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Kompressor | Beitrag vom 01.09.2017

Autorin Chris Kraus im Interview Der späte Hype um "I love Dick"

Moderation: Max Oppel

Der Schauspieler Heiner Lauterbach (M), seine Frau Viktoria und der US-amerikanische Schauspieler Kevin Bacon stehen am 02.05.2017 vor der Premiere der neuen Amazon Serie "I love Dick"  (Ursula Düren/dpa)
Der Schauspieler Heiner Lauterbach (M), seine Frau Viktoria und der US-amerikanische Schauspieler Kevin Bacon am 02.05.2017 vor der Premiere der Amazon Serie "I love Dick". (Ursula Düren/dpa)

Ihr Buch "I love Dick" wurde 20 Jahre nach dem Erscheinen zum Hype und sogar als Serie verfilmt. Autorin und Videokünstlerin Chris Kraus erklärt, warum ihr Erfolgsroman heute auch als "feministisches Manifest" gilt.

Schon vor 20 Jahren ist "I love Dick" erschienen, aber erst in diesem Jahr wurde es ins Deutsche übersetzt. Und erst vor ein paar Monaten ist die Geschichte als Amazon-Serie gestartet. 

"Ich hätte das - ehrlich gesagt, nie gedacht, als ich 1997 dieses Buch geschrieben habe - was sich eher in so einer Kunstwelt bewegte, was in einem beschränkten Rahmen bekannt war, dass das mal zu einer Fernseh-Show werden wird, zu einer Fernseh-Serie, dass man es jetzt in Buchläden am Flughafen kaufen kann - das hätte ich nie gedacht", sagte Chris Kraus im Deutschlandfunk Kultur.

"Das ist doch großartig, dass es jetzt auch ein ganz anderes Publikum erreicht als beim ersten Mal."

Mit 50 zur Kultfigur

Chris Kraus wurde mit 50 Jahren zur weltweiten Kultfigur der feministischen Literaturszene. Denn "I love Dick" gilt heute vielen als "feministisches Manifest". Künstlerinnen wie Lena Dunham und Lorde verehren Chris Kraus, zahlreiche Instagram-Selfies mit dem Buchcover waren im Netz zu sehen.

Bis Mitte der 90er-Jahre arbeitete Kraus vor allem als Experimentalfilmerin und Künstlerin; sie widmete sich Filmen, Videokunst und Theater. 

"Ich glaube, Schreiben ist die Antwort auf einen kreativen Drang", sagte Kraus. Videokunst und Theater seien wesentlich aufwendiger. 

Brücke zwischen intellektueller Welt und Populär-Kultur

Als Künstlerin sieht Kraus sich als eine "Brücke zwischen der intellektuellen Welt und der Populär-Kultur". Ihr nächstes Projekt wird wieder das Schreiben betreffen: "Ich hoffe, in den nächsten sechs Monaten noch einen Roman zu schreiben." 

"Das Buch ist vor allem sehr populär bei jungen Frauen, die sich selber als Feministinnen bezeichnen würden und dass trotz der Tatsache, dass es ja keine jugendliche Heldin ist - die Chris aus dem Buch ist 39 Jahre alt", sagte Kraus.

Die Heldin würde sich dennoch verhalten wie eine Frau in den Zwanzigern. Der zweite Grund für die Popularität sei, dass Chris eine Antiheldin sei. "Eine Antiheldin, die ohne Angst vor dem Scheitern lebt, trifft da schon einen Nerv", so Kraus.  

Sie sehe "I love Dick" eher als eine Art Comedy-Buch, als eine Sex-Komödie des 18. Jahrhunderts, die im späten 20. Jahrhundert angesiedelt sei. 

"I love Dick" von Chris Kraus und Bücherregal  (Matthes & Seitz Berlin / imago / Westend61)"I love Dick" von Chris Kraus und Bücherregal (Matthes & Seitz Berlin / imago / Westend61)

Im Roman "I love Dick" erzählt die Autorin über ein besonders prekäres, wildes, peinliches Jahr im Leben einer Videokünstlerin namens Chris Kraus. Das Buch ist ein autobiografisches Spiel um Selbstentblößung.

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