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Weltzeit | Beitrag vom 16.02.2021

Australiens "School of the Air"Keine Angst vor Distanzunterricht

Von Andreas Stummer

Mel Phillips von der Alice Springs "School of the Air" in Australien zeigt auf einer Landkarte die grossen Entfernungen der Schüler*innen der Schule. "The world's biggest classroom". Früher wurde über Funk unterrichtet, heute digital. Das Bild stammt aus dem Jahr 2013. (AFP / Greg Wood)
Die größten Klassenzimmer der Welt gibt es in Australiens "School of the Air". Die Schüler leben im Outback, häufig Stunden entfernt von der nächsten Siedlung. (AFP / Greg Wood)

Kinder, die über hunderte Kilometer verstreut im Outback leben und dennoch beschult werden müssen: Distanzunterricht ist in Australien seit 70 Jahren Alltag, erst per Funk, jetzt online. Die Erfahrung zeigt: Das muss kein Nachteil sein.

Seit Corona muss Schuldirektorin Kerrie Russell immer öfter nachsitzen. Da sind Anrufe aus Usbekistan oder den Vereinigten Arabischen Emiraten und E-Mails aus China, den USA und ganz Europa. Oft verzweifelte Lehrerinnen und Lehrer bitten sie um Rat. Kerrie Russell ist Leiterin der "School of the Air" in Alice Springs in Zentralaustralien – einer Schule, die siebzig Jahre Erfahrung mit Fernunterricht hat. Denn die "School of the Air" hat die größten Klassenzimmer der Welt. 

"Der Stundenplan unserer Klassen ist dem gewöhnlicher Schulen sehr ähnlich", erklärt Russell. "Der große Unterschied ist, wie die Schüler am Unterricht teilnehmen. Sie können von zu Hause aus ihre Lehrkräfte sehen und mit ihnen sprechen – und umgekehrt. Unser Fernunterricht ist interaktiv. Die Kinder einer Klasse haben ein sehr enges Verhältnis, auch zu ihren Lehrerinnen und Lehrern, obwohl sie tausend Kilometer voneinander entfernt sind."

Sechzehn Fernschulen verteilt über ganz Australien

Die erste "School of the Air" ging 1951 in Alice Springs in Betrieb. Heute sind insgesamt sechzehn der Fernschulen über ganz Australien verteilt. Dort wird, teils seit Jahrzehnten schon, Distanzunterricht gehalten – lange bevor irgendjemand wusste, wie man "Zoom Call" überhaupt buchstabiert.

"School of the Air": Lehrer einer Funkschule in Alice Springs, Australien, von der aus Schüler unterrichtet werden, die bis zu 1000 km entfernt leben), 1968. (picture alliance/akg images)Fernunterricht ist seit siebzig Jahren Alltag für Kinder im australischen Outback. "School of the Air" 1968: ein Lehrer der Funkschule in Alice Springs, Australien (picture alliance/akg images)

Zu Beginn, in den 50er-Jahren, war der Unterricht buchstäblich Schulfunk. Lernen per Kurzwelle. Inzwischen wurden die alten Transmitter und der mühsame Brief- und später Faxverkehr durch Laptops, das Internet und E-Mail ersetzt.

"Wir sind immer mit der Zeit gegangen", sagt "School of the Air"-Koordinator Scott Sanford. Heute sind die Schülerinnen und Schüler per Video-Livestreaming längst auch im Bilde.

"Das war ein enormer Schritt vorwärts. Die Lehrkräfte können seitdem einen Unterricht gestalten, bei dem sie sich gegenseitig austauschen – als säßen sie wirklich vor ihrer Klasse. Statt wie früher einfach nur zuzuhören, nehmen die Kinder jetzt, wie in einer gewöhnlichen Schule auch, am Unterricht teil."

Dann kommt die Schule eben zu den Kindern

Die Lehrer im Schul-Fernsehstudio vor der Kamera, die Schüler weit weg im Hinterland, zu Hause vor dem Bildschirm: In Australien gilt die Schulpflicht auch für Kinder, die Hunderte Kilometer weit von der nächsten Ortschaft entfernt leben. Weil sie nicht in die Schule kommen können, kommt die Schule eben zu ihnen. Per Satellit.

