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Kulturnachrichten

Donnerstag, 13. Oktober 2016

Bayern verkaufte Raubkunst zurück an Nazis

Kultusminister bestätigt fragwürdige Praxis

Die bayerischen Staatsgemäldesammlungen haben in mehreren Fällen Kunstgegenstände an einstige NS-Funktionäre oder deren Angehörige zurückgegeben oder verkauft, die amerikanische Besatzungsbehörden zuvor beschlagnahmt hatten. Das bestätigte der bayerische Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) in München im Wissenschaftsausschuss des Landtags. Andere Werke wurden anderweitig versteigert oder verkauft anstatt nach jüdischen Vorbesitzern zu suchen. Noch 1974 wurden - mit ministeriellen Genehmigungen - Objekte aus ehemaligem NS-Besitz verkauft, darunter Kunstgegenstände aus der ehemaligen Sammlung Hermann Görings. Auch sollen die Staatsgemäldesammlungen sich die besten Stücke selbst einverleibt haben. Seit 2007 werden die Sammlungen systematisch nach Werken durchforstet, die möglicherweise im Verdacht stehen, Nazi-Raubkunst zu sein. 239 von 404 bislang untersuchten Werken wurden wegen Raubkunstverdachts auf der Online-Plattform "Lostart" eingestellt.

Literaturkritikerin Löffler kritisiert Nobelpreiskomitee

Literaturnobelpreis für Bob Dylan sei "fantastische Fehlentscheidung"

Die Literaturkritikerin Sigrid Löffler hat den Literaturnobelpreis für Bob Dylan als "fantastische Fehlentscheidung" kritisiert. Löffler sagte MDR Aktuell, sie habe den Eindruck, dass die Schwedische Akademie sich seit einiger Zeit interessant machen wolle, "und zwar durch besonders ausgefallene und extravagante Namen, die sie da kürt". Dies sei schon im vergangenen Jahr mit der Auszeichnung für die Weißrussin Swetlana Alexijewitsch der Fall gewesen - "eine sehr mutige und verdienstvolle Journalistin, aber das waren Protokolle, journalistische Montagen".
Dylan sei zweifellos ein genialer Folk- und Rockmusiker und habe der Rockmusik eine neue sprachliche Komplexität gegeben - "aber bitte, das ist alles 50 Jahre her", sagte Löffler. Seine Texte seien keine eigenständige Lyrik, denn sie funktionierten nur gesungen. Löffler gehörte in den 1990er Jahren zum "Literarischen Quartett" in der gleichnamigen ZDF-Sendung.

Roman Ehrlich erhält Ernst-Toller-Preis

Autor für Gesamtwerk ausgezeichnet

Für "herausragende Leistungen im Grenzbereich von Literatur und Politik" ist der in Berlin lebende Autor Roman Ehrlich in Neuburg an der Donau mit dem Ernst-Toller-Preis ausgezeichnet worden. Die Jury lobte in einer Mitteilung vom Donnerstag vor allem die "poetische Widerständigkeit" des Autors und seine "Verweigerung, behauptete Realität als gegeben hinzunehmen". Ehrlichs aktuelles Buch heißt "Das Theater des Krieges". Der Ernst-Toller-Preis ist mit 5 000 Euro dotiert und wird von der Ernst-Toller-Gesellschaft vergeben. Ernst Toller war im frühen 20. Jahrhundert einer der bekanntesten Dramatiker in deutscher Sprache.

Neustart der Carl-Orff-Festspiele fällt vorerst aus

Veranstalter musste Insolvenz anmelden

Die Neuauflage der Carl-Orff-Festspiele fällt vorerst aus. Das für Juli 2017 geplante Festival könne wegen eines Insolvenzverfahrens des potenziellen Veranstalters nicht stattfinden, heißt es in einer in München verbreiteten Mitteilung. Grund seien zu geringe Einnahmen aus Kartenverkäufen bei anderen Veranstaltungen. Der Füssener Kulturmanager Florian Zwipf-Zaharia verwies auf generell rückläufige Besucherzahlen und eine «allgemeine Verunsicherung wegen der aktuellen Sicherheitslage». Er habe sich daher mit der Orff-Stiftung abgestimmt, dass die Festspiele 2017 ausfallen müssten. Zwischen 1998 und 2015 fanden in jedem Sommer Festspiele zur Erinnerung an den berühmten deutschen Komponisten Carl Orff (1895-1982) statt, zuletzt in Trägerschaft des Kloster Andechs unweit der Grabstätte Orffs in der Andechser Wallfahrtskirche.

