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Fazit / Archiv | Beitrag vom 26.02.2018

Autor Michael Wolff über Donald Trump"Wie ein sonderbarer Onkel"

Dirk Fuhrig im Gespräch mit Moderatorin Marietta Schwarz

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US-Autor Michael Wolff stellt bei der deutschen Buchpremiere in der Volksbühne sein Enthüllungsbuch "Feuer und Zorn" vor. (picture alliance / Jens Kalaene/dpa)
Enthüllungs-Autor Michael Wolff stellt sein Werk in Deutschland vor. (picture alliance / Jens Kalaene/dpa)

Der US-amerikanische Journalist Michael Wolff hatte bei der Buchvorstellung von "Feuer und Zorn" amüsante Anekdoten über Donald Trump dabei. Unser Literaturkritiker Dirk Fuhrig lauschte in der Berliner Volksbühne der berühmten Bademantel-Episode - und sah Realität und Fiktion verschwimmen.

Durch die massive Berichterstattung über "Fire and Fury" könnte man meinen, das Buch bereits zu kennen ohne es gelesen zu haben. Als US-Journalist Michael Wolff in der Berliner Volksbühne die deutsche Übersetzung vorstellt, ist das Haus dennoch nahezu ausverkauft. Entspannt und unaufgeregt, aber mit viel Ironie und Witz beschreibt Wolff den US-Präsidenten wie einen "sonderbaren Onkel" und erzählt reichlich amüsante Anekdoten aus dem Weißen Haus, berichtet Literaturkritiker Dirk Fuhrig von der Veranstaltung. Zum Beispiel die berühmte Bademantel-Episode. Die "New York Times" hatte 2017 berichtet, dass der neu gewählte Präsident nachts im Bademantel im Weißen Haus herumirrt und die Lichtschalter nicht findet. Diese Geschichte hatte Trump ungeheuer aufgeregt.

"Seh ich etwa aus wie ein Bademantel-Typ?"

Michael Wolff:

"Er war wirklich besessen von dieser Bademantel-Geschichte. Als ob ein Bademantel etwas Unmännliches wäre. Und er hat praktisch zu jedem gesagt: 'Seh ich etwa aus wie ein Bademantel-Typ?' Dadurch, dass er immer wieder über diese Sache redete, hat er die Episode, die vielleicht am nächsten Tag vergessen gewesen wäre, erst so richtig zu einem Thema gemacht."

Sieben Übersetzer haben in Rekordzeit übersetzt

Michael Wolff scheint sehr dicht dran am Präsidenten Trump gewesen zu sein. Bei einigen seiner Geschichten scheinen Realität und Fiktion allerdings zu verschwimmen, so Dirk Fuhrig. Das Buch lese sich stellenweise mehr wie ein Roman als wie ein fundiert recherchiertes Sachbuch. Dass "Fire and Fury" innerhalb weniger Tage von insgesamt sieben Übersetzern ins Deutsche gebracht wurde, merke man der deutschen Ausgabe durchaus an. Der Stil sei nicht immer einheitlich, im großen und ganzen sei "Feuer und Zorn" aber sehr gut zu lesen, meint Fuhrig.

Trump ist wie ein Kind, das man ständig loben muss

Einen Ratschlag hat Autor Michael Wolff für europäische Politiker: Sie sollten Donald Trump öfter schmeicheln und loben. Das möge der Präsident. Dann würde er unter Umständen auch etwas zurückgeben. Trump sei wie ein Kind, sagte Wolff.

Ein Interview mit Bestsellerautor Michael Wolff können Sie am Mittwoch, den 28. Februar, in unserer Sendung "Studio 9", ab 5:05 Uhr hören.

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Zum Buch "Fire and Fury" - Populismus gegen Populismus
(Deutschlandfunk Kultur, Politisches Feuilleton, 23.01.2018)

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