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Fazit / Archiv | Beitrag vom 16.01.2020

Bangtan BoysEine K-Pop-Band finanziert Performance-Kunst in Berlin

Stephanie Rosenthal im Gespräch mit Marietta Schwarz

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Die siebenköpfige südkoreanische Boygroup BTS steht bei den Mnet Asian Music Awards in Hong Kong auf der Bühne (dpa / picutre alliance / Imaginechina)
Die südkoreanische Boygroup BTS ist bei Jugendlichen weltweit beliebt - jetzt will sie auch in Berlin zeitgenössische Kunst fördern. (dpa / picutre alliance / Imaginechina)

Der Martin-Gropius-Bau in Berlin zeigt die Performance-Reihe "Rituals of Care" bei freiem Eintritt - dank der Unterstützung der koreanischen Boygroup "Bangtan Boys". Stephanie Rosenthal, Direktorin des Gropius-Baus, sieht in der Kooperation nur Vorteile.

Mit Millionen junger Fans weltweit gehören die Bangtan Boys oder BTS zu den beliebtesten südkoreanischen Boygroups der K-Pop-Szene. Jetzt will sie Förderer zeitgenössischer Kunst werden und unterstützt finanziell Projekte in Buenos Aures, New York und auch in Berlin. Das Projekt solle Vielfalt fördern und der Welt etwas von der positiven Botschaft zurückgeben, die die Band selbst erfahren habe. Unter den geförderten Projekten ist das Tanzprojekt Rituals of Care, das im Berliner Martin-Gropius-Bau zu sehen ist.

Ohne Unterstützung wäre "Rituals of Care" zu teuer

Für die Direktorin des Gropius-Baus, Stephanie Rosenthal, hat die Partnerschaft des renommierten öffentlichen Museums mit den Popkünstlern große Vorteile. Diese Performance-Reihe hätte sie ohne die finanzielle Unterstützung nie realisieren können, sagte Rosenthal. "Es ist ein Geschenk, dieses Projekt machen zu dürfen, was uns jetzt ermöglicht, dass Besucher für die nächsten drei Wochen frei Performances sehen können - von Künstlerinnen, die bahnbrechend sind."

Stephanie Rosenthal, die Direktorin des Martin-Gropius-Baus, steht im Lichthof der Einrichtung (dpa / picture alliance / Jens Kalaene)Durch BTS als Sponsoren für die Tanzperformance würde auch ein völlig anderes Publikum in der Gropius kommen, sagt Gropius-Bau-Direktorin Stephanie Rosenthal. (dpa / picture alliance / Jens Kalaene)

Normalerweise sei es immer schwierig, die richtige Balance zwischen finanziellem Aufwand und bezahlbaren Eintrittspreisen zu finden. "Dann wird das immer so eine Frage: 'Wen erreichen wir eigentlich, wenn wir jetzt die Tickets für 100 Euro verkaufen?'"

Zweites Ziel: Neues Publikum anziehen

Rosenthal erhofft sich noch einen weiteren Effekt von der Kooperation mit der K-Pop-Band: Besucher anzuziehen, die normalerweise nicht in den Gropius-Bau kommen. "Mit BTS erreichen wir ein Publikum, das sehr viel jünger ist. Und auch ein Publikum, dass sich nicht so zwingend für Kunst oder zeitgenössische Kunst und auch sehr kritische oder experimentelle Kunst interessiert."

An dem Konzept selber habe die Band oder deren Management aber nicht mitgewirkt, sagt Rosenthal. Sie habe die Reihe schon länger geplant, als sie von der Band angesprochen worden sei, ob sich das Museum an dem von den Bangtan Boys geförderten internationalen Projekt beteiligen wolle.

Das Museum will mit "Rituals of Care" viele Sichtweisen zeigen: Indigene Perspektiven sollen auf die Bühne kommen genauso wie queere Re-Interpretationen. Dabei sei auch immer die Frage wichtig gewesen, welchen Teil der Geschichte der Gropius-Bau und dieser Ort in sich trage, sagt Rosenthal. "Wie viel 'Heilung' ist auch notwendig, wie kann man mit Performance-Künstlern mit unterschiedlichen Hintergründen diese Thematik angehen?" Das Thema nach Fürsorge ("Care") und dem Umgang mit der Welt beschäftige aktuell viele Künstler.

(mle)

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