Literaturnobelpreis geht an Bob Dylan

75-Jähriger Musiker erhält weltweit höchste Literaturehrung

Bob Dylan erhält den diesjährigen Literaturnobelpreis. Das gab das Nobelpreiskomitee in Stockholm bekannt. Der Liedermacher werde für seine poetischen Neuschaffungen in der großen amerikanischen Gesangstradition geehrt, hieß es zur Begründung. "Er ist ein großartiger Dichter", sagte die Chefin der Schwedischen Akademie, Sara Danius, am Donnerstag in Stockholm. Der 75-Jährige habe "den Status einer Ikone" und erfinde sich immer wieder neu, begründete die Jury ihre Wahl. "Sein Einfluss auf die zeitgenössische Musik ist tiefgreifend." An die 600 Lieder hat Dylan in seiner langen Karriere geschrieben. Von der Hymne an sein Vorbild Woodie Guthrie, "Song To Woody" bis zum eigenen Tod ins Auge blickenden "Not Dark Yet" von "Time Out Of
Mind" und darüber hinaus. Als Stimme seiner Generation gefeiert zu werden, beschrieb er selbst einmal als eine Last. "Das ist ein Begriff, der einem nur Probleme macht", sagte er in einem Radiointerview. "Diese kolossalen Lobpreisungen und Titel kommen einem nur in die Quere." Mit Dylan wird erstmals ein Songwriter mit dem größten Literaturpreis der Welt ausgezeichnet - und zum ersten Mal seit 1993 wieder ein US-Amerikaner.

Literaturnobelpreisträger Dario Fo ist tot

1997 gewann der italienische Dramatiker den Literaturnobelpreis

Der italienische Theaterautor, Regisseur und Satiriker Dario Fo ist im Alter von 90 Jahren gestorben. Fo kam am 24. März 1926 in einem Dorf am Lago Maggiore zur Welt. Sein internationaler Durchbruch gelang Fo 1960 mit der Komödie "Gli arcangeli non giocano a flipper" (Erzengel spielen nicht am Flipper). Weitere wichtige Werke sind "Mistero buffo" (1969), "Morte accidentale di un anarchico" (Zufälliger Tod eines Anarchisten, 1970), und "Clacson, trombette e pernacchi" (Hohn der Angst, 1981). Durch sein politisches Engagement, auch auf Seiten der Kommunistischen Partei, wurde Fo in zahlreiche Prozesse und Kontroversen mit dem italienischen Staat und dem Vatikan verwickelt. Mehrmals wurde er auf der Bühne verhaftet. Im italienischen Fernsehen hatte er jahrelang Auftrittsverbot. Italiens Ministerpräsident Matteo Renzi hat der Familie des verstorbenen Literatur-Nobelpreisträgers Dario Fo sein Beileid ausgesprochen. "Mit Dario Fo verliert Italien eine seiner großen Hauptfiguren des Theaters, der Kultur, des bürgerlichen Lebens unseres Landes", zitierten italienische Nachrichtenagenturen die Worte Renzis am Donnerstag. "Seine Satire, seine Recherche, seine Arbeit auf der Bühne, seine vielseitige künstlerische Tätigkeit bleiben als Erbe eines großen Italieners in der Welt."

Kinderbuchautorin Christine Nöstlinger wird 80

Ihr Nachkriegsklassiker "Maikäfer, flieg!" wurde 2016 verfilmt

Ihre Bücher über starke Mädchen, zankende Eltern und sympathische Außenseiter wurden zu Klassikern und Schullektüre. Mit ihrem Erstlingswerk "Die feuerrote Friederike" schuf Christine Nöstlinger den Prototyp eines emanzipatorischen Kinderbuches mit aufmüpfigem Ton. Damit traf die Wienerin 1970 einen Nerv und legte den Grundstein ihrer bis heute andauernden weltweiten Karriere. Kinder müssten nicht verklärt oder gar belogen werden. Diskussionen über Krieg sollten nicht verheimlicht werden. "Kinder wissen viel mehr als man oft denkt", so Nöstlinger. Insgesamt schrieb die Wienerin über 150 Bücher, die in über 30 Sprachen übersetzt wurden. Etwa "Wir pfeifen auf den Gurkenkönig", "Nagle einen Pudding an die Wand!" und die Serien "Geschichten vom Franz", "Mini" und "Dani Dachs". Viele der Handlungsstränge drehen sich im heiteren Ton um die Scheidung der Eltern aus Kinderperspektive, um chaotische Familienverhältnisse, Schulängste oder die erste Liebe. Zuletzt kam 2016 ihr autobiografischer Roman "Maikäfer, flieg!" ins Kino. Darin verarbeitete sie ihre Erinnerungen an das zerbombte Wien 1945.

