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Weltzeit / Archiv | Beitrag vom 02.06.2014

BangladeschGiftige Brunnen

Über arsenverseuchtes Trinkwasser

Von Thomas Kruchem

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Viele Brunnen in Bangladesch sind mit dem geruchs- und geschmacksneutralen Gift Arsen verseucht.   (dpa picture alliance)
Viele Brunnen in Bangladesch sind mit dem geruchs- und geschmacksneutralen Gift Arsen verseucht. (dpa picture alliance)

Jahrhundertelang hatte die ländliche Bevölkerung in Bangladesch verunreinigtes Wasser aus Tümpeln und Teichen getrunken. In den 70er-Jahren wurden dann neue Brunnen gebaut, die die Versorgung der Menschen mit sauberem Grundwasser sicherstellen sollten. Was nicht bekannt war: Das Grundwasser war durch natürliches Arsen kontaminiert. Den Menschen ging es nun noch schlechter, erst Ende der 90er Jahre wurden die mit Arsen verseuchten Brunnen gekennzeichnet. Doch zu diesem Zeitpunkt war es bereits zu spät.

"Seit fünf Jahren wird die Haut auf meinen Handflächen und Fußsohlen immer härter und rissiger. Sie brennt und juckt; außerdem tut mein Rücken weh, und ich werde immer schwächer. Meine größte Sorge aber ist, dass auch bei Abdu, meinem Sohn, die Krankheit immer schlimmer wird. Bald kann er wohl gar nicht mehr arbeiten. Wovon sollen wir dann leben?"

Halima Begum, eine alte Frau in orange-rot geblümtem Sari, ihre Schwester, der zornig dreinblickende Abu Jafar; insgesamt ein Dutzend Menschen sitzen an einem langen Tisch und zeigen ihre Hände: verwüstete Handflächen voll wuchernder Hornhaut und wunder Risse. Zwei Männer haben ihre Oberkörper entblößt, sie sind bedeckt von schwarzen Flecken.

Batíkura, ein Dorf im Nordosten von Bangladesch, nahe der Großstadt Mymensingh. Zwischen strohbedeckten Bambushütten spielen kleine Kinder; etwas größere blicken nachdenklich auf die bizarre Szene.

Heute Morgen, ab fünf Uhr 23, haben die Muezzine zum Frühgebet gerufen. Wie in Zeitlupe tauchte die graue Stadt mit ihren blau-grünen Moscheen aus der Dämmerung auf; am Horizont zeichneten sich, dicht an dicht, Dörfer ab. – Bangladesch, gelegen im Delta von Ganges und Brahmaputra, ist zweimal so groß wie Bayern; aber es hat doppelt so viele Einwohner wie Deutschland: 160 Millionen.

Und schon bald nach dem Frühgebet entfaltet sich ein unbeschreibliches Gewusel – aus Fahrrad- und Motorradrikschas; aus Ochsenkarren, zerbeulten Bussen und Lastwagen. Millionen Schulkinder in grün-weißen oder blau-roten Uniformen schlängeln sich entlang des tosenden Verkehrs, während ihre Eltern, gebückt im Wasser der Reisfelder, ihr Tagewerk beginnen.

Zuvor wird gebetet – zu Allah, der den Menschen des armen Bangladesch dabei geholfen hat, sich – auf den wohl fruchtbarsten Böden der Erde – mit Reis selbst zu versorgen, was vor 30 Jahren niemand für möglich hielt.

Arsen kommt überall vor

Andererseits ist Bangladesch das Land der Naturkatastrophen. Immer wieder schlagen Zyklone, Wirbelstürme, Schneisen der Zerstörung; immer wieder überflutet Monsunregen das Land; und wenn es mit dem Klimawandel so weitergeht, werden große Teile Bangladeschs im Meer versinken. Doch damit nicht genug. Zu allem Überfluss hat die Natur die Bewohner mit der Geißel eines heimtückischen Gifts geschlagen: Arsen.

Das reaktionsfreudige, geruch- und geschmacklose Halbmetall Arsen kommt als Spurenelement überall vor – im Gestein, in Pflanzen und Tieren; in unterschiedlichsten chemischen Formen.

