Dienstag, 18.09.2018
 

Im Gespräch | Beitrag vom 11.09.2018

Axel Ranisch"Meine Filme sollen Mut machen"

Moderation: Katrin Heise

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Der Regisseur Axel Ranisch (dpa / picture alliance / Jens Büttner)
Axel Ranisch: Familie erdet mich (dpa / picture alliance / Jens Büttner)

Dick sein, schwul sein und im Plattenbau leben – alles kein Problem. Axel Ranisch gilt als einer der auffälligsten, originellsten und interessantesten deutschen Filmemacher. Einer, der lieber improvisiert, als Dialoge zu schreiben.

Dort, wo er geboren wurde, lebt der Filmemacher Axel Ranisch auch noch heute. Seine Eltern waren Leistungssportler in der DDR, er kam im Plattenbaubezirk Berlin-Lichtenberg auf die Welt. Dort wohnt Ranisch nun mit seinem Mann. Familie ist ein wichtiges Thema für den 35-Jährigen:

"Familie ist alles, was mich ausmacht, Familie erdet mich, wir haben eine ganz enge Beziehung. Ich habe neben meinem Vater vier sehr starke Frauen in meiner Familie: meine Mutter, meine Oma, meine beiden Schwestern. Das, was uns eint, ist, dass wir viel lachen und nicht nachtragend sind."

"Schreib' nur, worüber du Bescheid weißt"

Schon als Jugendlicher drehte er erste Kurzfilme – und das mehr aus Zufall. Denn eigentlich wollte er einen Theaterkurs besuchen, aber der war ausgebucht. Nach einer Ausbildung zum Medienpädagogen fand er dann seine wahre Bestimmung: Er wurde Filmregisseur und lernte das Handwerk bei Rosa von Praunheim, der ihm einbimste: "Schreib nur, worüber du Bescheid weißt."

Das tat Ranisch von nun an, er machte Filme wie "Dicke Mädchen" oder "Ich fühle mich Disco" – Werke, in denen Gefühle eine wichtige Rolle spielen: "Ich habe keine Angst vor Kitsch," sagt er. Seine Drehbücher enthalten in der Regel keine Dialoge, die werden erst am Set zusammen mit den Schauspielern improvisiert.

Für das "Tatort"-Publikum ist er zu experimentell

Der Regisseur und Produzent ist dafür, dass mehr Dicke, Schwule und dicke Schwule auf deutschen Leinwänden zu sehen sind, ohne dass das gleich problematisiert wird. "Meine Filme sollen Mut machen", betont er. "Deswegen erzähle ich auch tragische Geschichten, um zu zeigen, dass man die mit einem Augenzwinkern überleben kann, dass es immer eine Möglichkeit gibt, weiterzumachen."

Es gibt kaum etwas, das Ranisch nicht tut: Er inszeniert Opern und Theaterstücke, war als Schauspieler in einem "Tatort" zu sehen und hat selbst zwei "Tatort"-Filme gedreht. Die Kritik danach war allerdings heftig, das "Tatort"-Publikum fand seinen Stil zu experimentell.

Inzwischen hat er sich auch als Romanautor ausprobiert. "Nackt über Berlin" heißt Ranischs autobiographisch geprägtes Debüt. Ach ja, und musikalisch ist er auch. Er wäre auch gern - hätte es denn mit allem anderen nicht geklappt - Komponist geworden. Ranisch liebt Staus, weil er da in Ruhe laut Musik hören kann.

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