Im Studio 1 der "School of the Air" in Broken Hill, 1100 Kilometer nordwestlich von Sydney. Kein Surren, keine Rückkopplung – die Verbindung steht. Das Signal ist einwandfrei. Aus dem Satellitenraum, hinter grellen Scheinwerfern und einer schalldichten Glasscheibe, gibt es einen "Daumen hoch".

Lehrerin Trish Brayshaw nimmt an ihrem Schreibtisch hinter einem Mikrofon und fünf Kontrollbildschirmen Platz. Punkt 10 Uhr leuchtet das kleine Rotlicht über Kamera 1 auf. Der Unterricht hat begonnen.

"Good morning everybody", begrüßt sie ihre Schüler.

Ein Mausklick und Trish Brayshaw kann auf ihrem Monitor sehen, dass die ganze Klasse 2c eingeloggt hat. Alle acht Kinder.

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Mrs. Brayshaws Klasse ist über gut 800.000 Quadratkilometer verteilt, eine Fläche mehr als doppelt so groß wie Deutschland. Trotzdem bekommen die 2c und alle übrigen Klassen täglich zwei Stunden interaktiven Videounterricht auf dem Heimcomputer, ohne Zeitverzögerung, störungsfrei und in Farbe.

Von Mathe über Biologie und Englisch bis zu Geschichte, Kunst oder Erdkunde: Hausaufgaben werden auf einer Onlineplattform eingescannt oder eingetippt, Hintergrundmaterial wie Romane oder Fachliteratur den Schülern zugeschickt. Die "School of the Air" ist eine gut geölte Maschine, die nicht nur Pädagogen, sondern auch Rundfunk- und Fernsehtechniker, Bibliothekare, Sekretärinnen und IT- und Internetexperten am Laufen halten.

Immer wieder aufstehen und den Kopf freimachen

Für Lehrer oder Eltern, für die corona-bedingter Fernunterricht Neuland und eine große Umstellung ist, hat "School of the Air"-Direktorin Kerrie Russell Verständnis – und drei gute Ratschläge: unbedingt einer Routine folgen, so gut es geht, engen Kontakt halten und nicht ständig nur auf einen Bildschirm starren.

"Man lernt nichts wenn man stundenlang nur da sitzt, also immer wieder aufstehen und den Kopf freimachen. Das gilt auch für die Lehrkräfte. Aber: es hilft sich jeden Tag an einen strikten Stundenplan zu halten. Die Hauptsache ist positiv zu bleiben. Die Lehrer sollten immer wieder bei den Schülerinnen und Schülern nachfragen wie es ihnen geht. Und wenn sie dann noch etwas lernen: umso besser."

Eine Frau mit mittellangen glatten dunklen Haaren sitzt mit Jacket und Bluse vor einem Bildschirm und einem Mikrofon. (Deutschlandradio / Andreas Stummer)Kommt sich vor wie Captain Kirk auf der Enterprise - Kathy Hogan, Lehrerin in der “School of the Air” in Broken Hill. (Deutschlandradio / Andreas Stummer)

Vom gewohnten Präsenzunterricht zu Schulfernsehen: Auch den Lehrkräften der "School of the Air" ist die Umstellung anfangs schwer gefallen.

"Ich bin von Natur aus ein eher schüchterner Mensch", gibt Kathy Hogan von der Fernschule in Broken Hill zu.

Auf einmal musste sie fünfmal die Woche zwei Stunden täglich vor einer Kamera stehen und unterrichten. Live und bloß nicht langweilig. Dazu kam jede Menge Technologie: die Studiokameras per Mausclick fernsteuern, Computer mit Touchscreens, Mikrofone aussteuern, Powerpoint-Präsentationen und ständig die Satellitenverbindung im Auge behalten.

"Ich komme mir manchmal vor wie Captain Kirk auf der Brücke der Enterprise", sagt die heute 61-Jährige. Dafür bleibt es Kathy völlig selbst überlassen, wie sie etwas durchnimmt, solange sie sich an den Lehrplan hält. "School of the Air"-Pädagogen haben Freiheiten, die andere Lehrkräfte nicht kennen.