Das meiste Wissen über Arsen findet der Besucher in Dhaka, im "Internationalen Zentrum für Durchfallforschung Bangladesch", Ein weitläufiger Gebäudekomplex – ein Krankenhaus für Infektionskrankheiten und das vielleicht angesehenste medizinische Forschungsinstitut Südasiens – mit über tausend Wissenschaftlern. Unter ihnen der weißbärtige Internist Professor Mohammed Yunus, auf dessen Schreibtisch penible Ordnung herrscht. Die gefährlichste Form des Arsens ist das wasserlösliche Arsenit, sagt Yunus. Arsenit...

"...ist ein Zellgift. Es reagiert mit bestimmten Proteinen im Körper und bringt so den Zellstoffwechsel durcheinander. In der Folge steigt das Risiko für Infektionen, Kreislauferkrankungen und vor allem Krebs. Außerdem kommt es zu Schädigungen der Haut: Bei der so genannten Keratose bildet sich eine harte und rissige Hornschicht auf Handflächen und Fußsohlen; die so genannte Melanose manifestiert sich in schwarzen Flecken, einer Vorstufe von Hautkrebs."

In Bangladesch hat Arsenit eine der größten Massenvergiftungen der Menschheitsgeschichte heraufbeschworen. Noch vor 40 Jahren tranken die Menschen hier aus Tümpeln, in denen zugleich Kühe und Wasserbüffel badeten. Viele starben an Durchfallerkrankungen – bis Anfang der 70er Jahre das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen UNICEF die Menschen aufforderte, Bohrbrunnen anzulegen und daraus zu trinken.

Dhaka, die Hauptstadt von Bangladesh. Vor allem die Landbevölkerung ist vom verschmutzten Trinkwasser betroffen.  (picture-alliance / dpa / Othmerding)Dhaka, die Hauptstadt von Bangladesh. Vor allem die Landbevölkerung ist vom verschmutzten Trinkwasser betroffen. (picture-alliance / dpa / Othmerding)Ende der 90er Jahre jedoch stellte man fest, dass 30 Prozent der damals schon zehn Millionen Bohrbrunnen stark arsenbelastet waren – manche mit Arsen-Konzentrationen von 14.000 Mikrogramm pro Liter Wasser. Das ist das 1.400-fache des Grenzwerts der Weltgesundheitsorganisation. Über 40 Millionen Bangladeschis tranken derart vergiftetes Wasser. Die Frage, warum es so viel Arsen im Grundwasser von Bangladesch gibt, beantwortet der Dhakaer Hydrogeologe Professor Kazi Matin kurz und bündig.

"Das Arsen in unserem Wasser ist natürlichen Ursprungs. Es ist in Sedimenten enthalten, die zahlreiche Flüsse aus dem Himalaya zu uns getragen haben. Im Holozän, in den jüngsten 10.000 Jahren der Erdgeschichte, haben sich Billionen Tonnen arsenhaltiger Sedimente in Bangladesch abgelagert. Hier haben sich die Sedimente mit abgestorbenen Pflanzen vermischt."

Leider sei das Gesundheitssystem Bangladeschs kategorisch auf die kostengünstige Behandlung akuter Erkrankungen ausgerichtet, meint Professor Yunus.

"Die meisten Arsenopfer sterben, ohne je einen Arzt gesehen zu haben. Sie haben keinen Zugang zu echter Gesundheitsversorgung; und sie haben erst recht kein Geld für die Behandlung von Krebs – die auch in Bangladesch sehr teuer ist. Ja, viele Menschen hier sterben an Krebs, ohne dass sich jemand um sie kümmert. Und im Endstadium sind die Schmerzen absolut unerträglich. Man kann sich diese Schmerzen überhaupt nicht vorstellen."

Hinzu kommt die Angst von Nachbarn und Verwandten vor der Erkrankung des Arsenopfers.

