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Fazit / Archiv | Beitrag vom 01.01.2020

Ausstellungen in WuppertalFriedrich Engels als Karikaturist

André Poloczek im Gespräch mit Eckhard Roelcke

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Porträt von Friedrich Engels (Alessandro Lonati / imago images / Leemage)
Im Engels-Jahr werden wir sicher noch mehr Interessantes über Friedrich Engels erfahren. Am 18. November 1820, also vor 200 Jahren, kam er in Wuppertal zur Welt. (Alessandro Lonati / imago images / Leemage)

In diesem Jahr wird Friedrich Engels’ 200. Geburtstag gefeiert. Seine Geburtsstadt Wuppertal ehrt ihn mit zwei Ausstellungen über seine weitgehend unbekannten Seiten: Engels war nicht nur Philosoph, Journalist und Revolutionär - er war auch Karikaturist.

Das Jahr 2020 steht nicht nur im Zeichen des großen Komponisten Ludwig van Beethoven, sondern auch im Zeichen des Philosophen Friedrich Engels. Vor 200 Jahren, am 18. November 1820, wurde er in Barmen, einem Stadtteil von Wuppertal, geboren. Seine Zusammenarbeit mit Karl Marx war wegweisend, radikal und revolutionär. Ein Resultat – neben umfangreichen Schriften – ist das von beiden verfasste Kommunistische Manifest von 1848.

Aber Engels hatte auch eine andere, weitgehend unbekannte Seite: Er zeichnete Karikaturen und war ein Lebemann. Die Zentralbibliothek Wuppertal widmet ihm nun zwei Ausstellungen – eine biografische und eine mit Cartoons von und über Friedrich Engels. Letztere basiert auf einem Buch, das André Poloczek herausgegeben hat und den Titel "Engels-Gesichter" trägt. Er selbst ist Cartoonist und Soziologe und sagt:

"Der Großteil seiner Karikaturen ist auch nicht zu Lebzeiten veröffentlicht worden, sondern fand sich in Briefen, insbesondere an die Familie, aber auch an Freunde und Weggefährten." Die meisten dieser Briefe stammten aus seiner Zeit in Bremen, als Engels ein junger Journalist war. An diesen Zeichnungen erkenne man sein kolossales Talent, sagt Poloczek. Später entstandene Zeichnungen seien bedauerlicherweise nicht bekannt.

Das "Who is Who" der Cartoonisten-Szene

Im Vorwort seines Buches behauptet Poloczek, Engels sei auch ein Karikaturist gewesen. Dies untermauert er mit einem Bild aus dem Jahr 1848. Auf diesem ist der politische Debattier-Club "Die Freien" zu sehen. "Oben links in der Ecke gibt es ein kleines Eichhörnchen und dieses Eichhörnchen steht stellvertretend für den damaligen preußischen Kultusminister, der Eichhorn hieß, was Engels endgültig als satirischen Grafiker ausweist."

Zwei Männer sitzen an einer Theke. Fragt der eine: "Praktikum. Und du?". Antwortet der andere; "Ich mach'n asoziales Jahr bei der Deutschen Bank." (André Poloczek)In dem von André Poloczek herausgegeben Buch "Engels-Gesichter" sind Zeichnungen von rund 50 Cartoonistinnen und Cartoonisten vertreten, u. a. dieses hier von Poloczek selbst. (André Poloczek)

Poloczek konnte rund 50 Karikaturistinnen und Karikaturisten dafür gewinnen, ihm "Themenbereiche von Engels in satirisch-grafischer Form" zur Verfügung zu stellen. Darunter sind so illustre Namen wie Frank Hoppmann, Katharina Greve, Gerhard Seyfried und Professor F. W. Bernstein.

Der Philosoph und Revolutionär Engels ist also ganz offensichtlich noch heute so aktuell wie die Themen, die ihn damals umtrieben: Die Schere zwischen Arm und Reich, prekäre Wohnverhältnisse und der Umgang mit Kapital.

Bis zum 30. Januar sind diese beiden Ausstellungen über Friedrich Engels in der Zentralbibliothek in Wuppertal zu sehen.

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