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Im Gespräch / Archiv | Beitrag vom 22.03.2018

Barbara Sanderling Ein Leben für den Kontrabass

Moderation: Britta Bürger

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Symboldbild: Kontrabass Klassik Musik Instrument Konzert (picture alliance / dpa / Jussi Nukari)
Kontrabass zu spielen, sei eigentlich gar nicht geplant gewesen, sagt Barbara Sanderling. (picture alliance / dpa / Jussi Nukari)

Sie war die erste Kontrabassistin eines bekannten deutschen Orchesters: Barbara Sanderling blickt auf 53 Berufsjahre mit dem Kontrabass zurück. Die eine Hälfte davon im Berliner Sinfonie-Orchester, die andere Hälfte als Professorin an der Hochschule für Musik Hanns Eisler.

Dass sie überhaupt angefangen hat, Kontrabass zu spielen, sei nicht geplant gewesen, sagt Barbara Sanderling:

"Das hat das Leben mir so zugewiesen. Ich habe eine Laute meines Vaters stehen gehabt, als ich so elf Jahre alt war ungefähr und hab meiner Mutter gesagt, ich möchte das lernen. Sie war klug genug, mich nicht davon abzubringen und hat mich zu einer Entertainerin gebracht. (…) Es war eine erste Erziehung zur Bühnenpräsenz sozusagen und es war der Anfang zum Kontrabass: die vier Saiten vom Kontrabass sind die unteren vier Saiten der Laute gewesen. (…) Es gab ein Mandolinen und Gitarrenorchester – ‚Freiklang‘, da kam ich hin und spielte mit mit der Laute. Und eines Tages stand da eine große Gitarre in der Ecke. Das hatte ich noch nie gesehen – und da sagte der Leiter ‚ja, hier, angucken … wir brauchen jemanden, der das spielt."

Erste Frau am Kontrabass in Leipzig

So beginnt Barbara Sanderling eine gründliche Ausbildung zur Kontrabassistin, erst privat über einen Lehrer, dann an der Hochschule für Musik in Leipzig. Dort spielt sie gleich im Hochschulorchester mit und unterrichtet schließlich selber jüngere Studenten. Das Leipziger Gewandhausorchester stellt sie noch als Studentin als Substitut ein, als erste Frau am Kontrabass und nur theoretisch als Aushilfe – praktisch kommt sie auf sehr viele Spieltage.

Mit den gesammelten Erfahrungen bewirbt sie sich 1960 beim Berliner Sinfonie-Orchester, das von Kurt Sanderling dirigiert wurde:

"Es war sehr erfolgreich für mich, denn er hat sofort gesagt, ‚Sie nehme ich und sie können nächste Woche anfangen‘ und da hab ich gesagt das geht nicht, ich hab noch ein Jahr zu studieren und er sagte ‚studieren Sie zu Ende und kommen Sie dann!‘ Das war mein großes Glück, denn als ich die Berufung an die Hochschule für Musik Hanns Eisler bekam, auf die Professur für Kontrabass, das erste, bevor ich überhaupt nur ja sagen konnte, was die sagten, war ‚Ihr Diplom bitte‘. Hätte ich das nicht gemacht, wäre mein ganzes Leben anders verlaufen."

Beide Söhne wurden Dirigenten

Ihre beiden Söhne sind mittlerweile selber prominente Dirigenten. Sie pflegen wie ihre Eltern das musikalische Erbe von Dimitri Schostakowitsch, der im Haus der Familie in Pankow ebenso Gast gewesen ist wie David Oistrach und zahlreiche weitere berühmte Komponisten, Musiker und Dirigenten.

"Ich weiß von Ärzten, dass Musik sich auf den Mutterleib überträgt in der Schwangerschaft. Und in diesen Jahren, als die beiden Söhne geboren wurden, haben wir die Schostakowitsch-Symphonien aufgenommen. Und ich denke mir, da ist irgendwas rübergekommen."

Mit ihren 80 Jahren schleppt Barbara Sanderling zwar keinen Kontrabass mehr durch die Gegend, geht aber selber noch regelmäßig und mit großem Vergnügen zu Konzerten, nicht nur zu denen der eigenen Familie.

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