Das Problem sollte bis 2005 gelöst sein

"Die Leute glauben, die Erkrankung sei ansteckend und die Betroffenen würden sie an ihre Nachkommen weitergeben. Deshalb solle man mit Erkrankten besser keine sozialen Beziehungen unterhalten. Dieses Stigma ist tief verwurzelt in unserer Gesellschaft."

Angesichts der gewaltigen Dimension der Arsen-Bedrohung beschlossen Bangladeschs Regierung und internationale Hilfsorganisationen Ende des vergangenen Jahrtausends, dagegen anzugehen. 2002 sagte UNICEF-Funktionär Jan-Willem Rosenboom:

"Unsere auf vier Füßen stehende Strategie beinhaltet zunächst einmal eine breit angelegte Aufklärungskampagne unter Einsatz aller Kommunikationsmittel: Zeitungen, Radio und Fernsehen; Videos und Poster; Imame, Schullehrer und lokale Autoritäten. – Zweitens müssen sämtliche Tiefbrunnen getestet werden: öffentliche und private; Brunnen, die der Bewässerung dienen, und solche, die Trinkwasser liefern. Drittens müssen an Arsenikose erkrankte Menschen identifiziert und versorgt werden. Viertens müssen wir den Menschen Möglichkeiten eröffnen, künftig einwandfreies Wasser zu trinken: durch Techniken, die Arsen aus ihrem Wasser entfernen, oder durch eine alternative Versorgung – mit Regenwasser zum Beispiel, mit behandeltem Oberflächenwasser oder mit Wasser aus giftfreien Grundwasserleitern."

Das Geld für die groß angelegte Anti-Arsen-Kampagne, 35 Millionen Dollar, stellte die Weltbank bereit – mit dem Ziel, das Problem bis 2005 zu lösen. "Leider scheiterten wir kläglich", erinnert sich der Arzt Mahfuzar Rahman. Rahman weiß noch, wie seinerzeit alle möglichen kompetenten und weniger kompetenten Organisationen Kisten voller Test-Kits bekamen, mit denen sie fünf Millionen Brunnen auf Arsen testen sollten. Arsenfreie Brunnen sollten sie mit grüner, arsenbelastete mit roter Farbe anstreichen.

"Wir haben Millionen Bohrbrunnen mit roter oder grüner Farbe markiert. Das Problem: Die Farbe hielt in der Regel höchstens sechs Monate. Deshalb weiß heute kaum noch jemand, welche Brunnen genau mit Arsen kontaminiert sind und welche nicht. Kurz, es wäre sinnvoller gewesen, belastete Brunnen zu versiegeln oder mit Plaketten aus Metall zu markieren. Stattdessen haben wir Millionen Dollar ohne großen Nutzen ausgegeben."

Rahmans Kollege Mohammed Yunus zog derweil über die Dörfer und versuchte, den Menschen das Trinken aus Bohrbrunnen auszureden, das man ihnen noch kurz zuvor dringend empfohlen hatte.

"Wir haben den Menschen zahlreiche Optionen angeboten: Das Auffangen von Regenwasser, Sandfilter, Haushaltsfilter, alles Mögliche. Aber nichts funktionierte wirklich. Solche Anlagen nämlich sind mit Arbeit verbunden; sie müssen regelmäßig gereinigt werden – was die Leute einfach nicht tun."

Als entscheidende Hürde erwies sich, dass die Kampagne die Menschen nicht überzeugte. Diese hatten, gedrängt von Bürokraten und Entwicklungshelfern, viel Geld in Brunnen investiert, die augenscheinlich einwandfreies Wasser lieferten. Und nun sollten sie zurückzukehren zur Mühsal mit schmutzigem Oberflächenwasser, von dem ihre Kinder Durchfall bekamen?

