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Interpretationen / Archiv | Beitrag vom 27.12.2015

Beethovens Violinsonaten op. 12Die erste Geige spielt das Klavier

Moderation: Ulrike Timm

Ludwig van Beethoven wurde am 17.12.1770 in Bonn geboren. (picture-alliance / dpa)
Ludwig van Beethoven (picture-alliance / dpa)

Beethovens Violinsonaten op. 12 sind für Klavier und Violine komponiert. Beethoven selbst hat sich aber ein echtes Team ohne Haupt- und Nebenrolle gewünscht. Herausgekommen sind Sonaten, die eine echte Herausforderung für viele Musiker darstellen.

Beethovens 1797/98 entstandene Sonaten erschienen unter dem Titel "Tre Sonate per il Clavicembalo o Forte-Piano con un Violino" - für Klavier und Violine. Der Name entspricht der Tradition, die dem Klavier den gewichtigeren und auch technisch anspruchsvolleren Part zuweist.

Beethoven aber, so viel wird von Beginn an ohrenfällig, hat sich ein echtes Team gewünscht, ohne Haupt- und Nebenrolle. Manchmal geriet ihm das zum Spiel, manchmal zum Kampf, aber immer zu einer lebendigen Auseinandersetzung mit dem auf den ersten Blick so ungleichen Duo, das diese beiden Instrumente nun einmal bilden.

Wie balanciert man das Klangverhältnis aus zwischen der kleinen, aber klangsinnlichen Holzschachtel Geige und dem großen, beherrschenden, aber per se weniger sanglichen Flügel?

Welche instrumentalen Mittel nutzen Interpreten, um ein echtes musikalisches Team zu formen? Und ab wann ist Gleichberechtigung tatsächlich gegeben? Denn Beethovens frühe Sonaten op. 12 sind noch sehr am Vorbild Haydns und Mozarts orientiert, die sich solchen Fragen noch nicht im gleichen Maße stellten wie er. Die Zeitgenossen reagierten eher ablehnend auf die frühen Sonaten op. 12, die uns heute als seine unkompliziertesten erscheinen, sie diagnostizierten den "bizarren, mühseligen Gang" des Komponisten und eine "Sträubigkeit, - ein Anhäufen von Schwierigkeit auf Schwierigkeit, auf dass man die Geduld verliert".

Viele Amateurmusiker fühlten sich von den mitunter rhythmisch vertrackten Sonaten wohl auch schlicht überfordert. Erst Robert Schumann konterte gut 30 Jahre später die zeitgenössische Kritik und sagte über op. 12: "Wie eine Himmelssonne hat sich der Name Beethoven entfaltet, während der Rezensent in einem Dachstübchen zur stumpfen Nessel zusammenschrumpft."

Die Sendung bildet den Auftakt zu einer Reihe, die sich allen zehn Violinsonaten Beethovens widmet.

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