Dienstag, 28.01.2020
 

Tonart | Beitrag vom 30.05.2017

Aviv Geffen"In Israel kann man nicht einfach nette Popsongs schreiben"

Aviv Geffen im Gespräch mit Oliver Schwesig

Porträt des israelischen Pop/Rockstars Aviv Geffen und des britische Komponist Steven Wilson am Meer. (Hajo Müller)
Aviv Geffen und der britische Komponist Steven Wilson: Blackfield (Hajo Müller)

Der israelische Popmusiker Aviv Geffen ist zurzeit mit seiner Band "Blackfield" auf Deutschlandtour. Der Großneffe Mosche Dajans sieht sich auch als Friedensbotschafter. Dass er die Ermordung Jitzchak Rabins 1995 miterlebt hat, hat sein Leben geprägt.

Aviv Geffen stand nur wenige Meter entfernt, als Jitzchak Rabin 1995 nach einer Friedenskundgebung in Tel Aviv erschossen wurde. Geffen hatte kurz davor auf derselben Bühne wie Rabin gestanden und seine Songs gespielt. Geffen, Großneffe des israelischen Generals und Ministers Mosche Dajan, hat sich im Gegensatz zu seinem Onkel schon immer als Friedensbotschafter seines Landes verstanden, doch dieses Ereignis veränderte sein Leben radikal.

In Israel ist der 44-Jährige Idol einer Generation, die sich nach einem Leben in Frieden sehnt. Und Geffen versteht sich als ihr Sprecher:

"Meine Botschaft besteht vor allem darin, dass wir einen Friedensprozess brauchen, für einen echten Frieden, um den umzusetzen."

Berlin ist wie Tel Aviv

Wenn Geffen nun in Deutschland mit seiner Band Blackfield auf Tour ist, steht die Musik im Vordergrund. Doch als Israeli und als Jude in Deutschland aufzutreten und sein Israel zu repräsentieren, ist ihm wichtig. Israel sei ein tolles Land und Tel Aviv eine der offensten und liberalsten Städte der Welt. Und Berlin, sagt Geffen, erinnere ihn an Tel Aviv. Tatsächlich lebten viele seiner israelischen Freunde inzwischen in der deutschen Hauptstadt.

Der israelische Popsänger Aviv Geffen im Studio von Deutschlandfunk Kultur (Deutschlandradio/ Sandra Ketterer)Der israelische Popsänger Aviv Geffen im Studio von Deutschlandfunk Kultur (Deutschlandradio/ Sandra Ketterer)

Frustriert sieht sich der Friedenskämpfer angesichts fehlender Fortschritte in einer Befriedung des Nahost-Konflikts zwar nicht, aber in seiner Heimat kommt er von den politischen Verhältnissen nicht los:

"Wenn ich in Israel bin, dann sind diese ganzen politischen Themen einfach präsent. Und ich habe diese Sorge um unsere Zukunft."

Mit dem Idol zu arbeiten ist anstrengend

In der Band Blackfield spielt Aviv Geffen zusammen mit dem Briten Steven Wilson, der mit der Progressive-Rock-Band Porcupine Tree berühmt wurde. Das im Frühjahr erschienene neue Blackfield-Album "V" wurde von einem musikalischen Idol von Aviv Geffen produziert: Alan Parsons.

"Für mich persönlich war es auch ein bisschen anstrengend, mit Alan Parsons zu arbeiten. Er hat ja schon die Beatles und Pink Floyd produziert. Da habe ich bei meinen Songs immer gedacht: O Gott, ist das jetzt gut genug? Was hätte er bloß mit John Lennon gemacht?"

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