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Lesart | Beitrag vom 19.11.2020

Band "Welt der Renaissance"Von Hautkrankheiten und Heiratsplänen

Tobias Roth im Gespräch mit Frank Meyer

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Abbildung des Gemäldes La Primavera, von Sandro Botticelli, konserviert in der Uffizien-Galerie in Florenz. (getty images / Corbis / Alinari Archives / Sandro Botticelli)
Sandro Botticelli mit "La Primavera": Der Klassiker des Renaissancemalers hängt in der Uffizien-Galerie in Florenz. (getty images / Corbis / Alinari Archives / Sandro Botticelli)

Der Band "Welt der Renaissance" bietet einen Einblick in die legendäre Epoche anhand von Originaltexten. Viele italienische Autoren und Autorinnen aus der Zeit seien noch nie übersetzt worden, sagt Herausgeber Tobias Roth.

In diesem Herbst ist mit "Welt der Renaissance" ein großes, schweres und vor allem ein sehr schönes Buch erschienen. Darin werden Texte aus der italienischen Renaissance grafisch opulent in Szene gesetzt.

"Die Texte dieser Zeit sind sehr schwer zugänglich", sagt Herausgeber Tobias Roth. Bekanntes sei seit langer Zeit nicht mehr neu übersetzt und etliches noch überhaupt nie ins Deutsche übertragen worden. Hinzu komme, dass zweisprachig geschrieben wurde: "Es gibt die italienischen und die lateinischen Texte."

Angelo Polizianos Gedicht "Sylvia in scabiem" über die Hautkrankheit Krätze ist für Roth ein interessantes Beispiel dafür, wie in Italien der Renaissance eine bei Menschen oft Ekel auslösende Plage in ein faszinierendes ästhetisches Gebilde gegossen wurde. Die in Hexametern verfasste Dichtung wuchert wie die Krankheit, um die es geht.

Einblicke in das Leben mit der Pest

Es gibt in dem Band erotische Lyrik, es geht um die Würde des Menschen, die damals formuliert wird, Heiratspläne von Frauen oder ein Festmahl zur Amtseinführung eines Papstes: "Ich habe schon versucht, das Chaos zu wahren", kommentiert Roth die Vielfalt. Der Einfachheit halber hat er die Werke der 68 Autoren und Autorinnen chronologisch sortiert.

Besonders eindrücklich ist auch "Die Pest" von Baldassarre Bonaiuti über die Ereignisse in Florenz im Jahr 1348. Damals verlor die Stadt in einem Sommer ein Drittel ihrer Einwohner. Bestattet wurden diese, wie man eine Lasagne zubereitet, schreibt Bonaiuti. Nur etwas Erde wurde auf den Leichnam gestreut, auf die dann der nächste Tote gelegt wurde.

(huc)

Tobias Roth (Hrsg.): "Welt der Renaissance"
Galiani Berlin, Berlin 2020
640 Seiten, 89 Euro, als E-Book 39,99 Euro

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