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Samstag, 04.07.2020
 
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Kulturnachrichten

Mittwoch, 1. Juli 2020

Koalition will Verlage mit 220 Millionen Euro fördern

Die Koalitionsfraktionen aus Union und SPD wollen Zeitungs- und Zeitschriftenverlage in Deutschland in den kommenden Jahren mit maximal 220 Millionen Euro fördern. Das geht aus einem Entwurf der Fraktionen für den zweiten Nachtragshaushalt 2020 hervor, der am Mittwoch im Haushaltsausschuss des Bundestages beschlossen wurde, wie die CDU-Fraktion mitteilte. Am Donnerstag befasst sich der Bundestag damit. Für dieses Jahr sieht der Entwurf 20 Millionen Euro vor und in den Folgejahren insgesamt 200 Millionen Euro. Es ist von "Förderung der digitalen Transformation des Verlagswesens zur Förderung des Absatzes und der Verbreitung von Abonnementzeitungen, -zeitschriften und Anzeigenblättern" die Rede. Die Mittel sollen helfen, um den Erhalt der Medienvielfalt und -verbreitung in Deutschland zu sichern und den Journalismus zu stärken.

Gericht blockiert Enthüllungsbuch von Trumps Nichte

Die Veröffentlichung eines Enthüllungsbuches über die Familie Trump ist gerichtlich vorübergehend gestoppt worden. Das Buch "Too Much and Never Enough: How My Family Created the World's Most Dangerous Man" ("Zu viel und nie genug: Wie meine Familie den gefährlichsten Mann der Welt erschuf") von Mary Trump, der Nichte des US-Präsidenten, soll laut Verlag die familiären Abgründe der Familie Trump schildern. Donald Trumps Bruder Robert hatte argumentiert, die Veröffentlichung würde gegen eine Verschwiegenheitserklärung unter Familienangehörigen verstoßen und bedürfe der schriftlichen Erlaubnis der Familienmitglieder.

Autor Wajdi Mouawad erhält neuen Dramatiker-Preis

Der französisch-libanesische Regisseur Wajdi Mouawad erhält den "1. Europäischen Dramatiker*innen Preis" des Schauspiels Stuttgart. Finanziert vom baden-württembergischen Kunstministerium sei es die erste hochkarätige Auszeichnung, die die dramatische Kunst in Europa in all ihrer Vielfalt in den Blick nehme und sie als verbindendes Element zwischen den europäischen Kulturen verstehe, teilte das Theater mit. Die mit 75 000 Euro dotierte Auszeichnung soll am 20. September überreicht werden. Zu Mouawads Werken gehören "Verbrennungen" und das Familien- und Gesellschaftsdrama "Vögel", das in mehrsprachiger Fassung auch im Stuttgarter Repertoire gespielt wird.

Georg Ratzinger im Alter von 96 Jahren gestorben

Der Bruder des emeritierten Papstes Benedikt XVI., Georg Ratzinger, ist tot. Das teilte der Vatikan mit. Der langjährige Leiter der Regensburger Domspatzen wurde 96 Jahre alt. Vor zwei Wochen war der mittlerweile 93 Jahre alte emeritierte Papst überraschend nach Bayern gereist, um seinen Bruder zu besuchen.
Georg Ratzinger kam am 15. Januar 1924 in Pleiskirchen bei Altötting zur Welt. Er wurde 1951 zum Priester geweiht, studierte an der Münchner Musikhochschule Kirchenmusik und übernahm 1964 für dreißig Jahre den Posten des Domkapellmeisters am Regensburger Dom und wurde damit auch Chef der Regensburger Domspatzen. Im Zuge der Aufarbeitung des Missbrauchsskandals der katholischen Kirche gab es auch Vorwürfe gegen Georg Ratzinger, Kinder misshandelt zu haben.

Oscar-Akademie wird diverser

Die Oscar-Akademie will vielfältiger werden und hat zahlreiche Frauen und Angehörige von Minderheiten als neue Mitglieder eingeladen. 819 Filmschaffende wurden ausgewählt, um künftig bei der Vergabe der Oscars mit abzustimmen. 45 Prozent der Einladungen seien an Frauen gegangen, gut ein Drittel der potenziellen Neuzugänge sind unterrepräsentierte ethnische Gruppen, knapp die Hälfte internationale Filmschaffende. Das teilte die Academy of Motion Picture Arts and Sciences in Beverly Hills mit. Der über 9000 Mitglieder starke Verband bemüht sich seit Jahren um mehr Diversität. Die Debatte um die mangelnde Vielfalt und Anerkennung nicht-weißer Talente kocht in Hollywood immer wieder hoch.

Millionen-Vergleich im Fall Weinstein

Der wegen Sexualverbrechen verurteilte frühere US-Filmproduzent Harvey Weinstein hat sich mit Dutzenden Beschuldigerinnen vorläufig auf einen millionenschweren Vergleich geeinigt. Das teilten die New Yorker Generalstaatsanwältin Letitia James und die Chicagoer Anwältin Elizabeth A. Fegan mit. Wenn der Deal richterlich abgesegnet wird, können die Beschuldigerinnen zwischen 7500 und 750 000 US-Dollar des 18,8 Millionen Dollar umfassenden Vergleichs verlangen. Die Anwälte einiger Beschuldigerinnen hielten den Vergleich jedoch für unzureichend. Der Vorschlag sei "zutiefst unfair", weil er nicht vorsehe, dass Weinstein Verantwortung übernehme, sondern sich mit Geld freikaufe. Die Einigung schade auch Frauen, die dem Vergleich nicht zustimmen wollten.

