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Fazit | Beitrag vom 04.04.2018

Barbara Vinken zur Causa Paglia"Die deutsche Ausgabe ist liebenswert gemacht"

Barbara Vinken im Gespräch mit Eckhard Roelcke

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Die Feministin Camille Paglia (imago/ZUMA Press)
Autorin Camille Paglia findet, dass die deutsche Ausgabe ihres Buches "Free Woman, Free Men" nicht angemessen übersetzt wurde. (imago/ZUMA Press)

Der Antaios-Verlag hat ein Buch der amerikanischen Feministin Camille Paglia herausgebracht. Die Autorin wehrt sich gegen die deutsche Übersetzung, denn diese verändere die Absicht ihres Buches. Die Kulturwissenschaftlerin Barbara Vinken kann die Empörung nicht nachvollziehen.

Camille Paglia stehe für die Kritik am amerikanischen "East-Coast Establishment", sagt Barbara Vinken im Gespräch mit Deutschlandfunk Kultur. Und auch Paglias Ablehnung des "Opfer-Feminismus" sei nachvollziehbar. Viele Punkte der Amerikanerin seien aber absurd:

"Ihr fehlt es an intellektuellem Durchdringungsvermögen. Sie hat aber sicherlich viel Potenz zum Aufständischen. Sie fällt auf Theorien zurück, wie "Frauen können keine Kunst machen, weil sie nicht sublimieren können, aber das müssen sie auch gar nicht, denn sie können ja Babys machen. Und Männer - die keine Babys machen können - müssten darum Schreiben, Kunst machen, Kultur machen."

Breite Medienpräsenz in den USA

Dies sei eine ziemliche Verstümmelung psychoanalytischer Theorien, sagt Vinken. Paglias Ansichten hätten nur ein sinnloses Schockpotential. Paglia sehe sich als linksdemokratische Feministin, allerdings sei sie gegen das Clinton-Establishment gerichtet:

"Ich würde sagen, dass ihre Thesen einfach blind in diesem Ressentiment sind und ganz leicht von den Rechten instrumentalisiert werden konnten. Zumal sie auf diesen antiislamistischen Einwanderungszug aufgesprungen ist."

Barbara Vinken (Deutschlandradio / Oranus Mahmoodi)Die Kulturwissenschaftlerin Barbara Vinken (Deutschlandradio / Oranus Mahmoodi)

Dass Paglias Ansichten unterdrückt würden, sei falsch, denn die Autorin habe eine sehr breite Medienpräsenz in den USA. Dass sie von großen deutschen Verlagen nicht mehr verlegt werde, habe andere Gründe, so Vinken:

"Sie wird nicht wegen ihrer fehlenden Political Correctness nicht mehr publiziert, sondern schlicht und einfach weil sie unterkomplex ist. Dass der rechte Verlag auf sie aufspringt liegt daran, dass sie damit kompatibel ist in ihren Hauptthesen."

Witzig sei, dass Paglia sich nun in einer Opferrolle sehe, obwohl sie selbst genau diesen Opfer-Feminismus anprangere:

"Sie ist vollkommen vom Machismo identifiziert - isst nur rohe Steaks - und findet, dass die Frau sich endlich selbst ermächtigen soll, die Sachen auf die Reihe zu kriegen."

"Das ist eine tolle Ausgabe"

Vermutlich habe der Streit um falsche Übersetzungen des deutschen Verlags ganz andere Gründe:

"Sie will nicht mit deutsch-rechten Momenten identifiziert werden."

Im Übrigen sei Peglias Kritik an der deutschen Ausgabe nicht angemessen:

"Das ist eine tolle Ausgabe. Sie ist unheimlich liebenswert gemacht, sie ist unheimlich ausführlich. Eine toll kommentierte Ausgabe. Ich glaube, sie hat einen Panic-Rush gekriegt, dass sie jetzt in diesem Verlag und rechtsradikal und dann in Deutschland verlegt wird. Das alles auf einmal war ihr einfach zu viel".

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