Donnerstag, 16.07.2020
 

Kulturnachrichten

Dienstag, 30. Juni 2020

"Sesamstraßen"-Schauspieler gestorben

Der vor allem aus der Kindersendung "Sesamstraße" bekannte Schauspieler Gernot Endemann ist tot. Der Schauspieler und Hörspielsprecher wurde 78 Jahre alt. Endemann hatte zahlreiche Auftritte im deutschen Fernsehen. 1965 bis 1971 spielte er neben Inge Meysel in der beliebten ARD-Familienserie "Die Unverbesserlichen" mit. Auch beim ZDF-Krimi "Derrick" und in der ZDF-Kinderserie "Manni der Libero" war er zu sehen. Millionen Kinder lernten Endemann aber vor allem in der ARD-Sendung "Sesamstraße" kennen, in der er von 1986 bis 1998 den Fahrradhändler Schorsch spielte. Bereits in den 70ern hatte er dort als Taxifahrer Thomas Sauer mitgewirkt.

Grütters-Brief: Europäische Kulturlandschaft erhalten

Kulturstaatsministerin Monika Grütters hat sich mit ihren Amtskollegen aus Frankreich und Italien für einen Erhalt der "langjährig gewachsene Strukturen der europäischen Kulturlandschaft" stark gemacht. Dazu müsse unter anderem auch das EU-Förderprogramm "Kreatives Europa" mit einem entsprechenden Finanzrahmen ausgestattet werden, schreiben Grütters, der italienische Kulturminister Dario Franceschini und Frankreichs Kulturminister Franck Riester in einem gemeinsamen Brief an EU-Kommissarin Mariya Gabriel. Grütters verwies auf aktuelle Zahlen der EU-Kommission, wonach die Kulturbranche in Europa mit Einbußen von bis zu 70 Prozent in der Corona-Krise zu kämpfen hat.

PEN: Asli Erdogan erneut angeklagt

Die im Februar vom Vorwurf der Terrorismusunterstützung freigesprochene türkische Autorin Asli Erdogan ist laut Schriftstellervereinigung PEN erneut in ihrem Heimatland angeklagt worden. Die Anklage laute auf "Terrorpropaganda", teilte das deutsche PEN-Zentrum in Darmstadt mit. Obwohl die offizielle Einspruchsfrist gegen einen Gerichtsbeschluss - und damit gegen den Freispruch vom Februar - eine Woche betrage, fordere nun ein türkischer Staatsanwalt nach vier Monaten, den Fall abermals aufzurollen, heißt es. Bei einem Schuldspruch drohten der 53-Jährigen, die schwer erkrankt sei, bis zu neun Jahre Gefängnis. Asli Erdogan war Kolumnistin einer pro-kurdischen Zeitung. Nach dem Putschversuch 2016 verhaftete die Istanbuler Polizei sie wegen angeblicher "Zerstörung der nationalen Einheit".

US-Regisseur Carl Reiner gestorben

Der US-Regisseur Carl Reiner ist tot. Er sei im Alter von 98 Jahren in Los Angeles gestorben, sagte seine Assistentin Judy Nagy dem Branchenmagazin "Variety". Reiner wurde 1922 als Kind österreichischer Einwanderer in New York geboren, wurde Schauspieler und später Regisseur. Große Erfolge feierte er unter anderem mit "Oh Gott..." (1977), "Reichtum ist keine Schande" (1979) und "Solo für 2" (1984). Reiner hatte drei Kinder, einer davon war der Regisseur Rob Reiner, der unter anderem "Harry und Sally" drehte.

Bezahlsender Sky schließt Filmdeal mit Tobis

Der Streamingdienst Sky hat einen Vertrag mit dem Filmverleih Tobis geschlossen und wird künftig mehr neue Kinowerke zeigen. Filme von Tobis sollen damit schon kurz nach Kinostart als exklusive TV- und Streaming-Premieren bei Sky zu sehen sein, wie es in einer Mitteilung hieß. Den Angaben zufolge schloss Sky Deutschland eine mehrjährige Vereinbarung mit Tobis ab und erwarb damit die Rechte für alle Verbreitungswege von Sky in Deutschland und Österreich. Sky-Filmkunden bekommen so auch auf viele frühere Tobis-Blockbuster Zugriff, etwa Luc Bessons "Das fünfte Element", den Action-Hit "The Transporter" mit Jason Statham sowie Mila Kunis und ihre "Bad Moms".