"Meine Kollegin trägt gerade ein T-Rex-Kostüm mit Helm im Unterricht, weil sie die Zeit der Dinosaurier durchnimmt. Jeden Tag kommt sie als ein anderes Urtier verkleidet. Die Kinder lieben solche Sachen. Wir bringen ständig Gegenstände, über die wir lernen, mit ins Studio. Zur Osterzeit unterrichten wir mit Plüschohren auf dem Kopf, vor Weihnachten in Zipfelmützen. Wir versuchen, unsere Stunden mit allen Mitteln so anschaulich und unterhaltsam wie möglich zu machen."

Kleinere Klassenstärken und flexiblerer Lehrpläne

Kleinere Klassenstärken und flexiblere Lehrpläne, aus denen sich jeder Schüler aus vorgeschlagenen Themengruppen selbst aussuchen kann, was ihn besonders interessiert. "Fernunterrichtskinder wissen, dass Bildung keine Einbahnstraße ist", sagt Englischlehrer John Ryan. Je mehr sie sich engagierten, desto persönlicher sei auch der Unterricht:

"Die Schülerinnen und Schüler lernen, für sich selbst zu denken. Die Schule sollte keine passive Einrichtung sein. Die Welt ändert sich so schnell. Was wir brauchen, sind junge Leute, die unabhängig und kritisch denken können. Anpassungsfähigkeit und Verbundenheit – das sind die Dinge, die zählen."

Die Video-Fernkurse der "School of the Air" enden mit dem sechsten Schuljahr, danach besuchen die Kinder die Internate weiterführender Schulen. Oft in Großstädten wie Adelaide, Perth oder Brisbane. Der Kulturschock sitzt manchmal tief, aber von wegen Bildungslücken: Distanzlehrerin Kathy Hogan ist stolz darauf, daß ihre Schüler akademisch nicht hinterherhinken. Im Gegenteil.

"Unsere Kinder schneiden überdurchschnittlich gut ab. Sie lernen von klein, auf sich mitzuteilen und mit modernster Technik umzugehen. Die Konferenzschaltungen verlangen Disziplin und Know-how. Mit Computern sind unsere Schüler Stadtkindern meilenweit voraus, denn sie sitzen ständig vor dem Bildschirm."

Früher waren Familien im australischen Nirgendwo schon zufrieden, wenn ihre Kinder durch die "School of the Air" nur lesen, schreiben und rechnen lernten – heute steht ihnen die ganze Welt offen. Dank Internet, Video-Fernunterricht und Online-Lernen. Viele gehen zur Universität oder ins Ausland. Mal über den Tellerrand schauen, die weite Welt sehen. Andere aber bleiben, weil sie gar nicht weg wollen.

Ein Frau mit langen Haaren sitzt an einem Schreibtisch. An der Wand hängen Kinderzeichnungen.  (imago / imagebroker / giovannini)So sah Schulunterricht "of the Air" vor 20 Jahren aus. Heute sitzen die Lehrkräfte in modernen Videostudios. (imago / imagebroker / giovannini)
Die Vormittagssendung von ABC Longreach, dem einzigen Radiosender, der auch noch im hintersten Westen von Queensland zu hören ist. Zwischen altbackener Countrymusik laufen die neuesten Lokalnachrichten, das Wetter und Interviews. Diesmal ist Col Wilson zu Gast im Studio, ein Buschpoet, der seit 50 Jahren Gedichte über das Outback und seine Menschen schreibt. Am Mikrofon ist Moderatorin Leonie Lyons. Sie kennt Cols Gedichte buchstäblich in- und auswendig. Gelernt und aufgesagt hat sie sie im Unterricht der "School of the Air".

Leonie hat auch ihren Universitätsabschluss in Medienlehre per Fernkurs gemacht, denn sie ist selbst mitten im Nirgendwo aufgewachsen.

"Unsere Farm war acht Stunden von einer kleineren Stadt entfernt. Nach Claremont, in den nächsten Ort, waren es drei Stunden. Alle drei Monate sind wir hingefahren, um einzukaufen. Einmal die Woche kam das Postflugzeug und brachte Brot, Lebensmittel in Dosen, Pakete und Briefe mit. Wir lebten sehr isoliert."