Udo Kier unter Anwärtern für Oscar-Akademie

Der deutsche Schauspieler Udo Kier (75) kann der Oscar-Akademie beitreten. Der gebürtige Kölner, der im kalifornischen Palm Springs lebt, zählt zu den 819 Filmschaffenden, die von der Academy of Motion Picture Arts and Sciences in diesem Jahr als neue Mitglieder eingeladen werden. Wie der Verband in Beverly Hills mitteilte, stehen unter anderem 15 Oscar-Preisträger und Vertreter aus 68 Ländern auf der Liste. Die neuen Mitglieder dürfen künftig bei der Vergabe der Oscars mit abstimmen.

Serebrennikows Ex-Buchhalterin verurteilt

Im umstrittenen Verfahren um den russischen Starregisseur Kirill Serebrennikow ist auch dessen ehemalige Buchhalterin wegen Betrugs schuldig gesprochen worden.
Nina Masljajewa bekomme eine Strafe von zwei Jahren und drei Monaten Haft, urteilte ein Moskauer Bezirksgericht der Agentur Tass zufolge. Sie müsse jedoch nicht ins Gefängnis, weil ihr unter anderem die Zeit im Hausarrest angerechnet werde, hieß es. Die Buchhalterin hatte den angesehenen Künstler schwer belastet und einen Deal mit der Anklagebehörde geschlossen. Ihr Fall wurde in einem getrennten Verfahren behandelt. Das Gericht hatte vergangene Woche Serebrennikow und drei Mitarbeiter schuldig gesprochen, staatliche Fördergelder veruntreut zu haben. Der auch in Deutschland bekannte Film- und Theatermacher bekam eine Bewährungsstrafe. Zudem müssen er und sein Team die veruntreute Summe zurückzahlen. Serebrennikow hat die Vorwürfe wiederholt bestritten.

Goethe- und Schiller-Archiv hat neuen Direktor

Das Goethe- und Schiller-Archiv in Weimar hat ab heute mit Marcel Lepper einen neuen Direktor. Er folgt auf Bernhard Fischer, der im Mai nach zehn Jahren an der Spitze von Deutschlands ältestem Literaturarchiv in den Ruhestand gegangen ist. Lepper, der bisher das Literaturarchiv der Berliner Akademie der Künste leitete, war vom Stiftungsrat im April berufen worden. Das 1885 gegründete Goethe- und Schiller-Archiv verwahrt in seinem Gesamtbestand von rund fünf Millionen Blatt mehr als 150 Nachlässe von Schriftstellern, Gelehrten, Philosophen, Komponisten und bildenden Künstlern. Darunter befinden sich auch die Nachlässe Goethes, Schillers, Herders, Wielands, Nietzsches und von Liszt. Hinzu kommen 14 Archive von Verlagen, Vereinen und literarischen Gesellschaften.

US-Komponist Johnny Mandel ist gestorben

Der US-Komponist Johnny Mandel, der unter anderem den Titelsong der Erfolgsserie "Mash" geschrieben hat, ist tot. Mandel sei am Montag im Alter von 94 Jahren in seinem Haus in Kalifornien gestorben, sagte seine Tochter Melissa der "New York Times". Der 1925 in New York geborene Mandel hatte Musik studiert und spielte vor allem Trompete und Posaune. Er war Mitglied zahlreicher Bands und komponierte, bevor er sich auch der Filmmusik zuwandte. Mandel arbeitete mit Stars wie Count Basie, Frank Sinatra und Chet Baker zusammen und wurde vielfach mit Preisen ausgezeichnet - unter anderem einem Oscar und fünf Grammys.

"Earth Speakr": Ólafur Elíassons App für Kinder

Der Konzeptkünstler Ólafur Elíasson hat eine internationale, und interaktive Plattform namens „Earth Speakr entwickelt, die sich speziell an Kinder richtet. Zugang bekommt man über eine kostenlose App. Kindern solle damit ein kreativer Raum geboten werden, um sich spielerisch Gehör auch bei Erwachsenen zu verschaffen, sagte Elíasson im Deutschlandfunk Kultur. Die App wird am 1. Juli freigeschaltet, also am Beginn des deutschen EU-Vorsitzes. Sie ist Elíassons Beitrag zum Kulturprogramm der deutschen Rats-Präsidentschaft.

Städel-Bild löst Rassismus-Debatte im Netz aus

Ein Bild aus der Gegenwartssammlung des Frankfurter Städel-Museums hat auf Instagram eine Rassismus-Debatte ausgelöst. Viele Nutzer empfinden das 1981 geschaffene Gemälde "Ziegelneger" des deutschen Künstlers Georg Herold als rassistisch und fordern seine Entfernung. Zu sehen ist auf dem Bild ein schwarzer Mensch, der von drei wütenden Weißen mit einem Ziegelstein beworfen wird. Eine Ampel daneben steht auf Grün. Das Kunstwerk sei nicht einfach, und seine Betrachtung tue weh, aber es sei ein "explizit antirassistisches Kunstwerk", heißt es in der Stellungnahme des Museums. Der Titel "Ziegelneger" erweitere die Drastik der Darstellung um eine bittere Note. Herold arbeite bewusst mit dieser Drastik, um die Betrachter auf staatlich geduldeten Rassismus aufmerksam zu machen. Damit halte er der Gesellschaft den Spiegel vor.  

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