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Lesart / Archiv | Beitrag vom 29.06.2019

Autor Clemens Setz aus KlagenfurtAbschied von der Einsamkeit des Schreibens

Clemens J. Setz im Gespräch mit Andrea Gerk

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Der Schriftsteller Clemens J. Setz am Mittwoch, 26. Juni 2019, anlässlich der Eröffnung der "43. Tage der deutschsprachischen Literatur in Klagenfurt. - (Apa/Gert Eggenberger/ picture alliance )
Der Schriftsteller Clemens J. Setz (Apa/Gert Eggenberger/ picture alliance )

Der völlige Rückzug sei für Schriftsteller nicht zu empfehlen, sagt der Autor Clemens J. Setz auch aufgrund eigener Erfahrung. Er plädiert für den Abschied von dem Klischee und mehr Geselligkeit.

Mit einer Rede zur Literatur des österreichische Schriftstellers Clemens J. Setz hatten in Klagenfurt die 43. Tage der deutschsprachigen Literatur begonnen. Darin räumte er bereits mit dem Klischee auf, dass Schriftsteller einsam und zurückgezogen arbeiten müssten. Der Autor war selbst 2008 zum Ingeborg-Bachmann-Preis eingeladen worden und erhielt damals für seine Novelle "Die Waage" den Ernst-Willner-Preis.

Nun macht er deutlich, dass er eigentlich immer wieder leidenschaftlich predige, dass ein Autor sich nicht über Monate wegsperren sollte. "Das hört man immer aus Schriftsteller-Biografien: 'Dann ging ich in Schreibklausur, dann war ich drei Monate in den Bergen – da hab ich mein großes Epos ersonnen'", sagt Setz im Deutschlandfunk Kultur. Das Alleinesein sei für einige wenige vielleicht das richtige. Aber viele Autoren und gerade junge Menschen mache das sehr unglücklich. Er habe das selbst als schädlich erfahren.  

Schwierig, an Verlage heranzukommen

Klagenfurt sei für ein geselliges Zusammensein eher ein künstlicher Ort, sagt Setz. Wenn die Literaturtage vorbei seien, zerfalle das Miteinander und man gehe wieder nach Hause.

Für Schriftsteller sei es heute immer schwieriger, an Verlage heranzukommen. "Im Internet führt alles nur ins Internet, das kommt nicht zu den Buchverlagen", sagt Setz. Zu beobachten sei ein Erstarken von Literaturagenturen und Agenten. Um sie zu treffen, sei Klagenfurt eine gute Gelegenheit, sagt der Autor. "Manche haben auch einfach Spaß an einem Wettbewerb." Aber einige seien auch da, um es durchzustehen und aushalten zu müssen.

(gem)

Über das Verhältnis von Realität und Fiktion wird viel diskutiert bei den 43. Tagen der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt. Auch wenn dieses Jahr große Namen fehlen, viele interessante Autoren und Autorinnen mit unverwechselbaren Texten nehmen an diesem Wettbewerb teil. Der heutige Samstag ist der letzte Lesetag, morgen wird entschieden, wer die Preise bekommt. Die gesamte Live-Sendung der "Lesart" aus Klagenfurt hören Sie hier:

Clemens Setz: "Der Trost runder Dinge. Erzählungen"
Suhrkamp-Verlag, Berlin 2019
320 S., 24 Euro

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