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Im Gespräch | Beitrag vom 04.10.2018

Autorin Ursula PriessÜber die Last, die Tochter von Max Frisch zu sein

Moderation: Katrin Heise

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Im Vordergrund Ursula Priess, dahinter der Kanal und Landschaft. (Picture-Alliance / Tagesspiegel / Doris Spiekermann-Klaas)
Lange arbeitete Ursula Priess als Heilpädagogin, dann begann sie zu schreiben. (Picture-Alliance / Tagesspiegel / Doris Spiekermann-Klaas)

Ursula Priess' Vater ist der Schriftsteller Max Frisch. Die Beziehung zu ihm war lebenslang schwierig. Inzwischen hat sich die Literaturwissenschaftlerin freigeschwommen - und hat über ihr eigenes Schreiben das Verhältnis zum Vater geklärt.

Sie hat lange als Heilpädagogin gearbeitet und ist sehr viel in der Welt herumgekommen. Als sie schon über 60 war, schrieb die studierte Literaturwissenschaftlerin Ursula Priess schließlich einen ersten Roman, der für viel Aufsehen sorgte. In "Sturz durch alle Spiegel" versuchte sie, die lebenslang schwierige Beziehung zu ihrem Vater zu verarbeiten, dem weltberühmten Autor Max Frisch.

Klarheit im Verhältnis zum Vater

"Ich schreibe nicht über meinen Vater, ich schreibe über mich und mein Verhältnis zu meinem Vater", sagte die Schweizer Schriftstellerin über ihren damaligen Ansatz.

Sie hatte sich in dem 2009 erschienenen Buch auf Tagebuchaufzeichnungen und Briefwechsel von ihr selbst und ihres 1991 verstorbenen Vaters gestützt. Eine Begegnung mit einem Fremden hatte damals ein Trauma wachgerufen und den Wunsch verstärkt, sich mit dem eigenen Vater auseinanderzusetzen.

Das Schreiben hat geholfen

"Da kam ich an eine Sphäre in mir, wo ich wusste, ich muss da jetzt mal ran", sagte Priess. "Kläre dein Verhältnis zum Vater." Das Schreiben sei hervorragend, um solche Dinge nach draußen zu tragen und habe ihr sehr geholfen. 

Inzwischen hat sie sich freigeschwommen und weitere Bücher vorgelegt, unter anderem einen Roman über die Liebe junger und alter Paare und zur Frage, ob Beziehungen erlernbar sind.

Das Gespräch mit Ursula Priess wurde erstmals am 14. August 2015 ausgestrahlt.

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