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Konzert / Archiv | Beitrag vom 09.03.2016

Begegnungen mit Juan Allende-BlinSprechgesang und Wintermärchen

Der Anwalt verdrängter und vergessener Musik

Der Musikpublizist Frank Schneider und der Komponist Juan Allende-Blin in Essen (Christian Esch/privat)
Der Musikpublizist Frank Schneider und der Komponist Juan Allende-Blin in Essen (Christian Esch/privat)

Juan Allende-Blin, geboren 1928 in Santiago de Chile und seit 1951 in Deutschland lebend, ist nicht nur ein wichtiger Komponist der Nachkriegs-Avantgarde, sondern auch Musikpublizist, Forscher, (Wieder-)Entdecker, Kurator von Konzerten. In sechs Folgen der Reihe „Begegnungen“ erzählt Juan Allende-Blin über sein Leben in Chile und Deutschland, über seine Werke und seine musikalische Ästhetik, aber auch über sein Wirken als Kurator und Forscher.

Als Komponist steht Juan Allende-Blin in der Tradition der Wiener Schule um Arnold Schönberg, realisiert darüber hinaus aber auch Hörspiele und Klangkunst. 1983 erhielt er dafür den renommierten Karl-Sczuka-Preis. Er vervollständigte Claude Debussys Opernfragment 'La chûte de la maison d’Usher', aber schrieb auch Chansons in der Tradition des großen Berliner Cabarets der 1920er-Jahre. Lebenslang setzte er sich für die von den Nazis oder dem Stalinismus verfemten Komponisten ein. So geht die Wiederentdeckung des russischen Futurismus maßgeblich auf seine Initiative zurück. Vor allem aber war er ein Vertreter der "Exilforschung", lange bevor es den Begriff und die Forschungsrichtung überhaupt gab.

Die dritte Folge der "Begegnungen mit Juan Allende-Blin" ist ausschließlich dem Exilforscher und Wiederentdecker gewidmet. Einer der Fixsterne ist dabei das Werk Arnold Schönbergs, dem Allende-Blin in den 1960er-Jahren im NDR eine Themenwoche widmete. In diesem Rahmen gab es auch eine Diskussion zwischen Pierre Boulez und Theodor W. Adorno über Schönbergs "Pierrot lunaire".

Vom Sprechgesang bei Schönberg zieht Allende-Blin eine Verbindung zu ähnlichen Tendenzen bei anderen Komponisten, zum Beispiel bei Emil František Burian, aber auch im Berliner Cabaret der 1920er-Jahre.

Und immer wieder kreist sein kompositorisches und kuratorisches Denken um die Frage des Exils. Einer jener wichtigen, nahezu vergessenen Komponisten, denen er posthum die gebührende Anerkennung zu verschaffen versuchte, ist der Schönberg-Schüler Erich Itor Kahn, dem er eine Monographie widmete. Eines seiner bedeutendsten Werke über das Exil ist "Walter Mehring – Ein Wintermärchen".

Begegnungen mit dem Komponisten Juan Allende-Blin (3/6)
Anwalt verdrängter und vergessener Musik

Frank Schneider und Rainer Pöllmann im Gespräch mit Juan Allende-Blin
(Teil 4 am 16. März 2016)

Anton Webern
Fünf Canons nach lateinischen Texten op. 16
für Sopran, Klarinette und Bassklarinette
Ilona Steingruber, Sopran
Friedrich Wildgans, Klarinette/Bassklarinette

Erich Itor Kahn
"Vocalise" für Chor
WDR Rundfunkchor
Leitung: Helmut Franz

Arnold Schönberg
"Pierrot lunaire" op. 21 (Ausschnitt)
Helga Pilarzyk, Stimme
Ensemble
Leitung: Pierre Boulez

Paul Dessau
"Guernica" für Klavier
Thomas Günther, Klavier

Emil František Burian
"Náš tatíček" für Sprechchor

Boris Ender
"Zvukošumy" (Klanggeräuschler)
Klaus Linder, Rezitation

Juan Allende-Blin
"Walter Mehring – Ein Wintermärchen"
Imaginäre Szene für Bariton und Kammerorchester
Reiner Holthaus, Bariton
Ensemble Musikfabrik
Leitung: Klaus Linder

Friedrich Hollaender
"Das currende Mädchen"
Blandine Ebinger, Gesang
Erwin Bootz, Klavier

Arnold Schönberg
"Pierrot lunaire" op. 21 (Ausschnitt)
Erika Wagner-Stiedry, Stimme
Ensemble
Leitung: Arnold Schönberg

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