigten entlang der Wertschöpfungskette sei die Mode ein wichtiger Wirtschaftszweig in Deutschland.

Doch die Pandemie und die Lockdown-Maßnahmen treffen die Branche hart. Denn wer im Homeoffice sitzt, hat keinen Bedarf an neuen Anzügen oder schicken Hemden, und Abendgarderobe braucht man derzeit auch nicht.

Ein drei- oder vierfaches Problem sieht Scott Lipinski: "Wir stehen, was den Einzelhandel betrifft, tatsächlich kurz vor dem Abgrund. Wir verkaufen aktuell keine Ware, die Geschäfte sind geschlossen." Der Onlinehandel könne die Verluste bei weitem nicht auffangen. "Und was gerade nicht passiert, das sind eben Veranstaltungen und Anlässe, zu denen man sich besonders kleidet und entsprechend auch Garderobe braucht."

(cre)

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