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Aktuell / Archiv | Beitrag vom 26.07.2019

Autor von ErziehungsratgebernFamilientherapeut Jesper Juul ist tot

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Der Familientherapeut Jesper Juul sitzt vor einer Leinwand mit Straßenszene, aufgenommen 2014. (dpa/ Scanpix/ Linda Henriksen)
Jesper Juul sitzt vor einer Leinwand mit Straßenszene (dpa/ Scanpix/ Linda Henriksen)

Der dänische Familientherapeut Jesper Juul ist im Alter von 71 Jahren gestorben. Mit Büchern wie "Nein aus Liebe" und "Dein kompetentes Kind" wurde er weltweit bekannt.

Der dänische Familientherapeut Jesper Juul ist tot. Er starb im Alter von 71 Jahren an einer Lungenentzündung. Das teilte das von ihm 2004 mitgegründete Institut Familylab unter Berufung auf Juuls Sohn Nicolai mit.

Juul schrieb zahlreiche Bücher über Erziehung, Familie, Pubertät, Schule und Frühbetreuung. Er prägte unter anderem den Begriff "Bonus-Eltern", den er für Kinder aus geschiedenen Ehen anstelle von "Stiefeltern" verwendet wissen wollte. Ein programmatischer Buchtitel war "Aus Erziehung wird Beziehung", ebenso "Grenzen, Nähe, Respekt".

Juul lehnte sowohl autoritäre als auch antiautoritäre Erziehungsstile für Kinder ab; er schuf einen eigenen Erziehungsansatz. Besonders mit seinen Erziehungsratgebern "Nein aus Liebe" (2006) oder "Dein kompetentes Kind" (1996) wurde er international bekannt.

Juuls pädagogische Sicht war, dass Kinder vollwertige Menschen seien, die nicht erst durch Anweisungen, Verbote und Strafen geformt werden müssten. Er schrieb:

"Das Schlüsselwort heißt Beziehung. Ihre Qualität entscheidet über unser Wohlbefinden und unsere Entwicklung als Mensch. Kinder werden mit allen wesentlichen menschlichen Qualitäten geboren und haben daher auch dieselbe Verletzlichkeit und Überlebensfähigkeit wie Erwachsene. Eltern zu sein bedeutet, eine Rolle im Leben einzunehmen, die uns vor große Herausforderungen stellt."

Ableger seines Familienberatungsinstituts Familylab gibt es in zahlreichen europäischen Ländern, darunter die Schweiz, Italien und Österreich.

Der deutsche Ableger von Familylab in Windberg schreibt auf seiner Homepage:

"Sein unermüdlicher Kampf durch all die unermesslichen Schmerzen, über so viele Jahre, verdient alle Bewunderung. Wir danken Dir, lieber Jesper, für Deinen grenzenlosen Einsatz und die Kraft und Zuversicht, die Du in so viele Familien mit Deiner außerordentlichen Arbeit gebracht hast. Dein richtungsweisendes Lebenskonzept der Gleichwürdigkeit wird weiter bestehen."

Eltern am Rande des Nervenzusammenbruchs

"Die Stimme der Vernunft in Erziehungsfragen" nannte ihn unsere Rezensentin Susanne Billig 2016 in einer Besprechung des Buches "Leitwölfe sein. Liebevolle Führung in der Familie". Über Juuls 2017 erschienenes Buch "Liebende bleiben. Familie braucht Eltern, die mehr an sich denken" sagte Susanne Billig in Deutschlandfunk Kultur:

"Juul stellt die Beziehung derer in den Mittelpunkt, ohne die es gar keine Familie und keine Kinder gäbe: die Eltern. Eine geniale Idee, die zeigt, wie nah der Däne am Zeitgeist dran ist und wie schnell er neue Trends griffig aufgreift. (...) Ein Ratgeber in bewährt guter Jesper-Juul-Manier, in dem sich viele Ideen für Eltern am Rande des Nervenzusammenbruchs oder der schmerzhaften Entfremdung finden. Wie immer bietet der Autor ausführliche Wortprotokolle echter Therapiegespräche mit einem anschließenden kurzen Theorieteil, und es ist spannend, live dabei zu sein, wenn Jesper Juul die teils äußerst verwickelten familiären Situationen mit klugen Fragen wieder auseinander rollt und den Kern der Paar-Schwierigkeiten freilegt."

Programmhinweis: In der Sendung "Fazit" ab 23.05 Uhr sprechen wir mit Susanne Billig über Jesper Juul und seine pädagogischen Konzepte.

Rezensionen zu Büchern von Jesper Juul:

Jesper Juul: "Liebende bleiben" - Hier stehen mal die Eltern im Mittelpunkt
(Deutschlandfunk Kultur, Buchkritik, 10.2.2017)

Jesper Juul: "Leitwölfe sein - Liebevolle Führung in der Familie" - Die Stimme der Vernunft in Erziehungsfragen
(Deutschlandfunk Kultur, Lesart, 14.6.2016)

Gute Beziehungen als Schlüssel zum Lernerfolg
(Deutschlandfunk Kultur, Lesart, 22.9.2013)

Unterdrückte Wut macht krank
(Deutschlandfunk Kultur, Buchkritik, 13.7.2013)

Mit Verständnis durch stürmische Zeiten
(Deutschlandfunk Kultur, Buchkritik, 1.6.2010)

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