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Konzert / Archiv | Beitrag vom 12.03.2019

BBC Symphony mit Sakari OramoGyörgy Ligeti pur

Moderation: Volker Michael

Der Komponist György Ligeti während seiner Dankesrede am 13.9.2003 in Frankfurt, nachdem er mit dem Theodor W. Adorno-Preis ausgezeichnet wurde. (picture alliance / dpa / APA / Alexander Rüsche)
Der Komponist György Ligeti 2003 in Frankfurt bei der Auszeichnung mit dem Theodor W. Adorno-Preis. (picture alliance / dpa / APA / Alexander Rüsche)

Einen ganzen Abend widmeten das BBC Symphony Orchestra und sein Chefdirigent Sakari Oramo der Musik des individualistischen Avantgardisten György Ligeti. Augustin Hadelich und Nicolas Hodges spielten seine Solokonzerte.

Ganz schön anspruchsvoll war das, was sich die Londonder Rundfunkmusikerinnen und -Musiker mit ihrem künstlerischen Leiter Sakari Oramo da innerhalb eines kleinen Festivals vorgenommen hatten. Gleich fünf Werke des Komponisten György Ligeti standen auf dem Programm. Das Konzert von Anfang März aus der Barbican Hall ermöglicht eine intensive Begegnung mit der Klangwelt des ungarischen Künstlers, der einen sehr eigenwilligen Weg jenseits aller Schulen und Denktraditionen gefunden hat. Der aus dem heutigen Rumänien stammende Komponist lebte von 1923 bis 2006. Seine letzten Lebensjahrzehnte verbrachte er als politischer Emigrant in Österreich.

Trockener, herber, graphischer

Das BBC-Symphony Orchestra beendete den Abend mit der "San Francisco Polyphony", einem Orchesterstück von 1975. Darüber schrieb Ligeti: "Im Vergleich mit der sanften, fast schönen Musik des älteren Orchesterstücks 'Melodien' ist 'San Francisco Polyphony' trockener, herber, graphischer im Duktus der melodischen Linien. Die Divergenz der einzelnen Melodielinien ist noch größer, ihr Verschmelzungsgrad niedriger."

Im Londoner Ligeti-Konzert gab es auch das frühe Werk "Atmosphères", eines der bekanntesten des Meisters. Seine Bekanntheit rührt aus einer Filmmusik her - Kubrick verwendete Teile daraus in seinem "2001- Odyssee im Weltraum", ohne den Komponisten zu fragen übrigens. Das ist vielleicht die prägnanteste Vorhersage in diesem Future-Film - das klassische Urheberrecht hat keine Zukunft!

Der Dirigent Sakari Oramo (Dan Hansson/DSO Berlin)Der Dirigent Sakari Oramo (Dan Hansson/DSO Berlin)

Mit dabei waren auch die Damen der BBC Singers im Eröffnungsstück, den "Clocks and Clouds" für Frauenchor und Orchester, einem sphärisch-flirrenden Schwesterwerk der "Atmosphères".

Technische Raffinesse und klangliche Experimente

Zwei renommierte Solisten waren ebenfalls in London mit dabei, der Geiger Augustin Hadelich und der Pianist Nicolas Hodges. Die beiden Musiker glänzten in den "traditionell" anmutenden Formen Violin- und Klavierkonzert. Bei Ligeti heißt das aber, technische Raffinesse und klangliche Experimente mit musikalischer Konsequenz zu verschmelzen und Tradition und Fortschritt ganz eigenwillig "unter einen Hut" zu bringen.

Die BBC Singers im Royal Airforce Museum London (Website BBC Singers)Die BBC Singers im Royal Airforce Museum London (Website BBC Singers)

Barbican Hall, London
Aufzeichnung vom 2. März 2019

György Ligeti
"Atmosphères" für Orchester
Violinkonzert
"Clocks and Clouds" für 12-stimmigen Frauenchor und Orchester
Klavierkonzert 
"San Francisco Polyphony" für Orchester

Augustin Hadelich, Violine
Nicolas Hodges, Klavier
BBC Singers
BBC Symphony Orchestra
Leitung: Sakari Oramo

Anschließend: Das Duo Brüggen-Plank spielt aus den "Impressions d'enfance" op. 28 von George Enescu.

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