Das Bohren von Tiefbrunnen ist problematisch 

Erfolg hatten UNICEF und seine Partner allein mit der Anlage von einigen tausend Tiefbrunnen. Solche Brunnen, die über hundert Meter tief reichen, beziehen ihr Wasser aus geologisch alten, arsenfreien Sedimenten. Sie gelten als sicher und werden von der Bevölkerung akzeptiert. Dennoch ist das Bohren von Tiefbrunnen problematisch: Erstens kosten sie ein Vielfaches konventioneller Tiefbrunnen; zweitens erschließen sie so genanntes fossiles Grundwasser, das sich nicht erneuert und deshalb als eiserne Reserve gilt. Ein Fünftel der ländlichen Bevölkerung in Bangladesch trinkt heute aus Tiefbrunnen. Dem Geologen Professor Kazi Matin bereitet bereits das Kopfzerbrechen.

"Da liegt in der Tat ein Risiko. Bislang sind unsere tief liegenden und arsenfreien Grundwasserleiter getrennt von darüber liegenden arsenbelasteten Grundwasserleitern. Mit dem Bohren von Tiefbrunnen aber destabilisieren wir dieses System – insbesondere, wenn wir, was immer häufiger geschieht, Tiefbrunnen mit großem Durchmesser bohren. Da dringt dann viel Arsenwasser in tief liegende Grundwasserleiter ein und kontaminiert sie."

2004 waren die 35 Millionen Dollar Arsengeld der Weltbank verbraucht und stillschweigend die groß angelegte Kampagne gegen das Arsen eingestellt. Diese Kampagne sei fast wirkungslos verpufft, sagt Professor Yunus. Die schleichende Vergiftung von zig Millionen Bangladeschis mit Arsen aber nehme inzwischen geradezu epidemische Ausmaße an. Seit 2004 habe sich die Zahl der Bohrbrunnen um acht Millionen erhöht; nur wenige der neuen Brunnen seien getestet worden und...

"In Bangladesch trinken bis heute 30 Millionen Menschen Wasser, das zu stark arsenbelastet ist. Irgendwann werden alle diese Menschen unter den gesundheitlichen Folgen leiden."

Bislang 80 Millionen Bangladeschis waren oder sind dauerhaft hohen Dosen von Arsen ausgesetzt, schätzt die renommierte britische Medizinzeitschrift "Lancet". Hunderttausende dämmern schon heute, unbeachtet in der Ecke einer Hütte, einem einsamen und qualvollen Krebstod entgegen.

Immerhin kümmert sich bei UNICEF in Dhaka der Armenier Hrachya Sargsyan um die Arsen-Problematik – mit bescheidenerer Perspektive als sein Vorgänger Rosenboom vor zwölf Jahren. Sargsyan strebt an, dass zumindest Schulbrunnen regelmäßig getestet werden; er wünscht sich auch mobile Gesundheitsstationen, die von Dorf zu Dorf fahren, um die rapide wachsende Zahl von Arsenkranken zu betreuen. All das allerdings kostet Geld.

Die Ärzte schickten die Kranken heim

"Im Frühjahr 2010 hatten wir in Washington ein Treffen auf höchster Ebene, bei dem die Regierung Bangladeschs zusagte, einen Fonds von 200 Millionen Dollar für die Lösung des Arsen-Problems bereitzustellen. Wir waren damals sehr optimistisch, dass wir damit gemeinsam das Problem relativ schnell lösen könnten. Leider aber ist dieser Fonds nie bereitgestellt worden."

Eine Stellungnahme der Regierung hierzu war nicht zu erhalten. E-Mail-Anfragen beim Gesundheitsministerium blieben unbeantwortet.

In Batíkura, jenem eingangs erwähnten Dorf im Nordosten von Bangladesch, beginnt es zu dämmern. Abu Jafar, der Sprecher der Arsenopfer hier, hat seine wunden Hände auf den Tisch gelegt.

"Bis vor wenigen Jahren wussten wir praktisch nichts über das Arsenproblem in unserem Trinkwasser. Immer mehr Leute im Dorf wurden chronisch krank im Laufe der Zeit und wir machten uns Sorgen. Was aber sollten wir tun? – Wenn wir zur Gesundheitsstation des Upazilla, des Landkreises, gingen, sagten die Ärzte dort, wir sollten wieder heimgehen. Sie könnten nichts für uns tun."

Gut ernähren sollten wir uns, ereifert sich der alte Ahmed Khan. Das helfe dem Körper, Arsen abzubauen.

