Seit 05:05 Uhr Studio 9

Freitag, 24.01.2020
 
Seit 05:05 Uhr Studio 9

Fazit | Beitrag vom 05.12.2019

Auszeichnung für Europäische VerständigungLászló Földényi erhält den Leipziger Buchpreis

Lacy Kornitzer im Gespräch mit Eckhard Roelcke

Beitrag hören Podcast abonnieren
Der ungarische Künstler László Földényi schaut ernst in die Kamera. (imago / gezett)
Die mit 20.000 Euro dotierte Auszeichnung wird am 11. März 2020 zur Eröffnung der Leipziger Buchmesse verliehen. (imago / gezett)

László Földényi wird mit dem Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung ausgezeichnet. Der Essayist zählt zu den bedeutendsten Intellektuellen Ungarns. Sein Werk wurzelt tief in der Deutschen Romantik, sagt der Theatermacher Lacy Kornitzer.

Der Essayist, Kunsttheoretiker und Literaturkritiker László Földényi erhält den Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung 2020. In seinem kulturphilosophischen Essayband "Lob der Melancholie. Rätselhafte Botschaften" offenbare sich die Welt als fortwährendes Rätsel, das Hinwendung und Aufmerksamkeit verlange, heißt es in der Begründung der Jury. In einer "beglückend unzeitgemäßen Volte" habe sich der 67-Jährige der Melancholie verschrieben.

Földényi zählt zu den bedeutendsten Intellektuellen seines Heimatlandes. Er kann auf ein vielseitiges Werk zurückblicken, das Schriften über Francisco de Goya, William Blake und Dostojewski genauso beinhaltet wie über Caspar David Friedrich. Heinrich von Kleists gesammelte Werke wurden in Ungarn von ihm mitherausgegeben.

Tief verwurzelt in der deutschen Romantik

Földényis tiefe Verwurzelung in der deutschen Kultur und der deutschen Romantik erklärt der ungarische Theatermacher und Autor Lacy Kornitzer einerseits mit der österreichisch-ungarischen Geschichte und andererseits damit, dass es in Ungarn so gut wie keine eigene Philosophie gegeben habe: "Wenn man in der Richtung interessiert war, weil man am Menschen interessiert war, und Erklärungen oder Anstöße für die eigene Lebensführung haben wollte, dann musste man sich nach Deutschland und an die großen Philosophen dieses Landes wenden - und das hat László getan."

Faszinosum Kleist

Földényi war von Kleist fasziniert, weil dieser einerseits ein politischer Schriftsteller war, der große Inhalte klar und verständlich mitteilen konnte, und sich andererseits in jungen Jahren vom Leben verabschiedete, wie Lacy Kornitzer berichtet.

"Das sind Kriterien, die für einen ungarischen Denker wie László eine Faszination ausgeübt haben - weil das auch eine Kernfrage bestimmter ungarischer Figuren der Literaturgeschichte und der Politik war: Wie soll man mit einem Umstand im Leben fertig werden, der eigentlich die Existenz gar nicht zulässt oder die persönliche Freiheit einschränkt?"

Die mit 20.000 Euro dotierte Auszeichnung wird am 11. März zur Eröffnung der Leipziger Buchmesse verliehen.

László Földényis Buch "Lob der Melancholie" (280 Seiten, 30 Euro) erschien im April 2019 bei Matthes und Seitz Berlin. Ins Deutsche übersetzt wurde es von Akos Doma.

Kulturpresseschau

Aus den FeuilletonsVom Sehnen nach den wilden Zwanzigern
Kabarett und Varieté: Ballett. Revue-Girls des Damenballetts Ehed Karina, Berlin.  (picture alliance/dpa/ akg-images)

Der Vergleich drängt sich auf: Die wilden, goldenen 1920er-Jahre - und die Dekade, die gerade angebrochen ist. "Die Zeit" lässt Florian Illies über die Sehnsucht nach früher philosophieren- inklusive gewagter Metaphern zu den "alten" 20er-Jahren. Mehr

weitere Beiträge

Der Theaterpodcast

Folge 21Ende der Lieblingssongs: Musik im Schauspiel
Szene aus "Hätte klappen können - ein patriotischer Liederabend" im Maxim Gorki Theater Berlin (imago/Drama-Berlin.de/ Barbara Braun)

Es ist unübersehbar: Immer mehr Theaterinszenierungen setzen auf Livemusik. Eine sichere Bank für Musiker – aber ist es künstlerisch wirklich immer sinnvoll? Im Gespräch mit dem Volksbühnen-Musiker Sir Henry fragen wir, was Musik für die Bühne sein kann und sollte.Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur