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Fazit | Beitrag vom 04.06.2019

Bayern hat ein neues MuseumWo der Löwe den Maßkrug stemmt

Richard Loibl im Gespräch mit Sigrid Brinkmann

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Eine Theaterkulisse des Schlierseer Bauerntheaters steht im Museum des Hauses der Bayerischen Geschichte neben einem Schukert-Strahler (l). (dpa / picture alliance / Armin Weigel)
Eine Theaterkulisse des Schlierseer Bauerntheaters steht im Museum des Hauses der Bayerischen Geschichte neben einem Schukert-Strahler (l). (dpa / picture alliance / Armin Weigel)

Die Taschenuhr des Märchenkönigs Ludwig II. und der Löwenbräu-Löwe: Mit zahlreichen Exponaten und szenischen Bildern erzählt das Museum der Bayerischen Geschichte vom Freistaat. Museumsleiter Richard Loibl freut besonders die Architektur des Hauses.

Für das nun eröffnete Museum für bayerische Geschichte ist ein ganz neues Gliederungsschema entwickelt worden, erläutert Museumschef Richard Loibl:

"Wir haben das 'Generationen' genannt. Ich kenne das von keinem der historischen Häuser bisher. Wir Historiker neigen ja manchmal dazu, 'Lehrbücher an die Wand zu nageln'. Wir wollten hier mehr auf den optischen Eindruck setzen. Wir zeigen szenische Bilder, machen Exponat-Ensembles und stellen auch gegensätzliche Dinge einander gegenüber."

Der Oktoberfest-"Löwenbräu-Löwe" steht im Museum des Hauses der Bayerischen Geschichte in Regensburg.  (picture-alliance / dpa / Armin Weigel)Der Oktoberfest-"Löwenbräu-Löwe" steht im Museum des Hauses der Bayerischen Geschichte in Regensburg. (picture-alliance / dpa / Armin Weigel)

Er freue sich, wenn die Besucher in die Geschichte(n) quasi eintauchen können, betont Loibl. Und es wirkt: "Die Leute bleiben stehen, die bleiben hängen und denken: Was hat er jetzt da vor?"

Ein bewegendes Beispiel für Völkerverständigung

Einige hundert Gegenstände sind von Bürgern gestiftet worden. Darunter ist ein Toraschild als Leihgabe einer jüdischen Familie aus den USA. Das Exponat hat einen interessanten Weg hinter sich:

"Diese Familie stammt ursprünglich aus dem bayerischen Gunzenhausen. Bei der Plünderung der Synagoge während der Reichspogromnacht ist dieser Schild von einem SS-Offizier gestohlen worden. Viele Jahrzehnte später sah Bernhard Purin, der Leiter des Jüdischen Museums München, den Schild und konnte den Hergang rekonstruieren. Er fand den Namen der Familie heraus, die das Stück dem Museum geschenkt hatte.

Ein großer Teil der Familie ist während der NS-Zeit umgekommen. Und heute, zur Eröffnung, sind zwanzig Mitglieder dieser Familie extra aus den USA angereist, zur Eröffnung dieses Museums. Das ist doch ein Beispiel für Völkerverständigung. Ist das nicht Wahnsinn?"

Richard Loibl vor einem Exponat im Museum der Bayerischen Geschichte in Regensburg. (picture alliance / Armin Weigel / dpa)Richard Loibl, Direktor des Museums der Bayerischen Geschichte. (picture alliance / Armin Weigel / dpa)

Loibl freut sich auch sehr über den funktionalen Bau:

"Man kann mit geringstem Aufwand super Austellungen machen, in kleineren und größeren Formaten, Diskussionsforen und Gesprächsrunden, die sich sofort miteinander vernetzen lassen. Außerdem ist es ein Niedrigenergiehaus." 

Das Museum der Bayerischen Geschichte am Regensburger Donauufer. Ein architektonisch postmodernes Gebäude am Ufer eines Flusses hebt sich ab vor einem Dom im Hintergrund. (Armin Weigel / dpa / picture-alliance)Das Museum der Bayerischen Geschichte am Regensburger Donauufer wurde mit Verzögerung eröffnet. (Armin Weigel / dpa / picture-alliance)

Anfänglich hat es viel Widerstand gegen das Gebäude gegeben. Loibl freut sich, dass die Menschen das Haus nun offenbar annehmen.

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