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Kompressor | Beitrag vom 11.08.2021

Batmanautor wechselt zur Plattform SubstackComicverlage unter Druck?

Alexander Braun im Gespräch mit Gesa Ufer

Ein Batman-Kostüm, das von Schauspieler George Clooney in dem Film "Batman & Robin" von 1997 getragen wurde. (imago images/Nils Jorgensen/i-Images)
Batman selbst wird es wohl egal sein, wer sich seine Geschichten ausdenkt. Hauptsache, jemand denkt sie sich aus. (imago images/Nils Jorgensen/i-Images)

James Tynion IV zählt zu den prominentesten Autoren von "Batman"-Comics. Jetzt geht er zum Newsletter-Dienst Substack. Kunsthistoriker Alexander Braun wundert das nicht: Die Branche sei im Wandel. Tynion gehe es um mehr Autonomie – aber nicht nur.

DC Comics ist neben Marvel Comics einer der größten US-amerikanischen Comicverlage. Bekannt ist DC vor allem wegen seiner Comicserien Batman und Superman. Aber der Hauptverantwortliche für die Batman-Serie ist James Tynion IV. Er verlässt DC Comics jetzt, hört auf mit Batman und geht zu Substack. Die US-amerikanische Online-Plattform zieht immer mehr große Namen aus Journalismus, Wissenschaft und Kultur an, die hier mit ihren Newsletter-Abonnements Geld verdienen. Nun offenbar auch immer mehr Comic-Autorinnen- und Autoren.

Hier geht es zum Literatursommer von Deutschlandfunk Kultur. (Foto: imago / fStopImages / Malte Müller)

Der Weggang des 33-jährigen James Tynion IV von DC sei überhaupt nur eine Meldung wert gewesen, weil er als Hauptautor der Batman-Serie ein "Schwergewicht" sei, sagt Kunsthistoriker Alexander Braun. James Tynion würde seine Prominenz nutzen und würde versuchen, etwas Neues zu kreieren. Letztendlich gehe es bei diesen Entscheidungen aber immer um Autonomie und um den "schnöden Mammon" – also ums Geld.

Autor:innen wollen mitverdienen

Seit den 90er-Jahren würden große Namen immer mal wieder Verlage verlassen. Der Hintergrund sei, dass die Kreativen die Rechte an ihren Figuren verlieren würden, sobald sie für DC oder Marvel arbeiteten, erklärt Braun. Das bedeute, wenn ein Verlag die Film- und Fernsehrechte für eine populäre Comicfigur verkaufe, würden sie keinen Cent von den Umsätzen sehen.

Aus diesem Grund hätte auch 1992 der "Spider-Man"-Zeichner Todd McFarlane den Verlag "Image Comics" gegründet. Heute sei "Image" der drittgrößte Comicverlag auf dem amerikanischen Markt, der seine Zeichner:innen prozentual am finanziellen Erfolg beteilige, so Braun.

"Das ist sehr verständlich, dass ein kreativer Künstler sagt:  'Wenn ich mir diese tolle Figur ausdenke, dann will ich damit auch partizipieren, wenn damit Geld zu verdienen ist.'"

Porträt des Comickünstlers James Tynion IV. (AFP / Getty Images / Michael Buckner)James Tynion will endlich auch selbst mit an seinen ausgedachten Figuren verdienen. (AFP / Getty Images / Michael Buckner)
Zweischneidig an dieser Entwicklung sei allerdings, dass heute etablierte Autor:innen wie James Tynion IV nicht so bekannt geworden wären, wenn Verlage wie DC oder Marvel sie nich eingestellt und mit aufgebaut hätten, meint Braun. "Die Verlage mit ihren prominenten Figuren machen diese jungen Stars ja erst."

Konkurrenz für die Großverlage

Firmen wie Substack seien eine ernst zu nehmende Konkurrenz für die Großen, sagt der Kunsthistoriker: Den Verlagen würden die kreativen Köpfe verloren gehen.

Für Alexander Braun ist das aber auch eine "tolle Entwicklung". Die Großverlage seien dadurch gezwungen, beweglicher zu werden.

"Wenn DC und Marvel endlich mal anfangen würden, ihre Mitarbeiter prozentual an den Gewinnen ihrer Figuren zu beteiligen, dann würde das System viel spannender werden und ich glaube, solche neuen Plattformen bringen Bewegung in die Branche und Bewegung ist immer gut."

(jde)

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