Samstag, 08.08.2020
 

Interview | Beitrag vom 18.05.2020

Autor Rayk Wieland über das ReisenDie Phantasie ist der beste Ersatz

Moderation: Nicole Dittmer

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Eine Glaskugel, in der sich der Himmel und Wolken seitenverkehrt spiegeln. (imago/Westend61/Stefanie Baum)
Der Blick in die Glaskugel verrät:Reisen wird im Jahr eins von Corona wohl eher in der Fantasie stattfinden. (imago/Westend61/Stefanie Baum)

Die Sommerferien werden dieses Jahr für viele vielleicht nur auf dem Balkon stattfinden. Macht nichts, Reisen in Gedanken sind viel schöner, sagt der Autor Rayk Wieland, der gerne zu Hause bleibt.

Corona verändert alles – auch den Tourismus. Wer es gewohnt ist, ein- bis zweimal im Jahr zu verreisen, oftmals in ferne Länder, braucht in den Zeiten der Pandemie Ersatz. Das wird in der laufenden Woche immer wieder Thema im Programm von Deutschlandfunk Kultur sein.

Für den Autor und Journalist Rayk Wieland sind Fantasiereisen der beste Ersatz für das echte Verreisen. Überhaupt finden im Geiste die besseren Reisen statt: Nicht unbedingt nach Rio de Janeiro oder an die Côte d’Azur, aber man könne sich ganz wunderbar in andere Zeitepochen versetzen und sich vorstellen, dort Spannendes zu erleben. In seinem Roman "Kein Feuer, das nicht brennt" beschreibt Wieland, wie sich ein reiseunwilliger Journalist seine Reportagen aus fernen Ländern ausdenkt.

"Man gefällt sich in der Illusion, etwas Anderes zu erleben"

Tourismus, sagt der Autor, sei nur "ein Ortswechsel und ein Zerstreuungsphänomen", mehr nicht. Zu früheren Zeiten sei das, was wir heute coronabedingt als große Einschränkung erlebten, normal gewesen: einfach in der eigenen Wohnung zu verweilen. Reisen sei Luxus gewesen.

"Man gefällt sich in der Illusion, etwas Anderes, etwas Neues zu erleben. Abenteuer, womöglich. Neue kulinarische Reize zu empfangen, kulturelle Dinge zu entdecken, Berge zu besteigen."

Die Vorstellung von einem sanften Tourismus hält Wieland für unrealistisch – dafür gebe es einfach zu viele Menschen auf der Welt. Und wie steht es mit dem Reisen als Sinnerfüllung und Horizonterweiterung? Für den Autor ist das einfach "eine romantische Vorstellung", für die es im Übrigen keine literarischen Überlieferungen gebe.

(mkn)

Rayk Wieland: "Kein Feuer, das nicht brennt"
Kunstmann Verlag, München 2012
160 Seiten, 16,95 Euro

Bis zum 23. Mai senden wir täglich verschiedene Interviews und Beiträge rund um das Verreisen. 

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