Luxuskonzern LVMH erwartet nur langsame Erholung

Die Folgen der Coronakrise wird der französische Luxuskonzern LVMH mit seinen Marken wie Louis Vuitton oder Dior noch länger spüren. "Wir können zu diesem Zeitpunkt nur auf eine allmähliche Erholung hoffen", sagte Firmenchef Bernard Arnault auf der Online-Hauptversammlung. Das Ergebnis des zweiten Quartals werde vor allem durch die Entwicklung in Europa und den USA beeinträchtigt, wo die Filialen zur Eindämmung der Corona-Pandemie lange geschlossen gewesen seien. Eine Prognose für 2020 wagte der Vorstand nicht. Die Corona-Pandemie hatte bereits im ersten Quartal einen Umsatzrückgang um 15 Prozent auf 10,6 Milliarden Euro verursacht.

Britische Museen und Galerien öffnen wieder

Nach mehr als drei Monaten Zwangspause haben führende britische Museen und Kunstgalerien ihre Wiedereröffnung angekündigt. Als erstes will die National Gallery am Trafalgar Square in London am 8. Juli ihre Türen für Besucher öffnen. Es folgen etwas später das Barbican Centre und die Royal Academy. Die Tate-Galerien in London, Liverpool und Cornwall warten mit ihrer Wiedereröffnung bis Ende Juli. National Gallery-Direktor Gabriele Finaldi kündigte an, dass die Besuchererfahrung eine ganz andere sein werde. Alle Besucher müssten ihre Tickets im Voraus online buchen, Abstand halten und einem vorgeschriebenen Einbahnsystem mit drei Routen folgen. Das Tragen von Masken werde empfohlen. Die Öffnungszeiten sind verkürzt. Wegen der fehlenden Touristen rechne er in den nächsten Monaten mit niedrigen Besucherzahlen.

Belgischer König bedauert koloniale Vergangenheit

Anlässlich des 60. Jahrestags der Unabhängigkeit der Demokratischen Republik Kongo hat der belgische König Philippe erstmals sein Bedauern über die während der belgischen Kolonialherrschaft verübten Verbrechen ausgedrückt. Es seien "Gewaltakte und Grausamkeiten" begangen worden, die "unser kollektives Gedächtnis noch immer belasten", schrieb Philippe in einem Brief an den kongolesischen Präsidenten, Félix Tshisekedi. Der Schmerz dieser Wunden werde "heute wieder geweckt" durch die "Diskriminierung, die in unseren Gesellschaften noch immer gegenwärtig" sei. Im Zuge der weltweiten Proteste der Black-Lives-Matter-Bewegung war in Belgien zuletzt die Debatte um die Vergangenheit des Landes neu entfacht worden. Demonstranten hatten mehrere Denkmäler des umstrittenen belgischen Königs Leopold II. beschädigt.

Filmförderung führt Diversitäts-Checkliste ein

Die Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein will Klischees und stereotype Rollenbilder in Filmen mit einer Checkliste bekämpfen. Sie hat deshalb einen verpflichtenden Diversity-Fragebogen eingeführt - nach eigenen Angaben als erste Filmförderung bundesweit. Laut Geschäftsführer Helge Albers geht es vor allem darum, Drehbuchautoren, Produzenten und Regisseure auf diesem Gebiet zu sensibilisieren. Er sagte der Deutschen Presse-Agentur, es sei "höchste Zeit, unbewusste Vorurteile und Klischees zu hinterfragen". Deshalb sollten die Filmemacher von nun an Stellung zu den Themen, Rollen und Besetzungen ihres Filmes beziehen.

Karlsruhe präsentiert "systemrelevante" Krisen-Kunst

Mit einer Sonderausstellung reagiert die Staatliche Kunsthalle Karlsruhe auf die Corona-Pandemie. Die Schau "Systemrelevant? Dass und wie wir leben" zeige Krisen-Kunstwerke vom Spätmittelalter bis zur Gegenwart und heutige Kommentare zum Thema, sagte Kunsthallen-Direktorin Pia Müller-Tamm. Die Sonderpräsentation will zur Diskussion anregen, wie eine Gesellschaft aussähe, in der alles Nicht-Systemrelvante wegbricht - eine "Gesellschaft ohne Geschichten und Humor, Mode, Sportschau und Lieblingsplaylists, Existenzfragen und Horizonterweiterung". Die Schau sei eine Art "Zwischenruf zur aktuellen Debatte" und soll bis 27. September dauern.

Sundance-Filmfestival plant online

Das berühmte Indie-Filmfestival Sundance wird im kommenden Jahr weitgehend ins Internet verlegt - ergänzt um Veranstaltungen in mehreren US-Großstädten. Online soll es für ein breites Publikum Möglichkeiten geben, das Festivalprogramm und anschließende Diskussionen auf einer neuen Plattform zu verfolgen, teilte Direktorin Tabitha Jackson mit. Um das Touristenaufkommen in den Ausrichtungsort Salt Lake City und Park City zu reduzieren, werden einzelne Premieren andernorts ausgerichtet. Für viele kleinere Filme ist das 1978 von Schauspieler Robert Redford mitgegründete Sundance-Festival ein Sprungbrett, um Verleiher zu finden und für Aufsehen in der Branche zu sorgen.

