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Buchkritik / Archiv | Beitrag vom 11.06.2009

Bedrohter Planet

Dagmar Röhrlich: "Die Spur des Menschen", Bloomsbury Verlag, Berlin 2009, 287 Seiten

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Dagmar Röhrlich erklärt, wie sich die Erde durch den Eingriff des Menschen verändert hat. (Nasa)
Dagmar Röhrlich erklärt, wie sich die Erde durch den Eingriff des Menschen verändert hat. (Nasa)

Die Wissenschaftsjournalistin Dagmar Röhrlich beschäftigt sich in ihrem Jugend-Sachbuch "Die Spur des Menschen oder was die Erde aushalten muss" mit den Eingriffen des Menschen in das Ökosystem. Die studierte Geologin und Geophysikerin verdeutlicht die Folgen und mahnt ein drastisch verändertes Umgehen mit der Natur an.

Das Versprechen klingt geradezu allumfassend:

"Dagmar Röhrlich erklärt, wie faszinierend komplex – und wie gefährdet – das Ökosystem Erde ist und was wir daraus für die Zukunft lernen können."

Doch keine Sorge: Das Versprechen wird gehalten. Dagmar Röhrlich ist eine Autorin, der ein Spagat gelingt, an dem sich viele Sachbuchautoren schon übernommen haben: Sie kann aufrüttelnd erzählen, ohne reißerisch zu sein, und sie kann Zusammenhänge bildlich-einprägsam erklären.

Selten ist ein Sachbuch so spannend. Nach der Lektüre hat man ein anderes Bild von unserer Erde.

Ganz Journalistin, steigt Dagmar Röhrlich mit einem schockierenden Beispiel ein: Tausende von Kohleflöz-Bränden schädigen die Umwelt. Nicht etwa nur in China, wo der Umweltschutz kaum eine Rolle spielt, nein, genauso auch in Indien, Australien, Russland, Polen, der Ukraine, Südafrika, Sambia, Mosambik, Botswana, Indonesien, Venezuela und vor allem in den USA. Diese Brände setzen massenhaft Kohlendioxid frei, und deshalb sind sie ein globales Problem.
Aber: Flözbrände gehören nur zu den kleineren Problemen auf der Agenda: Überbevölkerung, Umweltverschmutzung, Überfischung, Artensterben, Abholzung der Wälder, Versiegelung der Landschaft heißen die großen Herausforderungen, und die Liste könnte noch lange fortgesetzt werden.

An keiner Stelle lässt die Autorin einen Zweifel daran, dass es für die Menschen höchste Zeit ist, den Umgang mit unserer Umwelt drastisch zu ändern. Auch hierbei bedient sich Dagmar Röhrlich eines effektiven Stilmittels: Sie lässt ihre Leser teilhaben am Anblick der Erde, wie ihn Neil Armstrong und Buzz Aldrin vom Mond aus erlebt haben: Vor ihnen schwebte ein wunderschöner Planet, leuchtend wie ein Aquamarin und – nebenbei bemerkt – der einzige Ort im ganzen Weltall, an dem wir derzeit leben können.

Das Buch erregt Aufmerksamkeit, ist aber nicht reißerisch geschrieben, sondern sehr klar strukturiert. Zunächst erklärt Dagmar Röhrlich, wie die Erde eigentlich funktioniert, anschließend beantwortet sie die Frage, warum die Zahl der Menschen so enorm zugenommen hat, bevor sie vor Augen führt, wo wir überall in das System eingreifen. Die Autorin lässt ihre Leser aber nicht paralysiert zurück, sondern umreißt Konzepte, was künftig besser gemacht werden kann. Seinen Teil dazu beizutragen, es dann tatsächlich auch besser zu machen, nimmt sich bestimmt jeder Leser vor.

Gerade deshalb ist es richtig, Jugendliche an die Thematik heranzuführen. Für unter 14-Jährige ist das Buch noch zu komplex, nach oben sollte man keine Altersgrenze definieren, denn auch für Erwachsene dürfte das Buch in seiner Anschaulichkeit und Aktualität ein Gewinn sein.

Vor zwei Jahren wurde der frühere US-amerikanische Vizepräsident Al Gore für sein Umweltschutz-Engagement mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Ihm liegen hauptsächlich eine klimaneutrale Treibhausgas-Bilanz am Herzen und ein Aufrütteln der Politiker. Dagmar Röhrlichs Buch ist für das Verständnis dieser Zusammenhänge eine anschauliche und bereichernde Ergänzung, und es geht einen klugen Schritt weiter: Es schickt sich an, auch Jugendliche zu mobilisieren.

Besprochen von Roland Krüger

Dagmar Röhrlich: Die Spur des Menschen oder was die Erde alles aushalten muss
Bloomsbury Verlag, Berlin 2009
287 Seiten, 14,90 Euro

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