Geschlachtet wurde selbst, Milch kam von den eigenen Kühen, Gemüse aus Omas Garten hinterm Haus – der Schulunterricht kam über Satellit von der "School of the Air". Leonie und ihre Brüder bekamen jedes Jahr von ihrer Mutter eine neue Schuluniform genäht.

Eine umgebaute Scheune als Klassenzimmer

Mit Büchern und Heften unterm Arm marschierten sie damit stolz jeden Wochentag aus dem Farmhaus über den Hof in die Scheune. "Der Vorderteil war zum Klassenzimmer umgebaut", erinnert sich Leonie. Komplett mit Tafel, Stühlen und Schreibtischen, darauf Computer und Bildschirm.

"Meine Mutter sorgte dafür, dass wir einen eigenen Schulbereich hatten. Da stand ein Globus und es hingen Poster mit dem ABC und dem Einmaleins an der Wand. Jeden Wochentag hatten wir in der Scheune von halb zehn morgens bis halb vier nachmittags Unterricht oder wir machten Hausarbeiten.

Nur zur Mittagspause durften wir zurück ins Haus. Meine Mutter versuchte, das Farmleben und das Lernen getrennt zu halten, wir sollten uns fühlen, als gingen wir in eine normale Schule."

Die "School of the Air" ist alles andere als eine "normale Schule". Sie hat keinen Pausenhof, keinen Sportplatz, kein Schulhaus – und vor allem keine Kinder. Keine lachenden Gesichter, aber auch keine aufgeschlagenen Knie, kein Mobbing oder Schüler, die sich danebenbenehmen. "Dennoch ist das Verhältnis zwischen den Lehrern und ihren Klassen sehr eng", betont "School of the Air"-Direktorin Kerrie Russell. Trotz Tausender Kilometer Entfernung.

Wenn sich jetzt während der Pandemie normale Schulklassen und ihre Lehrer überall auf der Welt auch nur über Internet sehen könnten, sei es wichtig, in Kontakt zu bleiben, meint Russell. So wie es für australische Fernunterrichtskinder selbstverständlich ist.

"Jeden Morgen, wenn sich die Schüler mit ihrem Klassenlehrer zusammenschalten, sagen sie sich erst einmal 15 Minuten lang 'Hallo' und tauschen Neuigkeiten aus. Erst danach fängt der Unterricht an. Das stärkt den Zusammenhalt der Klasse und gibt jedem Kind die Gelegenheit etwas beizutragen, das ihm persönlich wichtig ist.

Für herkömmliche Schulen, die jetzt pandemiebedingt auf einmal auch Fernunterricht machen müssen, ist es genauso wichtig, positiv zu bleiben. Aber das von heute auf morgen zu schaffen, ist sehr, sehr schwierig."

Einmal im Jahr besuchen die Lehrer ihre Schüler

Sich mitzuteilen, zuhören, eigenständig mit Computern arbeiten und frei sprechen können – das hat Leonie Lyons im Fernunterricht der "School of the Air" gelernt wie Mathematik oder Erdkunde. Der Schritt hinters Radiomikrofon war für sie ein Katzensprung. Leonie denkt gern an ihre Zeit in der Distanzschule zurück, obwohl sie ihre Klassenkameraden und Lehrer praktisch nur als Gesicht auf einem Bildschirm kannte. Außer es war Besuchstag.

Einmal im Jahr fährt jeder "School of the Air"-Lehrer für 14 Tage mit dem schuleigenen Allrad-Jeep los und besucht jedes Kind seiner Klasse zu Hause. Zeit, um Schwächen auszubügeln, aber auch um das nachzuholen, worum Distanzlehrerinnen wie Kathy Hogan ihre Kollegen in gewöhnlichen Schulen am meisten beneiden: den persönlichen Kontakt mit ihren Schülern.

"Ich hätte die Kinder gern jeden Tag vor mir, um zu sehen, was sie im Unterricht machen, ob sie abgelenkt sind oder nicht. Auch wie sie miteinander umgehen, wenn Pause wäre. Aber es ist schön zu sehen, wie sehr sich die Eltern um die Schulbildung ihrer Kinder kümmern. Denn sie lernen ständig mit ihnen zusammen."