"Die Ärzte haben gut reden. Wie, bitte, soll ich Fisch, Fleisch und Eier, wie soll ich Milch und Obst bezahlen? Das bisschen Geld, das ich mit Hilfsarbeiten verdiene, reicht gerade für etwas Bruchreis mit Chili zwei- oder dreimal am Tag; ab und zu auch für ein wenig Gemüse oder Dal, Linsen. Und wenn ich mit diesen kaputten Händen gar nicht mehr arbeiten kann, wird es wohl rasch zu Ende gehen mit mir."

Zum Glück, sagt Abu Jafar ein, kümmere sich seit 2009 Bangladeschs Caritas um die Arsenopfer von Batíkura. 

"Die Leute von der Caritas schickten 70 offensichtlich Kranke zu einem Arzt. Der verschrieb uns immerhin Salben, Hustenmittel und Antibiotika. Mithilfe der Caritas formten wir dann ein Arsen-Komitee. Das organisierte Versammlungen, bei denen die Leute aufgeklärt wurden. Außerdem versorgte die Caritas alle Arsenkranken des Dorfes 18 Monate lang mit wertvollen Nahrungsmitteln – mit Orangen und Äpfeln zum Beispiel, mit Weintrauben und Hühnerleber."

Die katholische Caritas zählt zu den größten lokalen Hilfsorganisationen in Bangladesch. Als eine von wenigen Organisationen kämpft sie seit den 90er Jahren gegen die Arsenpest. Politisch übt die Caritas-Spitze Druck auf die Regierung aus, sich endlich wieder dem Arsen-Problem zu widmen.

Kinder mit angeklebten Bärten treten auf

"Die Caritas hat mit uns Arsen-Komitees gegründet", berichtet Matias Nokre, der das Komitee in Batíkura leitet. Der noch recht junge Bauer deutet auf einen Tiefbrunnen, aus dem einige Kinder Wasser schöpfen.

"In den zwei Dörfern hier mit ihren 300 Familien haben wir 198 Brunnen. 105 davon hat die Caritas getestet und in 55, also über der Hälfte, eine extrem hohe Arsenbelastung festgestellt. Die Caritas legte dann diesen großen Tiefbrunnen an, der seitdem ständig in Betrieb ist, aber längst nicht für alle reicht. Viele von uns müssen weite Wege gehen, um an arsenfreies Wasser zu kommen. Und dann müssen sie noch den Eigentümer des betreffenden Brunnens bitten, dort überhaupt Wasser schöpfen zu dürfen."

Das ist nicht selbstverständlich in Bangladesch mit seinen tiefverwurzelten Vorurteilen gegenüber Arsenkranken. Und so inszeniert das Arsen-Komitee auch an diesem Abend Theatersketche in der Tradition des "Jatra", des bengalischen Volkstheaters.

Kinder mit angeklebten Bärten propagieren laut und gestenreich verantwortungsbewussten Umgang mit der Arsen-Herausforderung. Etwas abseits sitzt auf einem Baumstumpf ein Mann mit großen traurigen Augen – Abdu Sattar, der 35-jährige Sohn der alten Halima Begum. Vorsichtig tupft er eine braune Tinktur auf seine geschwollenen und eiternden Füße. Abdu Sattar leidet unter starken Schmerzen und kann kaum mehr laufen. Viele seiner Tage verbringt er auf diesem Baumstumpf – und träumt von einer besseren Zukunft.

"So gern würde ich heiraten. Aber die Leute wollen mich nicht als Schwiegersohn. Ich könne nicht arbeiten, sagen sie. Ich hätte diese Krankheit. Wie solle ich da eine Familie unterhalten? – Überhaupt wollen die Leute möglichst nichts mit mir zu tun haben. Und wenn mir doch mal jemand eine Arbeit gibt, bezahlt er mich schlechter als andere Arbeiter. – Wann werde ich endlich wieder gesund? – frage ich mich Nacht für Nacht. Dann kann ich vielleicht heiraten und ein gutes Leben führen."

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