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Fazit | Beitrag vom 25.03.2019

Ausstellung über schwarze Modelle in ParisDie Schattenwesen der Kunst

Kathrin Hondl im Gespräch mit Gabi Wuttke

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Edouard Manets Gemälde "Olympia" zeigt links im Bild eine weiße, nackte Frau, die in einem Bett liegt und rechts im Bild eine schwarze Frau mit Blumenstrauß. (Alexander Kurov/TASS)
Auch Edouard Manets Gemälde "Olympia" gehört zur aktuellen Ausstellung im Musée d'Orsay (Alexander Kurov/TASS)

Schwarze Menschen wurden in der Moderne zwar oft auf Bildern verewigt, doch blieben sie meist namenlos und buchstäblich im Schatten der – oft weißen – Hauptmotive. Das will eine Ausstellung in Paris ändern, indem sie die Modelle aus ihrer Anonymität holt.

Die Ausstellung "Das schwarze Modell von Gericault bis Matisse" in Paris beleuchtet die Bedeutung der dunkelhäutigen Modelle im Laufe der Jahrhunderte. Sie zeigt den Dialog des malenden, bildhauernden oder fotografierenden Künstlers und dem Modell, das für ihn posiert. Und setzt sich mit der Art und Weise auseinander, wie sich die Darstellung der schwarzen Malsujets in den bedeutenden Werken von Théodore Géricault bis Henri Matisse weiterentwickelt.

Die Ausstellung öffne die Augen für die Schattenwesen der Kunst, sagt unsere Kritikerin Kathrin Hondl: Gemeint sind die zahlreichen anonymen dunkelhäutigen Frauen und Männer, die seit der ersten Abschaffung der Sklaverei in Frankreich im Jahr 1794 Generationen von Künstlern Modell gestanden haben.

Wie sich die Wahrnehmung der Modelle verändert habe, zeige gleich das erste Bild der Ausstellung, ein um 1800 geschaffenes Werk der Malerin Marie-Guillemine Benoist:

"Das Bild hieß früher 'Bild einer Negerin'. Später kam es in den Louvre, wo es eines der Meisterwerke ist. Da hieß es dann 'Portrait einer schwarzen Frau'. Und jetzt hat dieses Bild endlich einen Namen – beziehungsweise die Frau darauf – es heißt nämlich 'Portrait de Madeleine'."

Es gehe genau darum: den anonymen Schwarzen in der Kunst Namen und Geschichten zu geben.  

Ausstellungsidee aus den USA

Die Ausstellung passe in die Diskussion um koloniale Bilder, gehe allerdings auf eine Idee der afro-amerikanischen Kunsthistorikerin Denise Murrell zurück, die in New York eine kleinere Version dieser Ausstellung organisiert habe. Kern dieser New Yorker Ausstellung sei das berühmte Bild "Olympia" von Edouard Manet gewesen, das eine weiße Prostituierte, die nackt im Vordergrund liegt, zeigt:

"Dahinter ist eine Schwarze, die Dienerin, die da mit den Blumen kommt. Denise Murrell fragte sich 'Wer ist diese Frau? Wir wissen gar nichts von ihr'. Und genau darum geht es jetzt in der Ausstellung, dass man sich fragt, was waren das eigentlich damals für Menschen, die damals in Paris den Malern als Modelle dienten, die als Kindermädchen arbeiteten und über die man auch bis heute sehr wenig weiß."

Den Namenlosen eine Geschichte geben

Zum Gelingen der Pariser Ausstellung seien viele Historiker beteiligt gewesen, die nun versuchten diese Geschichten der Modelle zu rekonstruieren. 

"Und um auf das Bild von 'Olympia' zurückzukommen. Auch die schwarze Dienerin hat jetzt einen Namen. Sie heißt nämlich 'Lore'."

Ganz wichtig sei in der Ausstellung auch der Kampf der Künstler für die Abschaffung der Sklaverei. "Es geht sehr viel um die Beziehung zwischen Maler, Malerin und Modell. Es ist insofern auch eine sehr kunsthistorische Ausstellung, auch wenn der historische Kontext auch immer wieder beleuchtet wird."

(mle)

"Le modèle noir de Géricault à Matisse" 
Ausstellung im Musée d'Orsay in Paris
bis zum 21. Juli 2019
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