Klangkunst, vom 05.06.2020, 00:05 Uhr

Auszeichnung für RadiokunstPalma Ars Acustica

Von Sopheak Sao und Veronika Svobodová
Videostill: The Beauty and the Beat (Sopheak Sao)
Videostill: The Beauty and the Beat (Sopheak Sao)

Der Palma Ars Acustica ist der European Song Contest der Radiokunst: Jährlich zeichnen die Mitglieder der European Broadcasting Union ein experimentelles Hörstück aus. Bei der digitalen Jurysitzung im Mai 2020 gab es Stimmengleichheit für zwei Gewinnerinnen:

Phnom Penh FM: Re / Disc / Over
Von Sopheak Sao
Mit: Chris Zippel, Jan Mueller und Nico Mesterharm
Produktion: ORF Kunstradio 2019
Länge: 40‘58

Die 1979 geborene Sopheak Sao beschäftigt sich mit der Rolle der Frau in der kambodschanischen Gesellschaft. Dabei widmet sie sich den legendären Apsara-Tänzerinnen, die auf den Bas-Reliefs des Weltkulturerbes von Angkor Wat abgebildet sind, und den typischen Bäuerinnen auf den Reisfeldern, aber auch den Kindersoldatinnen der "Killing Fields" und den modernen, couragierten Geschäftsfrauen, Müttern und Aktivistinnen des Landes. Zu Wort kommen kambodschanische Frauen verschiedener Altersgruppen. Junge Khmer-Künstlerinnen, Bloggerinnen und Aktivistinnen, die Sao Sopheak im Laufe ihrer 10-jährigen Karriere als Filmemacherin kennengelernt hat. Ebenfalls zu hören sind kambodschanische Fernsehstars, Frauen aus den Bergstämmen im Nordosten des Landes und - posthum - die kambodschanische Rockdiva Kak Channthy, die 2018 bei einem Autounfall ums Leben kam.

Kak Channthy und Sopheak Sao teilten die Leidenschaft für den kambodschanischen Rock'n'Roll der 1960er Jahre, den sie nur von Audioaufnahmen, Bändern oder Radiosendungen kennen. Aufgrund des Völkermords der Roten Khmer (1975-79) und drei Jahrzehnten Bürgerkrieg gibt es im Land fast kein Original-Vinyl mehr. Die Lieder des "Kambodschanischen Elfen" Sin Sisamouth und seiner Zeitgenossen, die meist von den Kommunisten getötet wurden, erinnern noch immer an die ältere Generation der besseren Zeiten, als Kambodschas König Sihanouk sein Land zur "Schweiz Südostasiens" entwickeln wollte und die kambodschanische Popkultur auf dem gesamten Subkontinent sehr beliebt war.

ROR-BU (Ausschnitt)
Von Veronika Svobodová
Produktion: Tschechischer Rundfunk 2019
Länge: 31‘18

Die Komponistin Veronika Svobodová arbeitet auch als Bühnenbildnerin und Installationskünstlerin. Das prägt ihre Herangehensweise an Klänge. Es geht ihr beim Komponieren immer um eine Verbindung von Räumen, Augenblicken und spezifischen Situationen. Sie inszeniert ihr Klangmaterial im Verhältnis zu besonderen Orten, Landschaften oder Gebäuden.

Die Szenerie für ihr Gewinnerstück "ROR-BU" bildet ein altes Fischerhaus auf der norwegischen Insel Senja. Hier war Veronika Svobodova im Rahmen einer Artist Residence zu Gast. Mit ihren Mikrofonen fing sie das Knarzen des alten Hauses ein, das Rattern von Strickmaschinen in einem nahegelegenen Museum, die Maschinen des Schiffs Polaris und viele andere akustische Details ihrer Reise. Bei der Postproduktion half der Film-Toningenieur Jan Richtr.

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