Ein einsamer Campingbus in der australischen Wüste. (imago images/Alexander Stein )Einmal im Jahr machen sich die Lehrer auf den Weg, um ihre Schüler zu Hause zu besuchen. (Symbolbild) (imago images/Alexander Stein )

Nachhilfelehrer gibt es nicht im australischen Outback. Bildung ist Familiensache. So wie bei den Ashbys in Wannaring.

"We are 275 kilometers towards Bourke from Broken Hill on the Darling River. My parents have a 157.000 acres property out there."

Nichts als Schotterstraßen, der nächste Nachbar zwei, der nächste Ort vier holprige Autostunden entfernt: Die Schaf- und Rinderfarm der Ashbys liegt da, wo sich nur noch Dingos und Kängurus gute Nacht sagen. Sara Ashby kümmert sich nicht nur um den Haushalt, das Vieh oder die Weidezäune, sie drückt auch die Schulbank.

"Dafür opfere ich gerne meine Zeit"

Jeden Tag, wenn Jack und Gordon, ihre Söhne, Fernunterricht haben, ist Mutter Sara mit dabei. Hilft mit. Achtet darauf, daß ihr Acht- und ihr Neunjähriger keinen Unsinn machen und konzentriert mitarbeiten.

"Ich bin viel stärker daran beteiligt, was und wie meine Kinder lernen, und kann selbst sehen, welche Fortschritte sie machen. In einer gewöhnlichen Schule ist das nicht möglich. Dafür opfere ich gern meine Zeit. Denn ich weiß auch um die Schwächen meiner Kinder und kann sofort mit ihnen daran arbeiten, nicht erst dann, wenn es zu spät ist."

Die Farm der Ashbys ist seit vier Generationen in Familienbesitz. Das soll auch so bleiben. Sara Ashby weiß aber, dass ihre Kinder erst einmal weggehen müssen, um später mit einem Universitätsabschluss in Agrarwissenschaften wiederzukommen.

Die Grundschulbildung in der "School of the Air" aber ist der Anfang. "Isolation muss kein Nachteil sein", glaubt Sara Ashby. Der Fernunterricht habe ihre Kinder von klein auf gelehrt, unabhängig und für sich selbst verantwortlich zu sein.

"Was ihre Fähigkeit, soziale Kontakte oder Freundschaften zu bilden angeht, kommen sie gegenüber normalen Grundschülern natürlich zu kurz. Das lernen sie, wenn sie älter sind. Dafür sind sie hervorragend darauf vorbereitet, sich akademisch mit Hilfe von Computern und moderner Technologie mitzuteilen. Meiner Meinung nach bekommen sie eine bessere Schulbildung."

"Getrennt und doch vereint"

"Parted but united" – getrennt und doch vereint. Der Titel des Schullieds der "Schools of the Air" ist selbst siebzig Jahre nach ihrer Gründung immer noch Programm. Der regierungsfinanzierte Distanzunterricht sorgt weiter dafür, dass selbst im menschenleeren Outback niemand sitzen bleibt. Australiens Fernschule könnte eine Blaupause für all jene Länder sein, die coronabedingt ihre Kinder kurz- oder langfristig zu Hause unterrichten müssen. Nur die Verfügbarkeit und die Leistung des Internets sind das Limit.

"Die Pandemie wird die Art, wie Bildung vermittelt wird, grundlegend verändern," glaubt "School of the Air"-Direktorin Kerrie Russell. Denn bei einer Datenautobahn ohne Download-Geschwindigkeitsbegrenzung könnte der herkömmliche Präsenzunterricht vielleicht schon bald virtuelle Realität werden.

"Ich würde gerne mehr mit Virtual Reality experimentieren, dass Lehrkräfte sowie Schülerinnen und Schüler das Gefühl haben, gemeinsam in einem virtuellen Raum zusammenzuarbeiten. Im Outback haben wir dafür noch zu wenig Datenkapazität. Wer aber in der Stadt jetzt zum Online-Lernen wechselt, dem sind überhaupt keine Grenzen gesetzt. Darauf bin ich fast ein wenig neidisch."
 

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