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Kompressor | Beitrag vom 04.02.2020

Auszeichnung für FilmtonDer Konflikt hinter den röhrenden Rennwagen

Martin Steyer im Gespräch mit Shanli Anwar

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Ken Miles (Christian Bale) mit Siegerpokal in einer Szene des Films "Le Mans 66 - Gegen jede Chance" (Originaltitel: "Ford versus Ferrari"). (2019 Twentieth Century Fox)
Auch der für seinen Ton preisgekrönte Film "Ford versus Ferrari" ("Le Mans 66 - Gegen jede Chance") müsse vieles über den Sound vermitteln, sagt Sounddesigner Martin Steyer. (2019 Twentieth Century Fox)

Kurz vor den Oscars wird der Cinema Audio Award für den besten Ton vergeben - aktuell an den Rennfahrerfilm "Ford versus Ferrari". Der renommierte Tonmeister Martin Steyer erklärt, worauf es beim Sound ankommt und was sich damit transportieren lässt.

"Mein Bruder macht im Tonfilm die Geräusche" heißt ein neckischer Song von 1930, den der Sänger Max Raabe bei seinen Konzerten gerne zum Besten gibt. Was damals noch mit allerlei Gegenständen eigenhändig produziert wurde, ist längst die Aufgabe von Hightech-Soundprogrammen. Doch auch das will gekonnt sein und ist die Aufgabe von hochspezialisierten Tonmeistern, die in der öffentlichen Wahrnehmung meistens durch Kamera, Schnitt oder Filmmusik in den Hintergrund gedrängt werden.

Die Besten des Ton-Fachs in Filmen, Dokus und Serien werden jedes Jahr zwei Wochen vor den Oscars mit dem Cinema Audio Award der US-amerikanischen Cinema Audio Society ausgezeichnet. Dieses Jahr geht der Preis an den Ton von "Ford versus Ferrari", einen Rennfahrerfilm mit Matt Damon und Christian Bale.

Ausdruck eines dramatischen Konflikts

Was zeichnet den Gewinner aus und was macht gutes Soundmixing aus? Die meisten Leute stellten sich bei Rennfahrerfilmen vor allem röhrende Motoren rasender Rennwagen vor. Aber der Sound sei viel komplexer, sagt der Sounddesigner Martin Steyer. "Denn eigentlich hat ein Rennfahrerfilm immer einen tieferen, dramatischen Konflikt, um den das Ganze gebaut ist." Der 70-Jährige ist ein international gefragter und preisgekrönter Experte seines Fachs. Er war unter anderem für den Ton eines anderen Rennfahrerfilms verantwortlich – "Rush", über den Konkurrenzkampf zwischen Niki Lauda (Daniel Brühl) und James Hunt (Chris Hemsworth). Zuletzt vertonte er Christian Petzolds neuen Film "Undine".

"Bei Niki Lauda und James Hunt war das damals so ein Konkurrenzkonflikt. Bei ‚Ford versus Ferrari‘ ist es der Kampf David gegen Goliath, was die Formel-1-Autos angeht und die entsprechenden Akteure. Solche Filme funktionieren nur, wenn sie einen substanziell aufgebauten Konflikt haben", sagt Steyer. Und genau das müsse der Sound vermitteln.

So hat Steyer in dem Soundtrack von "Rush" in einige Tonsequenzen zum Beispiel Tiger-Geräusche in Wind- und synthetische Geräusche eingebaut. Daneben gebe es noch viele weitere Tonspuren – etwa Regen- oder Metallgeräusche. Mit bis zu 700 Tonspuren hantieren Steyer und sein Team – für jeden Themen-Bereich gibt es einen eigenen Sound-Editor.

"Musik erzählt vom Innenleben der Figuren"

Beim Audio Award habe er eigentlich auf den Film "Joker" als Gewinner getippt, sagt Steyer und schwärmt: "Da fand ich ganz speziell gelungen – und ich versuche auch oft, in diese Richtung zu gehen – die Kombination von Musik und Geräuschen und dem Schauspiel. Das ist ein Film, in dem eine Musik ist, die sich überhaupt nicht in den Vordergrund drängt und begleitend oder dramatisierend ist, sondern eine Musik, die verschmilzt. Und die geht unter die Sounds drunter, unter die Dialoge, und erzählt etwas über das Innenleben von Figuren – und  über Konstellationen und besonders über sich verändernde Konstellationen."

Martin Steyer bei der Verleihung der Lola - Deutscher Filmpreis 2018 im Palais am Funkturm in Berlin. (picture alliance/ Eventpress Fuhr)Martin Steyer hat ein Händchen - und ein Ohr - für den idealen Filmsound. Dafür wurde er unter anderem mit dem Deutschen Filmpreis ausgezeichnet. (picture alliance/ Eventpress Fuhr)

Er selbst baue seinen Sound auch gerne so auf, "dass der Eindruck am Anfang der Szene ein ganz anderer ist als am Ende". Genau damit lasse sich große Wirkung erzielen.

(mkn)

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