Bayern: Keine Masken mehr bei Kulturveranstaltungen

Bei Kulturveranstaltungen in Bayern soll es keine Maskenpflicht geben. Im Saal dürfe die Maske auf dem festgelegten Sitzplatz künftig abgenommen werden, kündigte Ministerpräsident Markus Söder in der "Augsburger Allgemeinen" an. Demnach soll die neue Regelung am Mittwoch im Kabinett beschlossen werden. Der CSU-Chef argumentierte: "Die Kulturveranstaltungen verlaufen sehr seriös und sehr gut." Beim Hineingehen und im Umfeld etwa im Garderobenbereich gelte die Maskenpflicht weiter und sei sinnvoll. Auf den Sitzen in den Veranstaltungsräumen werde sie gelockert, hieß es in der Zeitung.

Proteste in Addis Abeba nach Mord an Sänger

Der Tod eines prominenten äthiopischen Sängers und Aktivisten, Hachalu Hundessa, hat in der Hauptstadt Addis Abeba Proteste ausgelöst. Viele Hauptverkehrsadern seien blockiert und Menschen würden Reifen verbrennen, berichtete ein dpa-Reporter. Zudem sei das Internet abgeschaltet worden. Der Hintergrund der Tat war zunächst unklar. Regierungschef Abiy Ahmed sprach sein Beileid aus und twitterte, dass man die Ergebnisse einer Ermittlung erwarte. Hachalu Hundessa gehört der Volksgruppe der Oromo an, die ihn als ein Verfechter der Rechte der Bevölkerungsgruppe angesieht. Die größte ethnische Gruppe in dem Vielvölkerstaat fühlte sich jahrelang von der autoritären Regierung vernachlässigt.

Cirque du Soleil entlässt fast 3500 Mitarbeiter

Das kanadische Unternehmen Cirque du Soleil beantragt Insolvenzschutz und entlässt vorerst rund 3480 Mitarbeiter. Der Schritt sei eine Folge der "immensen Störungen und aufgezwungenen Einstellungen von Shows" in der Folge der Corona-Pandemie, teilte das Unternehmen in Montréal mit. Weltweit hatte Cirque du Soleil im Zuge der Pandemie den Betrieb von mehreren Dutzend Shows einstellen müssen. Auch zwei Produktionen in Deutschland waren betroffen. Aktuell sind Aufführungen bis Ende August 2020 ausgesetzt. Für September 2021 ist eine neue Show in Berlin angekündigt. Der Entertainment-Konzern will seine Schulden mit Hilfe der kanadischen Regierung und von bisherigen Beteiligungsgesellschaften umschichten. Die Mehrheit der gekündigten Mitarbeiter soll so bald wie möglich wieder eingestellt werden.

Sohn Ethan Wayne: "John Wayne war kein Rassist"

Nach der Forderung der US-Demokraten im Zuge der Rassismus-Debatte, den nach der Western-Legende benannten John-Wayne-Flughafen in Orange County umzubenennen, hat sich dessen Sohn Ethan Wayne eingeschaltet. "John Wayne war kein Rassist", sagte der 58-Jährige. Es wäre "ungerecht", seinen Vater auf der Grundlage eines einzigen Interviews zu beurteilen, schrieb Ethan Wayne in einem Statement, wie das US-Promiportal "TMZ" berichtete. Er habe jeden als Individdum beurteilt und an Chancengleichheit geglaubt. Anstoß für die Namensdebatte war eine Interviewäußerung von John Wayne. Der 1979 verstorbene Hollywoodstar hatte gesagt, dass er an die Überlegenheit der Weißen ("white supremacy") glaube und Schwarze noch der Erziehung bedürften.

Bacon-Triptychon für 85 Millionen Dollar versteigert

Ein Triptychon des britisch-irischen Künstlers Francis Bacon (1909-1992) hat bei einer Online-Auktion umgerechnet etwa 75 Millionen Euro eingebracht. Zwei Bieter - einer online und einer per Telefon - hätten sich einen zehnminütigen Wettstreit geliefert, teilte das Auktionshaus Sotheby's mit. Schließlich bekam der Telefonbieter, der zunächst anonym blieb, für rund 84,6 Millionen Dollar den Zuschlag. Das Auktionshaus war zuvor nur von einem Preis von etwa 60 Millionen Dollar ausgegangen. Das auf den Tragödien von Aischylos, einem griechischen Dichter der Antike, basierende Bacon-Werk aus dem Jahr 1981 hatte 1984 der norwegische Sammler Hans Rasmus Astrup gekauft und seitdem in seinem Museum beheimatet.

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