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Studio 9 | Beitrag vom 17.05.2018

Bahn-Start-up iokiAutonom auf dem Land unterwegs

Von Brigitte Scholtes

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22.03.2018, Berlin: Der autonom fahrende Bus ioki des französischen Herstellers Easy Mile steht vor dem Gasometer. Der Bus ohne Fahrer fährt im Auftrag der DB und verbindet im bayerischen Bad Birnbach drei Haltestellen im Ortszentrum mit der Therme des Kurorts  (dpa / picture alliance / Soeren Stache)
Autonom unterwegs: Der Bus ioki im Auftrag der Deutschen Bahn - hier auf dem Testgelände rund ums Berliner Gasometer (dpa / picture alliance / Soeren Stache)

Mit ioki können die Nutzer sich auf Bestellung von einem autonomen Bus herumfahren lassen - und nicht nur in der Innenstadt. Denn das Start-Up der Deutschen Bahn nimmt explizit auch die ländlichen Regionen ins Visier.

"Wir sind von ioki und wir buchen jetzt hier unser On-Demand-Shuttle und begeben uns damit zu unserem Hauptquartier in der Nähe der Alten Oper. Unsere Shuttles kommen on demand, das heißt, wir buchen die und sehen gleich, wie das Fahrzeug auf uns zufährt, wie viele Minuten es braucht und gleich geht’s los."

Michael Barillère-Scholz ist Geschäftsführer von ioki, eines Start-Ups der Deutschen Bahn, das Möglichkeiten der "smarten Mobilität" erkunden soll. Er will Martin Seiler, dem neuen Personalvorstand der Deutschen Bahn, den Fahrdienst demonstrieren auf einer Fahrt vom Bahnhofsviertel in Frankfurt aus:

"Da gibt man ein 'An der Welle 3', da sind wir. Wir sagen, wie viele Plätze wir brauchen, wir brauchen fünf Plätze, keinen Rollstuhl, dann suchen wir hier nach einem passenden Fahrer, und da haben wir auch schon einen gefunden und buchen ihn und dann geht’s hoffentlich gleich los."

Ähnlich wie man das von Taxi-Apps oder vom Fahrdienst Uber kennt, bucht man auf dem Smartphone ein Fahrzeug, das einen ans Ziel bringen soll. Allerdings gibt es große Unterschiede zwischen ioki und Uber, erklärt Barillère-Scholz:

"Wir arbeiten mit starken Partnern, mit Verkehrsbetrieben und Kommunen und Gemeinden zusammen. Und bei uns kommen auch immer Fahrer zum Einsatz, die fest angestellt sind, die entsprechend nicht sich einfach nur auf eine Plattform einloggen und dann Verkehre durchführen, wie Uber das macht. Wir arbeiten auch sehr stark mit ÖV zusammen und integrieren das auch in den öffentlichen Personenverkehr."

Verkehr auf dem Land effizienter gestalten

So arbeitet ioki unter anderem mit den Berliner Verkehrsbetrieben zusammen. Auf dem Euref-Campus, dem Stadtquartier für Energiewende in Schöneberg, fährt seit ein paar Wochen ein autonomer Bus auf Bestellung. In Frankfurt aber setzt das kleine Unternehmen noch auf Fahrer. Dort testen seit dem vergangenen November die Mitarbeiter der Deutschen Bahn diese neue Form des Fahrens, in dem möglichst mehrere Fahrgäste sich einen Shuttle teilen und zu ihren Zielen gebracht werden. 14 Fahrzeuge sind schon im Einsatz, die schon mehr als 10.000 Fahrten absolviert haben. Wenn das Pilotprojekt erfolgreich ist, sollen später auch die Kunden der Bahn diesen Dienst nutzen können. Warum allein in einem Auto oder Taxi fahren, wenn man sie auch gemeinsam auf Bestellung etwa zu einer S-Bahnstation oder einem Bahnhof bringen kann? Die Idee sei, den Autoverkehr auf der Straße zu verringern, sagt Barillère-Scholz:

"Wir glauben dran, dass man zum Beispiel in einer Stadt 70 bis 80 Prozent der Autos von der Straße bringen kann, wenn man so ein System flächendeckend zum Einsatz bringt. Aber allein 20 Prozent wären schon ein riesiger Schritt für Großstädte wie Frankfurt Hamburg oder München."

Aber ioki hat nicht nur die Städte im Blick, wo aktuell auch andere Anbieter Taxi-Alternativen testen – so wie etwa Volkswagen in Hannover oder Hamburg. Ioki will sich nicht auf Städte beschränken, erklärt dessen Geschäftsführer Michael Barillère-Scholz:

"Wir gucken auch sehr stark auf den ländlichen Raum. Wir sehen dort sehr, sehr viele ineffiziente Buslinien, wo ganz wenige Menschen diese Bussysteme nutzen, weil die manchmal nur einmal pro Stunde oder alle zwei Stunden fahren. Und mit so einem On-Demand-System kann man das für den Verkehrs-Anbieter deutlich effizienter betreiben, und die Kunden können dann auch innerhalb von 10 oder 15 Minuten abgeholt werden. Der ländliche Raum ist ganz klar auch unser Ziel, und in Bad Birnbach zeigen wir ja auch bereits, dass wir dort sogar autonom im ländlichen Raum unterwegs sind."

"Mischung zwischen Roller und kleinem wendigen Auto"

In dem bayerischen Kurort fährt nämlich ein autonomer Bus die Kurgäste – aber eben auch on demand. 8000 Fahrgäste haben diesen Dienst seit dem vergangenen Oktober schon genutzt. Weitere Projekte sind in Planung etwa am Flughafen Frankfurt: Dort hätten dann nachts, wenn der Linienverkehr nur selten oder gar nicht fährt, die Mitarbeiter eine bequeme Möglichkeit, zum Flughafen zu kommen – oder auch Fluggäste, die in den frühen Morgenstunden abfliegen. Denn ein Vorteil von ioki soll auch der Preis sein:

"Das sind ganz individuellen Preismodelle, die wir gerade entwickeln, wenn wir jetzt an Hamburg denken, werden wir komplett in den ÖV, öffentlichen Verkehrstarif integriert sein. Das heißt, man kann da unseren Shuttleservice gemeinsam mit einer S-Bahn oder auch einem Bus nutzen. Und wir denken, dass sich das irgendwo zwischen öffentlichem Verkehr und Taxi einpendeln wird."

Deutsche-Bahn-Personalvorstand Martin Seiler hat seine Testfahrt mit einem vollelektrischen Tuk-Tuk gemacht und ist aus dem Bahnhofsviertel zur Alten Oper gefahren worden. Er zeigt sich sehr angetan von der Fahrt:

"Das war total klasse, das war so eine Mischung zwischen Roller und kleinem wendigen Auto. Und das war ein total gutes Gefühl, sich in einer Stadt zu bewegen und ist für große Innenstädte absolut gut geeignet."

Bis zum Jahresende sollen die Deutsche-Bahn-Mitarbeiter in Frankfurt weiter testen und Anregungen zu geben, damit dann irgendwann die Kunden den Dienst nutzen können.

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