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Interview / Archiv | Beitrag vom 26.01.2017

Autorin Nino HaratischwiliÜber Migranten, die Flüchtlinge hassen

Nino Haratischwili im Gespräch mit Korbinian Frenzel

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Die georgische Schriftstellerin Nino Haratischwili lächelt am 4.03.2010 in München vor der Verleihung des Adelbert-von-Chamisso-Preises. (picture-alliance / dpa / Ursula Düren)
Die Autorin Nino Haratischwili wurde 1983 in Georgien geboren. Sie kam als Studentin nach Deutschland. Mittlerweile ist sie vielfach preisgekrönt. An Theatern gab es bislang 17 Uraufführungen ihrer Stücke. (picture-alliance / dpa / Ursula Düren)

Fünf Autorinnen aus fünf Ländern schauen auf den Zustand Europas: Am Donnerstag hat "Ein europäisches Abendmahl" am Wiener Akademietheater Premiere. Nino Haratischwili erklärt ihre Hauptfigur: eine Osteuropäerin, die in einem deutschen Flüchtlingsheim putzt.

Die aus Georgien stammende Autorin und Regisseurin Nino Haratischwili hat eine Beobachtung gemacht, die sie irritiert: Migranten würden nicht so empathisch mit Flüchtlingen umgehen, wie sie selbst sich das vorgestellt habe. Genau das Gegenteil sei der Fall: Sie zeigten "Zorn und Wut". Diesem Phänomen habe sie in ihrem Text auf den Grund gehen wollen. An ihrer Hauptfigur Marusja, einer Osteuropäerin, zeige sich: Es gehe um persönliches Scheitern. Marusja putze in einem Flüchtlingsheim in Deutschland - und beginne, dessen Bewohner zu hassen. Viele Zugewanderte, so Haratischwili, hätten das Gefühl, "nichts geschenkt bekommen" zu haben, dass es andererseits den Flüchtlingen aber leicht gemacht werde.

Natürlich sei ihr Text eine Farce, er sei zugespitzt und besitze, wie sie hoffe, eine Komik, allerdings eine schwarze, sagt die Autorin:

"Ich fand es einfach wichtig zu beschreiben (...): Warum ist das so? Warum sind Ausländer in diesem Punkt so hart, warum sind sie nicht solidarischer? Natürlich nicht alle - aber sehr viele. Das ist tatsächlich meine Erfahrung. Mich hat das immer sehr erstaunt. (...) Ich möchte für einen Moment innehalten und versuchen, über das Phänomen nachzudenken. Wenn das Zuschauer (...) ebenfalls tun, bin ich froh."

Neben Haratischwili haben Elfirede Jelinek, Jenny Erpenbeck, Terézia Mora und Sofi Oksanen Texte zu dem Abend beigesteuert.

"Ein europäisches Abendmahl", Uraufführung. Regie: Barbara Frey. Premiere am 27. Januar 2017, 19:30 Uhr am Burgtheater/Akademietheater Wien.

 

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