Seit 01:05 Uhr Tonart

Mittwoch, 24.10.2018
 
Seit 01:05 Uhr Tonart

Im Gespräch | Beitrag vom 12.10.2018

Bergsteiger Reinhold Messner "Meine Kreativität ist meine Kraft"

Reinhold Messner im Gespräch mit Susanne Führer

Beitrag hören Podcast abonnieren
Reinhold Messner sitzt mit einem Mikro in der Hand auf einem Stuhl und spricht mit der Moderatorin der Sendung. (David Kohlruss)
Bergsteiger und Publizist Reinhold Messner zu Gast auf der Frankfurter Buchmesse 2018. (David Kohlruss)

Reinhold Messner ist wohl der bekannteste Bergsteiger der Welt. Er bestieg alle Achttausender, durchquerte Wüsten und sagt heute, er sei "nicht der beste Kletterer" gewesen – "nur der Kreativste".

Hoch hinaus zog es ihn früh. Reinhold Messner wuchs als zweites von neun Kindern in Südtirol auf. Schon damals, als Junge faszinierten ihn die Berge: "Ich bin mit fünf Jahren auf den ersten Dreitausender gestiegen. Und ich habe von diesem Dreitausender herab zum ersten Mal gesehen, dass die Welt größer ist als dieses Tal. Weil von diesem Tal hat man nicht über die Bergränder hinausschauen können. Und seit damals bin ich unterwegs als Horizont-süchtiger Wanderer, bin unterwegs zu schauen, was ist dahinter? Was ist hinter dem nächsten Berg?"

"Ich war nicht der beste Kletterer"

Als junger Mann machte er sich dann auf, die höchsten Gipfel der Welt zu erklimmen. Er wollte Routen bewältigen, die vor ihm noch niemand gemeistert hatte und suchte die extreme Herausforderung: so war Reinhold Messner im Mai 1978 der erste Mensch, der den Mount Everest ohne Sauerstoffflasche bestieg. An die Grenzen zu gehen, Unmögliches möglich zu machen, sagt er, habe ihn immer gereizt: "Mein Alpinismus bestand darin, neue Wege zu suchen, keine ausgetretenen. Und das ist nur möglich, wenn ich ins Geheimnisvolle, ins Unbekannte hineingehe. Deswegen bin ich auch ein Neuerer gewesen in meiner Sparte. Ich war nicht der beste Kletterer, ich war nicht der beste Höhenbergsteiger, es gibt talentiertere Leute als mich – ich war nur der Kreativste von allen. Und deswegen bin ich heute immer noch existent in dieser ganzen Szene. Meine Kreativität ist meine Kraft."

Um sie lebendig zu halten, lässt er es nicht zu, dass sich Routine in sein Leben einschleicht: "Immer, wenn es langweilig wird, wenn man etwas bis zur Neige kennengelernt hat, wenn die Neugierde schwindet, muss man umsteigen. Cut. Umsteigen. Was Neues machen! Jetzt lerne ich Filme machen – mit 75 Jahren! Und ich hoffe, dass ich in drei, vier Jahren soweit bin, dass ich selber produzieren kann, selber Regie machen kann, selber ein Drehbuch schreiben kann. Und vielleicht einen, vielleicht drei ordentliche Filme mache zum Thema ‘Berg‘."

Messner betreibt drei Bio-Höfe und fünf Bergmuseen

Trotz der traumatischen Erfahrung, dass sein Bruder bei einem gemeinsamen Aufstieg zu Tode kam, blieben die Berge immer Messners große Leidenschaft. Über seine Touren und Erlebnisse schrieb er viele Bücher, gerade ist das neuste erschienen. Darin lässt er auch andere bekannte Bergsteiger zu Wort kommen, jüngere, deren Talent er bewundert: "Heute wird so irrsinnig schwer geklettert. Weil eben wieder geklettert wird und nicht ‘genagelt‘ – ‘genagelt‘ heißt Haken einschlagen. Heute gibt es auch Frauen und Mädels, die in einer Dimension klettern können, die man sich vor zehn Jahren nicht vorstellen konnte."

Reinhold Messner treibt die Yaks auf 3000 m Höhe, wo sie den Sommer verbringen (imago stock&people/ Sammy Minkoff)Reinhold Messner treibt die Yaks auf 3000 m Höhe, wo sie den Sommer verbringen (imago stock&people/ Sammy Minkoff)

Mit seinen 74 Jahren klettert selbst mittlerweile zwar weniger exzessiv, betreibt dafür aber drei Bio-Höfe, hat fünf Bergmuseen gegründet und hält rund um den Globus Vorträge. Darin erklärt er einer begeisterten Zuhörerschaft die Bergwelt und verrät auch, welche Wege zur Zufriedenheit führen: "Es gilt im Hier und Jetzt Ideen umzusetzen – und dabei entsteht gelingendes Leben. Und nur dieses gelingende Leben garantiert uns Glück. Solange Leute nach dem Glück fragen und irgendein Buch greifen, wo das Glück versprochen wird – werden sie das nie finden. Glück kann man nicht erjagen, kann man nicht finden, kann man nicht geschenkt kriegen. Sondern das passiert, wenn wir ganz bei der Sache sind und wenn wir in unserer Sache aufgehen."

Im Gespräch

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur