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Im Gespräch | Beitrag vom 21.09.2018

Auszeichnung Nele Hertling erhält den Tanzpreis 2018

Moderation: Britta Bürger

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Porträt der Theaterwissenschaftlerin und Kulturmanagerin Nele Hertling, aufgenommen 2012 (dpa / picture alliance / Claudia Esch-Kenkel)
Die Theaterwissenschaftlerin und Kulturmanagerin Nele Hertling, aufgenommen 2012 (dpa / picture alliance / Claudia Esch-Kenkel)

Wer in den letzten 50 Jahren in Berlin mit Theater, Tanz oder Musik zu tun hatte, kam an ihr nicht vorbei: Nele Hertling. Die 84-jährige Theaterwissenschaftlerin fördert und vernetzt, wo immer es geht. Jetzt wird sie dafür mit dem Deutschen Tanzpreis geehrt.

Nele Hertling gilt als die "Grande Dame" der Berliner Kulturszene. Am 22. September wird die Kulturmanagerin nun mit dem renommierten Deutschen Tanzpreis 2018 ausgezeichnet.

In der Begründung heißt es unter anderem: "Über viele Jahrzehnte hat Nele Hertling die Entwicklung des zeitgenössischen Tanzes in Deutschland geprägt. Schon ab den 70er Jahren holte sie herausragende internationale Choreograf*innen nach Deutschland, so Merce Cunningham und Trisha Brown. Als Intendantin des Berliner Hebbel-Theaters (1988 bis 2003) etablierte sie ein starkes europäisches Veranstalternetzwerk, präsentierte die flämische und französische Tanzavantgarde und gründete das Festival ´Tanz im August`."

Neue Kunst brauchte neue Strukturen

Sie hat das einst heruntergekommene Hebbeltheater zu einer lebendigen, internationalen Produktionsstätte entwickelt. Sie war die Erfinderin des Festivals "Tanz im August" – und sie wurde mehrfach gebeten, Berliner Kultursenatorin zu werden. Doch Hertling blieb lieber an der Seite der freien Künstler. Bis heute ist ihr die internationale Vernetzung der Berliner Kunstszene wichtig.

"Für die Kunst damals war es ganz klar, Berlin brauchte wirklich den Aufschwung von außen", sagte Hertling, die von 2006 bis 2015 Vizepräsidentin der Berliner Akademie der Künste war, im Deutschlandfunk Kultur. "Wir waren ja strukturell in Deutschland sehr stark in Stadttheaterstrukturen, in strikte Orchesterstrukturen eigentlich so eingebunden und das, was wirklich an neuer Kunst entstand, brauchte zum größten Teil auch andere Strukturen", erinnert sich die 84-jährige Netzwerkerin an die schwierigen Anfänge. 

"Tanz in Deutschland war in den Jahren Ballett in der Oper und spielte sonst keine Rolle." Es habe damals auch noch keine Möglichkeiten der finanziellen Förderung gegeben. "Das war eigentlich der Versuch, durch internationale Beispiele zu zeigen, wenn man sich nach vorne entwickeln will auch künstlerisch, braucht man einfach das Kennenlernen, den Einfluss, das Wissen um Dinge, die sich anders entwickeln können, wenn man sie auch anders fördert", sagte Hertling. 

Internationaler Kontext wichtig

Sie sei immer der Überzeugung gewesen, dass Dinge, die sich nach vorne entwickeln, immer einen größeren Rahmen benötigten als nur den Lokalen. "Natürlich entstehen auch wunderbare Dinge lokal, aber die wirkliche Herausforderung entsteht im internationalen Kontext." Die gegenseitige Befruchtung habe immer gezeigt, wie notwendig das sei. Dies sei heute wichtiger denn je.

Anlässlich der Vergabe des Deutschen Tanzpreises an Nele Hertling wiederholen wir ein Gespräch, das wir am 19.12.2014 im Deutschlandfunk Kultur mit der Kulturmanagerin geführt haben. 

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