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Neue Musik | Beitrag vom 09.07.2020

Beethoven geht vorüberStriptease quasi una fantasia

Mit einem Essay von Stefan Fricke

Ein großer Mond scheint durch unscharfe Baumwipfel. (imago images / Zink)
Der Fluxuskünstler Nam June Paik hat, die Mondscheinsonate spielend, gerne das nackte Hinterteil gezeigt. (imago images / Zink)

In Beethovens Musik sei noch zuviel drin, als dass alles heraus wäre, meinte der Musikschriftsteller Heinz-Klaus Metzger 1970. Für seinen Essay hat Stefan Fricke einen bunten Strauß ein- bis zweideutiger Beethoven-Andenken zusammengestellt.

Nach wie vor ist der allgemeine Zuspruch, der Beethoven zu Teil wird, ungebrochen. Doch haben viele avantgardistische Künstler ihrer Achtung insbesondere dadurch Ausdruck verliehen, dass sie der repräsentativen Funktion, die Beethovens Musik im bürgerlichen Musikbetrieb noch immer ausfüllen soll, bewusst entgegengearbeitet haben: die Künstler der Fluxusbewegung ebenso wie John Cage oder Gerhard Rühm. "Beethoven geht vorüber" ist der doppeldeutige Titel eines Klavierstücks, in dem der Dichterkomponist die Anfangstakte der "Pathetique" langsam durch alle 88 Tasten rückt.

Auch Harald Muenz und Stefan Fricke haben sich dem Phänomen Beethoven gewidmet und sich die Frage gestellt, was passiert, wenn seine Musik ebenso konzentriert wiedergegeben wird, wie es unseren ausschnitthaften, temporeichen und simultanitätsfixierten medialen Wahrnehmungsmustern entspricht.

Harald Münz:
BeethovEnBloc (2000)
Tonbandkomposition mit den siebenunddreißig Sätzen der neun Sinfonien Ludwig van Beethovens

Stefan Fricke:
beethoven - innen wie außen (1999)
Hörstück/Collage

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