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Konzert / Archiv | Beitrag vom 27.06.2018

Begegnungen mit dem Komponisten und Theologen Dieter Schnebel (5/5) Manchmal auch bei Predigten

Letzte Dinge und komische Momente

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Der Komponist und Theologe Dieter Schnebel im Studio (Carolin Naujocks)
Der Komponist und Theologe Dieter Schnebel im Studio (Carolin Naujocks)

Am Pfingstsonntag 2018 starb Dieter Schnebel im Alter von 88 Jahren. Zwischen November und Februar 2018 war er für eine Gesprächsreihe zu Gast im Deutschlandfunk Kultur. Diese "Begegnungen mit Dieter Schnebel" sind nun zum Vermächtnis geworden.

Experimentelles Arbeiten – das bedeutete für Dieter Schnebel durch gelebte Neugier Erfahrungen zu machen. Der emanzipatorische Impetus seiner Haltung zeigt sich nicht nur in der Musik, sondern zieht sich durch alle Bereiche seiner Kunst. In fünf Gesprächen berichtet der Berliner Komponist von seinem Leben zwischen experimenteller Musik und kritischer Theologie, von den schönen, den tragischen und den komischen Seiten des Lebens.

Zwei Lehrer habe er gehabt, ohne je eine Kompositionsstunde bei ihnen genossen zu haben: Karlheinz Stockhausen und John Cage. Dabei ist der Berliner Komponist und Theologe Dieter Schnebel selbst einer der bedeutendsten experimentellen Komponisten geworden.

Zu Beginn der 50er Jahre hatte Dieter Schnebel die Neue-Musik-Szene als Außenseiter betreten. Es war die Zeit der Experimente und der musikalischen Neuanfänge. Darmstadt hieß der Ort, auf den alle blickten, denn die 1948 dort gegründeten Ferienkurse für Neue Musik wurden zum Konsolidierungszentrum des zeitgenössischen Musikschaffens und zum Synonym für die musikalische Avantgarde schlechthin. Hier wurden serielle Verfahren zur stufenweisen Durchorganisation des musikalischen Materials entwickelt – es entstand eine ästhetische Strömung, die als Serialismus in die Musikgeschichte einging.

Selbst tief im seriellen Denken verwurzelt, hat Dieter Schnebel sein Komponieren nicht Tief im seriellen Denken verwurzelt, hat sich Dieter Schnebels Komponieren nicht allein auf das rationale Organisieren akustischer Messgrößen (Tonhöhe, Dauer, Lautstärke) beschränkt. Vielmehr hat er früh schon das serielle Strukturieren auf komplexere Zusammenhänge, auf dynamische Prozesse, ausgeweitet. Immer sind diese Vorgänge konkret, denn "Klangvorgänge" stehen bei Dieter Schnebel für "Lebensvorgänge". Und weil echte Lebensvorgänge nicht nur hörbar, sondern auch sichtbar und fühlbar sind, ist Dieter Schnebels experimentelle Musik konsequenterweise beim Visuellen, beim Theater angekommen. Doch erzählt dieses Theater keine traditionellen Geschichten; was sich dort ereignet, sind die Klangvorgänge selbst.

Aquarell von Dieter Schnebel, 1980 (privat)Aquarell von Dieter Schnebel, 1980 (privat)


In den inzwischen über 70 Jahren kompositorischer Arbeit hat Dieter Schnebel ein schier unüberschaubares Werk geschaffen, das zugleich akribisch strukturiert ist: Phonetische Musik, Sichtbare Musik, Organische Musik, Psychoanalytische Musik, Experimentelles Theater usf. mit vielen Ableitungen und Seitenlinien, z.B. Zeichen-Sprache und Schau-Stücke. Die unerwarteten Beziehungen, die aus diesem systematisch-experimentellen Vorgehen resultieren, machen das ebenso überraschende wie befreiende Moment seiner Musik aus. Denn Dieter Schnebels Komponieren bedeutet immer auch einen Emanzipationsprozess.

Dieter Schnebel 1999 im Studio von DeutschlandRadio Berlin (Carolin Naujocks)Dieter Schnebel 1999 im Studio von DeutschlandRadio Berlin (Carolin Naujocks)

In der fünften und letzten Sendung dieser Reihe erzählt Dieter Schnebel von seinem Leben im geteilten Berlin. Es geht um Radio- und andere Kunst, um Krankheit, Tod und die komischen Seiten des Lebens und um die Frage, was der Unterschied zwischen einer Geige und einer Harley Davidson ist.


Begegnungen mit dem Komponisten und Theologen Dieter Schnebel (5/5)

Manchmal auch bei Predigten
Letzte Dinge und komische Momente
Carolin Naujocks im Gespräch mit Dieter Schnebel

Mit Ausschnitten aus folgenden Kompositionen:


Dieter Schnebel

"Hörfunk" Radio-Stücke I-V

Gerd Bollmann, Sprecher  
Cornelia Menzeln, Sprecherin
Hans-Helmut Sievert, Sprecher                          


Pierre Boulez
"Polyphonie X" (1951) für 18 Soloinstrumente

SWF-Sinfonieorchester Baden-Baden
Leitung: Hans Rosbaud                                                                                   


Dieter Schnebel

"Glossolalie" (Fassung für 4 Sprecher und 3 Instrumentalisten)

Gruppe Neue Musik "Hanns Eisler"
Leitung: Christian Münch                                                                            


Dieter Schnebel

"Ekstasis" (1996-2002) für Sopran-Solo, Sprecher, 2 Kinderstimmen, Schlagzeug-Solo, Chor und großes Orchester

Chor des Bayerischen Rundfunks
Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks
Leitung: Lothar Zagrosek                                                                             


Dieter Schnebel

"Harley Davidson" für Trompete (Posaune) und Motorräder (2000)

Harley-Sounding-Group                                                                            


Dieter Schnebel

"Flipper" (2002) Kammermusik für Spielautomaten, Darsteller, Instrumente und Tonband

Kammerensemble Neue Musik Berlin
Mitglieder der Maulwerker
Leitung: Steffen Tast, Klanbgregier: Dieter Schnebel                                          


Dieter Schnebel

Stücke (1954-1955) für Streichinstrumente

Quatuor Diotima                                                                                        


Maurice Ravel

"Rapsodie espagnole" für Orchester (1996-2002)

Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks
Leitung: Lorin Maazel                                                                                  


Igor Strawinsky

"Orpheus" Ballett in 3 Bildern für Orchester (1946-1947)

RIAS-Symphonie-Orchester
Leitung: Georg Solti                                                                                  


Anton Bruckner

Sinfonie Nr. 5 B-Dur (1875-1878)

Deutsches Symphonie-Orchester Berlin
Leitung: Kent Nagano                                                          


Dieter Schnebel

Streichquartett "Im Raum" (2005-2006)

Quatuor Diotima                                                                                         


Ludwig van Beethoven

Sinfonie Nr. 3 Es-Dur op. 55

Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin
Leitung: Rafael Frühbeck de Burgos                                                                         

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