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Lesart | Beitrag vom 16.06.2018

Autorinnen über MutterrollenMami-Jobs und Bonuskinder

Moderation: Christian Rabhansl

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Eine Frau schiebt am 23.01.2015 einen Kinderwagen den Kronsberg in Hannover hinauf.  (dpa / picture alliance)
Für viele Frauen ist das Muttersein oft ein anstrengender "Mami-Job". (dpa / picture alliance)

Wie sich das Leben einer Frau durch die Mutterrolle verändert und welche Erfahrungen eine Stiefmutter macht - darüber sprechen wir mit den Autorinnen Antonia Baum und Barbara Tóth.

Mütter sind immer gut und haben einen sicheren Instinkt für das Wohl ihrer Kinder - Stiefmütter sind immer böse, kalt und hartherzig. Diese Klischees sind in der Köpfen der meisten Menschen fest verankert. Aber stimmen diese Bilder noch? Welche Erwartungen werden heute - in Zeiten von Patchworkfamilien - an Mütter gestellt, welche Erwartungen an Stiefmütter?

Wie sich das gesamte Leben verändert

Über diese Fragen diskutiert Moderator Christian Rabhansl mit seinen Gästen im Café Central International im Grillo-Theater in Essen. Auf dem Podium:

Antonia Baum, Schriftstellerin und Journalistin: In ihrem neuen Buch "Stillleben" setzt sie sich literarisch damit auseinander, wie sich als Mutter plötzlich ihr gesamtes Leben verändert hat und wie schnell sich "Frau" in der klassischen Mutterrolle wiederfindet. "Ein Kind - das sind dann halt einfach plötzlich verschärfte Bedingungen. Das ist dann plötzlich sehr existenziell", sagt die studierte Germanistin. Muttersein - "der Mami-Job" - bedeute vor allem Arbeit im Verborgenen, das Zusammenhalten der Familie: "Diese unsichtbare Arbeit ist seit jeher Arbeit der Frauen."

Barbara Tóth, österreichische Buchautorin und Journalistin: Ihr Buch "Stiefmütter. Leben mit Bonuskindern" befasst sich mit Patchworkfamilien und besonders der Rolle der Stiefmutter. Ihr Fazit: Mütter könnten viel von Stiefmüttern lernen. Dem stehe jedoch immer noch ein sehr traditionelles Bild vom Muttersein gegenüber, sagt Tóth: "Das Bild der guten Mutter, vor allem in Deutschland und Österreich, ist ein wahnsinnig wirkungsmächtiges und sehr, sehr, starkes Bild. Wir haben alle ähnliche Vorstellung, wie das zu sein hat und leben das eigentlich seit vielen Jahrzehnten."

Jens Dirksen, Kulturchef der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ). Er sagt: "Ich habe einen größeren Respekt bekommen vor den Leistungen der Stiefmütter. Weil ich glaube, dass die Anforderungen an die Managment-Qualitäten noch höher sind bei einer Patchworkfamilie." 

  Antonia Baum studierte Germanistik und Geschichtswissenschaften an der Berliner Humboldt Universität. Bereits während des Studiums veröffentlichte sie Kurzgeschichten, 2011 den Roman "Vollkommen leblos, bestenfalls tot". Seit Anfang 2012 ist sie Feuilleton-Redakteurin der Frankfurter Allgemeinen Sonntags Zeitung.

Das Buch: "Stillleben", Piper Verlag, 2018, 224 Seiten, 20 Euro


  Barbara Tóth  lebt als Autorin und Journalistin in Wien. Die studierte Historikerin begann ihre journalistische Karriere als freie Autorin beim Nachrichtenmagazin Profil. Seit 2007 arbeitet sie für die Wiener Stadtzeitung "Falter" Redakteurin und leitet dort die Ressorts "Stadtleben und Landleben" und die Seite "Politisches Buch".

Das Buch: "Stiefmütter. Leben mit Bonuskindern", Residenz Verlag, 2018, 128 Seiten, 19 Euro

Die Veranstaltung in Essen führt Deutschlandfunk Kultur sechsmal im Jahr mit der Buchhandlung Proust, der WAZ und dem Schauspiel Essen durch. (mkn)

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