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Kompressor | Beitrag vom 15.05.2019

Ausstellung "Straying from the Line"Kunst, Porno, Feminismus

Alexandra Mangel im Gespräch mit Gesa Ufer

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Videostill aus Martine Syms Video "Lesson LXXV" (2017). Das Bild zeigt die afroamerikanische Künstlerin Martine Syms, der weiße Flüssigkeit über das Gesicht läuft. (Schinkel-Pavillon / Martine Syms / Sadie Coles HQ )
"Ein unglaublich starkes Bild, umso mehr, wenn man weiß, dass bei den Protesten in Ferguson tatsächlich Milch gegen das Tränengas eingesetzt wurde", sagt Journalistin Alexandra Mangel. (Schinkel-Pavillon / Martine Syms / Sadie Coles HQ )

Lustvoll masturbierend porträtierte sich die Künstlerin Cosey Fanni Tutti. Unweit entfernt hängt eine zarte Bleistiftzeichnung von Gabriele Münter. Die Berliner Ausstellung "Straying from the Line" zeigt die Diversität weiblicher Kunst aus 100 Jahren.

Rasierte Haare, Anzug, ein eleganter Dandy – mit einem wahnsinnig coolen Blick. Man denkt, die könnte einem so heute auch im Berliner Nachtleben begegnen", sagt die Journalistin Alexandra Mangel über die Selbstporträts der Surrealistin Claude Cahun. Mit bürgerlichem Namen hieß sie Lucy Schwob und war schon lange vor der Erfindung des Selfies eine "Meisterin der queeren Selbstinszenierung".

Die Ausstellung "Straying from the Line" im Berliner Schinkel-Pavillon präsentiert 53 Werke von 48 Künstlerinnen. Mit dabei auch Cosey Fanni Tutti, eine Künstlerin, Pornodarstellerin und Mitgründerin der Band Throbbing Gristle. Die auch schon mal im Stripclub um ein Autogramm gebeten wurde. Dass sie sich lustvoll posend und masturbierend in Latex und High Heels ablichten ließ, irritiert Feministinnen bis heute, erzählt Alexandra Mangel. 

Zu den Werken zeitgenössischer Künstlerinnen zählt auch ein Video der Afroamerikanerin Martine Syms, die 1988 geboren wurde. In dem Video scheint die Künstlerin Tränen aus Milch zu weinen. "Dieses Video lief nach den Protesten in Ferguson, also den Protesten gegen Polizeigewalt, auf einem gigantischen Bildboard am Times Square", erklärt Alexandra Mangel. "Ein unglaublich starkes Bild, umso mehr, wenn man weiß, dass bei den Protesten tatsächlich Milch gegen das Tränengas eingesetzt wurde."

(mwl)

Die Ausstellung "Straying from the Line" ist bis zum 28. Juli 2019 im Berliner Schinkel-Pavillon zu sehen.

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