Seit 09:05 Uhr Im Gespräch

Mittwoch, 22.08.2018
 
Seit 09:05 Uhr Im Gespräch

Kompressor | Beitrag vom 06.11.2017

Berlin, Barcelona, AmsterdamWas tun gegen den Sauftourismus?

Christoph Sommer im Gespräch mit Stephan Karkowsky

Podcast abonnieren
(picture alliance / dpa / Florian Schuh)
Bringt Geld, aber auch jede Menge Ärger - Sauftourismus wird immer mehr zum Problem (picture alliance / dpa / Florian Schuh)

Sauftourismus wird in europäischen Großstädten immer mehr zum Problem. Gerade hat Amsterdam Bierbikes verboten, Barcelona gleich jeden Alkoholkonsum auf offener Straße. Doch das sei nicht der richtige Weg, sagt Stadttourismus-Forscher Christoph Sommer.

Ein Hauptproblem des Sauftourismus sei die Verlagerung in Wohngebiete hinein, sagt der Humangeograph Christoph Sommer, der zum Thema Stadttourismus am Georg-Simmel-Zentrum für Metropolenforschung der Berliner Humboldt-Universität forscht. Der nüchterne Mensch fühle seine Nachtruhe durch Kneipenlärm oder die Afterparty in der Ferienwohnung nebenan gestört.

Diese Konflikte treten aber auch auf, wenn sich Gastro-Monostrukturen herausbilden, also wenn ganze Straßenzüge zu reinen Gastro-Straßenzügen werden. "Das verändert das natürlich auch den Charakter eines Kiezes. Und das stört dann natürlich auch Menschen, die da über viele Jahre gelebt haben. Sie haben das Gefühl, ihr ganzes Viertel zu verlieren und dass ihr Wohnumfeld zu einer Kulisse für ein partytouristisches Erleben umfunktioniert wird", sagt Sommer.

"Die Stadtgesellschaft muss selbst herausfinden, was akzeptiert wird"

Die Stadtverwaltung habe verschiedene Einflussmöglichkeiten, mit diesen Konflikten umzugehen. Einerseits durch das Stadtimage, das sie sich selbst gebe. Andererseits könne sie planungsrechtlich Gastro-Monostrukturen vorbeugen.

Aber direkte Verhaltensempfehlungen zu geben oder gar Verbote für Bierbikes oder Alkoholkonsum auf offener Straße auszusprechen wie Amsterdam und Barcelona es jüngst getan haben, hält Sommer nicht für sinnvoll. "Die Stadtgesellschaft muss selbst herausfinden, was akzeptiert ist im öffentlichen Raum und was abnormes Verhalten ist."

(sel)

Mehr zum Thema

Tourismusforscher Stefan Gössling - Wie ist nachhaltiger Tourismus möglich?
(Deutschlandfunk Kultur, Im Gespräch, 16.09.2017)

Tourismusboom in europäischen Metropolen - Städtereisende sind nicht an allem schuld
(Deutschlandfunk, Aus Kultur- und Sozialwissenschaften, 24.08.2017)

Überfüllte Balearen-Insel - Droht Mallorca der Touristen-Infarkt?
(Deutschlandfunk Kultur, Weltzeit, 22.08.2017)

Fazit

Künstler gegen Kubas KulturpolitikSchrei nach Kunstfreiheit
Berühmt für ihre bunte Kunst-Vielfalt: Die calle Hamel im Künstlerviertel von Havanna. (imago stock&people)

In Kuba regiert seit dem Frühjahr mit Miguel Díaz-Canel ein Präsident, der nicht zum Castro-Clan gehört. Viele Kubaner hatten sich davon mehr Freiheit versprochen. Doch vor allem für die Kulturszene gilt das Gegenteil: mehr Normen, Repressalien und Strafen.Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur