Seit 17:05 Uhr Studio 9

Dienstag, 18.09.2018
 
Seit 17:05 Uhr Studio 9

Im Gespräch / Archiv | Beitrag vom 14.03.2018

Autor und Theatermacher Michael Schindhelm"Ich bin ein Keinheimischer"

Michael Schindhelm im Gespräch mit Ulrike Timm

Beitrag hören Podcast abonnieren
Michael Schindhelm, deutscher Autor, Kulturberater und Theaterintendant, aufgenommen am 08.10.2014 in Frankfurt am Main (picture alliance / dpa / Erwin Elsner)
Michael Schindhelm: Autor, Kulturberater, Theaterintendant... (picture alliance / dpa / Erwin Elsner)

Filmemacher, Autor, Theatermacher, Opernleiter, Kulturberater für Großprojekte in Dubai und Hongkong, unterwegs in Berlin, Basel, im Tessin und in der Welt: Michael Schindhelm ist ein Nomade in Sachen Kultur. Ein "Keinheimischer", sagt er.

Michael Schindhelm war schon als DDR-Bürger international unterwegs, er studierte in der Sowjetunion Quantenchemie, forschte über dieses exotische Fach in Ostberlin gemeinsam mit einer gewissen Angela Merkel. Dann verlegte er sich als Nischenexistenz auf die Theater-Dramaturgie. Und die katapultierte Michael Schindhelm nach der Wende in die westliche Welt, was ihm ganz neue Erfahrungen und Einsichten bescherte.

"Der wichtigste Punkt ist der, dass mir nochmal sehr klar geworden ist, dass ich eben tatsächlich 30 Jahre lang kommunistische Erfahrung und damit Außenperspektive auf dem Westen gehabt habe. Und auch wenn ich dann später sehr enthusiastisch und sehr erfolgreich in den Westen eingestiegen bin, bin ich trotzdem ein Quereinsteiger in diese westliche Gesellschaft gewesen. Aber zumindest ist es so, dass ich immer stärker mir darüber klar geworden bin, dass es eigentlich nicht eine Wahrheit gibt."

Das Theater als eine Parallelwelt

Schindhelm wurde Theaterintendant in Basel, später Generaldirektor aller drei Opernhäuser Berlins. Neben seiner Faszination fürs Theater begeisterte er sich weiter für andere Kulturen.

"Das Besondere am Theater ist, wie Foucault schon mal festgestellt hatte, das es eine Heterotopie ist, das heißt, eine Parallelwelt. Das braucht man immer wieder. Und insofern würde ich sagen, wenn ich zum Beispiel mich selbst aussetze in den neuen kulturellen Erfahrungen in Indonesien und oftmals ohne genau Bescheid zu wissen, ist es eigentlich auch ein Stück Theater, was ich da selbst an mir exerziere, ohne dass es natürlich noch im entferntesten zu tun hat mit dem Subventionsbetrieb, aus dem ich mal gekommen bin."

Schließlich verließ Michael Schindhelm die Berliner Opern und erfand sich wieder neu: Er wurde Kulturmanager für Großprojekte in Dubai und Hongkong. Auch das liegt inzwischen hinter ihm. Inzwischen hat er seinen Hauptwohnsitz im Tessin, lebt aber an mindestens drei weiteren Orten. Hauptsache, es gibt viel Licht. Bücherschreiben sowie Filme machen, könne er überall.

Im Gespräch

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur