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Konzert / Archiv | Beitrag vom 27.08.2019

BBC Proms mit der London SymphonyMogli, Belsazar und Sir Simon

Moderation: Volker Michael

Simon Rattle leitet das London Symphony Orchestra bei den BBC Proms 2019 (Chris Christodoulou/BBC)
Simon Rattle leitet das London Symphony Orchestra bei den BBC Proms 2019 (Chris Christodoulou/BBC)

Er ist bekannt für ausgefallene Programme - Simon Rattle übt auch sein neues Amt in London mit Raritäten aus. Bei den BBC Proms gab es Musik von Charles Koechlin, Edgard Varèse und William Walton, mit dabei Gerald Finley und mehrere Chöre.

Die Moderne des 20. Jahrhunderts hat Musiker fasziniert und abgestoßen - Charles Koechlin sah nicht nur die Politiker, sondern auch viele Kollegen als wilde Affenbande - deshalb komponierte mehrere Werke über Kiplings "Dschungelbuch". Bandar-Log ist der Hindi-Begriff für "Affe" - und diese menschennahen Tiere lassen sich nicht nur hervorragend musikalisch beschreiben, sondern auch als Ebenbilder verstehen. Sie springen und tanzen so verrückt herum, dass Koechlin nichts anderes als 12-Tontechnik dafür verwenden musste. Er, der unideologische Künstler mit Skepsis gegenüber der Moderne.

Der Lärm der Großstadt

Ganz anders sein Landsmann und Zeitgenosse Edgard Varèse - ihm war Paris zu altmodisch, so dass er nach New York fuhr, um das technisierte Metropolenleben in Töne zu gießen, inklusive aller Geräusche und jeden Lärms. Bei den Proms führten das London Symphony Orchestra und Simon Rattle die Originalversion der "Amériques" von 1921 auf, ein ungeschliffenes, radikales Werk voller Glauben an die Lösung der Menschheitsprobleme durch Technik. Varèse glaubte nicht zuletzt an moderne musikalische Techniken.

Der Bariton Gerald Finley singt in William Waltons "Belshazzar's Feast" bei den BBC Proms 2019 mit dem London Symphony Orchestra unter Simon Rattle (Chris Christodoulou/BBC)Der Bariton Gerald Finley singt in William Waltons "Belshazzar's Feast" bei den BBC Proms 2019 mit dem London Symphony Orchestra unter Simon Rattle (Chris Christodoulou/BBC)

Ursprünglich hatte die BBC 1929, wenige Jahre nach Varèses Reise nach New York, beim damals jungen William Walton ein Werk für Chor und Orchester in Auftrag gegeben, das nur wenige Vokalisten und Musiker beschäftigen sollte. Aber bald darauf erfüllte Walton diesen Auftrag mit einer riesigen Kantate auf ein Sujet aus dem Alten Testament, das in die Zeiten Georg Friedrich Händels zurückweist.

Menetekel und Massenchöre

Es ist eine der bekannteste Geschichten an den Flüssen Babylons - während König Belsazar (Belshazzar) feiert, erscheint das berüchtigte "Menetekel" an der Wand, von Geisterhand geschrieben, das den Fall des goldenen Königreiches ankündigt. Walton wollte die Geschichte aus Sicht der vielen einfachen Menschen, der Israeliten und der Babylonier, erzählen, ganz so wie sein Vorgänger Händel. Deshalb mussten Simon Rattle und das LSO an diesem Abend neben dem eigenen Chor auch noch junge und gestandene Stimmen aus Katalonien hinzu einladen. Der Eindruck war gewaltig.

BBC Proms
Royal Albert Hall, London
Aufzeichnung vom 20. August 2019

Charles Koechlin
"Les Bandar-Log", Symphonische Dichtung nach Kiplings "Dschungelbuch" op. 176

Edgard Varèse
"Amériques" für großes Orchester (Originalversion 1921)

William Walton
"Belshazzar's Feast", Kantate für Bariton, Chor und Orchester

Gerald Finley, Bariton 
Orfeó Català Chor und Jugendchor
London Symphony Chorus
London Symphony Orchestra
Leitung: Sir Simon Rattle

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