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Ortszeit / Archiv | Beitrag vom 10.06.2013

Bahn verspätet sich wegen des Hochwassers

Fernreisende müssen in diesen Tagen wieder Geduld haben

Von Daniela Siebert

Die Eisenbahnbrücke im Landkreis Stendal wurde wegen Gefahr für die Brückenpfeiler gesperrt.  (picture alliance / dpa / Matthias Strauß)
Die Eisenbahnbrücke im Landkreis Stendal wurde wegen Gefahr für die Brückenpfeiler gesperrt. (picture alliance / dpa / Matthias Strauß)

Die Berliner sind vom Hochwasser nicht direkt betroffen - doch wer zur Zeit von Berlin aus in den Rest der Republik per Zug reisen will, dem wird die katastrophale Lage in anderen Landesteilen schnell bewusst. Denn die Züge kommen wegen des Hochwassers oft verspätet. Manchmal mehrere Stunden.

Berlin Hauptbahnhof. Die Fernbahngleise 13 und 14. Kleine Kostprobe von der Anzeigetafel Düsseldorf 90 Minuten später, Köln 90 Minuten später, Bonn 60 Minuten später, Koblenz 60 Minuten später. Auf dem Bahnsteig stehen zahlreiche Reisende neben ihrem Gepäck und schauen wahlweise erschöpft, genervt oder gelangweilt. Alle wollen sie längst weg sein.

"Nach Köln. Seit einer guten Stunde wäre eigentlich der Zug schon weg und jetzt haben wir nochmal dreißig Minuten Nachschlag und noch Umweg über Stendal."
"Von wo nach wo wollen Sie heute fahren?"
"Von Berlin nach Göttingen, ich hab rund drei, dreieinhalb Stunden gerechnet und denke jetzt sechs bis sieben Stunden, irgendwann spätabends werde ich ankommen."
"Nach Köln will ich, ich steh schon seit einer Stunde hier eigentlich. Also ich habe gerade gesehen, dass stand zwei Stunden Verspätung, nachdem da 55 stand, das fand ich schon krass, aber rein psychologisch machen 90 Minuten irgendwie weniger aus als zwei Stunden bei mir."

Dieser Mann mit vollgestopftem Reiserucksack ist schon eine Etage weiter: er steht unten im Bahnhofsfoyer in einer langen Schlange am Auskunftsschalter. Er ist heute morgen in Danzig aufgebrochen und will weiter nach Brüssel:

"Also normalerweise geht das in einem Tag und ich hoffe, dass ich es jetzt noch schaffe. Mein Anschlusszug hat Verspätung und ich muss jetzt sehen, ob ich noch in Brüssel kommen kann überhaupt. Der nächste Zug nach Köln ist jetzt zwei Stunden verspätet und der übernächste ist auch eine Stunde verspätet, keine Ahnung, ob ich das noch schaffe."

Ursache für die vielen Verspätungen ist vor allem eine gesperrte Eisenbahnbrücke über die Elbe. Sie steht bei Schönhausen zwischen Stendal und Berlin. Die Brücke selbst ist nicht beschädigt, doch in der Nähe ist ein Deich gebrochen, deshalb sei die Brücke vorsorglich gesperrt worden erklärt Bahnsprecher Jürgen Kornmann:

"Das bedeutet, dass wir alle Züge umleiten müssen zwischen Hannover und Berlin über Wittenberge und das ist eben eine erheblich längere Strecke und damit verlängert sich auch die Fahrzeit zwischen ein und bis zu drei Stunden."

Zu den Auswirkungen gehöre auch, das beispielsweise Züge aus Amsterdam in Hannover enden und die Fahrgäste umsteigen müssen, weil nicht mehr alle Linien bis Berlin durchgehen. Auch manche Bahnhöfe lassen einige ICE Züge durch die veränderte Streckenführung nun aus. Etwa Kassel, Göttingen und Wolfsburg. Diese Ziele könnten aber mit anderen Zügen erreicht werden. Die Bahn bietet Reisenden diverse Kulanzregelungen an, etwa Verbindungen umzubuchen oder kostenlos zu stornieren, aktuelle Informationen dazu – wie auch über Verspätungen und Umleitungen – bekommen Passagiere auch unter einer kostenlosen Hotline mit der Nummer 08000 996633.

Alternativ können Fernreisende derzeit auch gut aufs Auto umsteigen, denn die Autobahnen sind fast gar nicht von den Auswirkungen der Hochwasserkatastrophe betroffen. Lediglich die A3 ist zwischen Straubing und Garham/Vilshofen weiterhin gesperrt. Insgesamt entspannt sich die Lage im Süden der Republik wieder vielerorts - auch bei der Bahn. Jürgen Kornmann:

"Auf den Strecken im Süden normalisiert sich die Betriebslage wieder etwas, beispielsweise können wir die Fernverkehrszüge von München nach Salzburg jetzt wieder fahrplanmäßig abdecken und an der Stelle wieder für die Fahrgäste den normalen Fahrweg zur Verfügung stellen."

Für die Berlin-Reisenden dürfte die Lage aber vorerst kompliziert bleiben. Diese Dame sitzt auf ihrem Koffer auf einem Zwischendeck des Hauptbahnhofs. Sie will nach Hause nach Amsterdam und hofft nun auf Plan B:

"Es kam nur eine Durchsage über die Sprechanlage, dass wegen Unwetter der Zug nicht angekommen ist und dass man Ersatzzug – dann sind alle hoch zum Ersatzzug und der ist auch noch gar nicht da, der hat auch eine Stunde Verspätung und jetzt ist halt Abwarten. Ich warte jetzt erst mal auf einen Anruf von meinem Freund und gucke ob er einen Flug kriegt und wenn ich jetzt einen Flug kriege, dann werde ich das Zugticket stornieren und dann fliegen."

Dieser Beitrag wurde am 10. Juni 2013 um 17.22 Uhr in Deutschlandradio Kultur gesendet.

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