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Lesart / Archiv | Beitrag vom 06.05.2020

Benjamin Lebert: "Im Zeichen der Acht"Erschreckend schlecht

Von Kim Kindermann

Buchcover zu Benjamin Leberts "Im Zeichen der Acht". (Atrium Verlag)
20 Jahre nach "Crazy" legt Benjamin Lebert mit "Im Zeichen der Acht" ein neues Jugendbuch vor. (Atrium Verlag)

20 Jahre nach seinem Erfolg mit "Crazy" ist nun Benjamin Leberts neues Jugendbuch erschienen. Ein Gruselroman, in dem acht Frauen und Männer um nichts weniger als den Fortbestand der Erde ringen. Reichlich misslungen, findet unsere Rezensentin.

Da ist Tristan Nachtweih, der von den Toten zurückkehrt und zur Stärkung Menschenblut trinken muss. Er sammelt um sich drei abgrundtief böse Männer, die vergewaltigt, geschlagen oder schon getötet haben. Seine Gegenspielerin ist Martha von Falkenstein, die Kupferkönigin. Auch sie ist eine Wiedergängerin.

Anders als Tristan aber scharrt sie um sich nur gute Menschen: Krähe, eine junge Frau, deren Geliebte an Krebs starb. Daniel, ein gläubiger Junge, dessen Bruder zu Tristans Gruppe zählt und den er hofft, retten zu können. Und Zoe, eine schwangere Teenagerin. Zusammen sind sie die Acht, die über das Schicksal der Welt entscheiden.  

Das Schicksal der Welt

So weit, so klassisch. Kennt man spätestens seit "Tribute von Panem". Und auch Benjamin Lebert bedient die Erwartungen entsprechend. Die Seiten tropfen förmlich vor Blut, finsteren Gestalten und mythischen Orten. Gut zwei Drittel der Geschichte dienen der Beschreibung der Suche Tristans und Marthas nach den richtigen Kämpferinnen und Kämpfern. Name reiht sich an Name. Detail an Detail.

Ausgiebig wird jede Figur vorgestellt, egal wie wichtig sie für den Verlauf der Geschichte ist. Der 16-jährige Paul etwa, der sich heimlich mit der Referendarin seiner Schule trifft. Lange hatte er sich nach der jungen Frau gesehnt, hatte sich vorgestellt, wie sie sich anfangs gegen seine Annäherungen "wehrt", dann aber "machtlos " ihre Stimme "langsam in ein Stöhnen" übergeht. Jetzt kommt sie freiwillig.

Oder Christian Albert, ein alter Mann, der im Wald lebt, seit seine Frau gestorben ist. Seine Hündin Nina ist seine engste Begleiterin. Ansonsten baut er Uhren ohne Uhrwerk. Er liebt die Stille und geht zweimal die Woche zum Friedhof.

Oder auch Isabell, ein nettes Mädchen aus dem Heim für schwererziehbare Jugendliche. Auch sie wird ausführlich beschrieben – und auch sie wird sterben, reduziert auf eine weitere ärgerliche Statistenrolle.

Potpourri aus Figuren und mystisch-phantastischen Elementen

Letztendlich geht es Benjamin Lebert um das große Finale, in dem es immerhin einen interessanten Twist gibt. Leider umfasst dieser Höhepunkt dann genau 47 Seiten von knapp 300. Und so bleibt der Autor weit hinter seinem eigenen Anspruch zurück. Er wolle, so erklärt er im angefügten Interview, "eine abenteuerliche Geschichte für Teenager schreiben".

Aber bedeutet Abenteuer, ein Potpourri aus Figuren und mystisch-phantastisch Elementen anzubieten? Müssen dabei Logik und Stringenz auf der Strecke bleiben?

"Im Zeichen der Acht" ist leider erschreckend schlecht. Da helfen auch einzelne schön erfasste Natur- und Stimmungsbeschreibungen wenig. Zu ärgerlich sind die lapidar geschilderten Gewaltexzesse, die schlichten Männerfantasien entsprungenen Vergewaltigungsszenen und der Versuch, einem der bösen Übeltäter so was wie eine weiche Seite zu zuschreiben, weil er gerne frisches Gemüse isst.

Profan, überflüssig - und meilenweit hinter "Crazy" zurück.

Benjamin Lebert: "Im Zeichen der Acht"
Arctis; ein Imprint des Atrium Verlag
München 2020
324 Seiten, 19 Euro

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