Weltgrößte Brettspielmesse in Essen eröffnet

Spieletrends dieses Jahres sind sogenannten "Escape Games"

Würfeln, fachsimpeln und zocken: Viele tausend Besucher sind am Donnerstag gleich nach der Eröffnung zur weltweit größten Publikumsmesse für Gesellschaftsspiele in Essen gekommen. Mehr als 1000 große und kleine Aussteller aus 50 Ländern präsentieren den Fans und Fachbesuchern bei der "Spiel 2016" Neuheiten und Klassiker der Brett- und Kartenspiele. 160 000 Besucher werden bis Sonntag erwartet. Auch die Gewinner des Deutschen Spielepreises 2016 werden vorgestellt - dazu gehören das Strategiespiel "Mombasa" und das Kinderspiel "Leo muss zum Friseur". Zu den Spieletrends dieses Jahres zählen Experten die sogenannten "Escape Games" für zuhause. Dabei müssen die Spieler gemeinsam verschiedene Rätsel lösen.

Online-Petition gegen Schließung des Museums Morsbroich

Tausende Unterschriften für Museum in Leverkusen

Fast 15 000 Menschen haben eine Online-Petition gegen die Schließung des renommierten Museums Morsbroich in Leverkusen unterstützt. Am kommenden Montag solle die Unterschriftenliste dem Leverkusener Oberbürgermeister Uwe Richrath (SPD) übergeben werden, teilten die Initiatoren mit. Wirtschaftsprüfer hatten in einem Gutachten empfohlen, das Kunstmuseum aufzulösen - so könnten fast 780 000 Euro pro Jahr gespart werden. Das drohende Aus des Museums hatte bundesweit Proteste ausgelöst. Im August legte der Stadtrat die Schließungspläne vorläufig auf Eis: Der Museumsverein hat jetzt bis Februar 2018 Zeit, ein Standortentwicklungskonzept für das Museum aufzustellen.

USA und Kuba wollen Hemingways Nachlass sichern

Im Mittelpunkt stehen 23.000 Hinterlassenschaften in Havanna

Museen und Bibliotheken aus den Vereinigten Staaten und Kuba wollen gemeinsam den Nachlass von Ernest Hemingway sichern. In der Finca des Schriftstellers in der kubanischen Hauptstadt Havanna lägen mehr als 23 000 Hinterlassenschaften, teilten Experten aus beiden Ländern nach einem Treffen in Boston mit. Dabei handele es sich um Briefe und Bücher ebenso wie um Angelruten und Jagdtrophäen. Hemingway lebte mehr als 20 Jahre in Kuba – für seine Novelle „Der alte Mann und das Meer erhielt er 1954 den Literaturnobelpreis. "Wir haben eine gewaltige Verantwortung", sagte die Direktorin des kubanischen Hemingway-Museums, Ada Rosa Alfonso. Da Hemingway so gut wie nichts weggeworfen habe, gebe es viel zu tun. Die Zusammenarbeit ist nach der politischen Annäherung der USA und Kubas seit Ende 2014 möglich geworden.

Studie: 84 Prozent der Deutschen sind online

Fast 100 Prozent der 14- bis 29-Jährigen nutzen das Internet via Smartphone

Das Smartphone hat einer Studie zufolge 2016 erstmals den Spitzenplatz bei den meistgenutzten Geräten für den Internetzugang erobert. 66 Prozent der Deutschen und nahezu jeder 14- bis 29-Jährige gehen über das Mobiltelefon ins Netz, wie eine aktuelle ARD/ZDF-Onlinestudie ergibt. Damit liegt das Smartphone noch vor dem Laptop, den 57 Prozent für den Internetzugang nutzen. Nachdem die Internetverbreitung insgesamt in den vergangenen Jahren nur noch leicht zugenommen hatte, verzeichnen die Statistiker nun wieder einen deutlichen Zuwachs: Laut der Studie stieg die Zahl der Internetnutzer 2016 um zwei Millionen auf 58 Millionen, dies entspricht 84 Prozent der deutschsprachigen Bevölkerung und einem Plus von vier Prozentpunkten. Im Durchschnitt verbringen die Deutschen täglich zwei Stunden und acht Minuten im Netz - 20 Minuten mehr als im Vorjahr. Dabei entfällt der größte Teil der Internettätigkeiten auf Kommunikation (39 Prozent) und Medien (25 Prozent). Zu den meistgenutzten Diensten in Deutschland zählen Facebook und WhatsApp: Gut jeder Fünfte ist der Untersuchung zufolge täglich auf Facebook, und sogar fast die Hälfte der deutschsprachigen Bevölkerung nutzt täglich WhatsApp. Die Zahl der Menschen, die täglich unterwegs ins Internet gehen, stieg der Studie zufolge auf 19 Millionen - das sind 28 Prozent der Bevölkerung und zehn Prozentpunkte mehr als im Vorjahr.

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